Erweiterte Funktionen

Erwartung bevorstehender Zinssenkungen gebremst


19.01.24 11:35
RBC BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Notenbankvertreter machen den Marktteilnehmern zunehmend deutlich, dass eine geldpolitische Lockerung noch länger auf sich warten lassen könnte, beobachtet Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay, RBC BlueBay Asset Management.

Insgesamt sollten sich Investoren weiterhin warm anziehen.

Die Renditen von Staatsanleihen seien in der vergangenen Woche angestiegen, da Vertreter der US-Notenbank (FED) und der Europäischen Zentralbank (EZB) die Erwartung bevorstehender Zinssenkungen weiter gebremst hätten.

Es sei eine Rede von FED-Gouverneur Christopher Waller Ende November vergangenen Jahres gewesen, die den Anstoß für die zunehmenden Spekulationen über einen bevorstehenden geldpolitischen Kurswechsel gegeben habe. Daher sei der Dämpfer wichtig gewesen, um die Erwartungen herunterzuschrauben.

Die Experten hätten bereits früher argumentiert, dass es angesichts der Rekordtiefs bei der Arbeitslosigkeit, des starken Aktienmarktes und der relativ geringen Spreads nicht klar sei, warum es die FED mit einer Lockerung der Geldpolitik eilig haben sollte. Darüber hinaus seien diese Woche erneut starke Einzelhandelsumsätze gemeldet worden. Waller habe erklärt, dass es in einem Szenario der "weichen Landung" wenig Grund gebe, so zeitnah oder schnell die Zinsen zu senken wie in der Vergangenheit.

Mit Blick auf die Inflation herrsche trotz der jüngsten Verbesserung in den USA weiterhin große Unsicherheit. Wie andere Regionen diese Woche gezeigt hätten, sei der Weg zu einer dauerhaften Inflation von 2 Prozent nicht so einfach, wie manche meinen würden. Im Vereinigten Königreich sei die Gesamtinflation im Jahresvergleich von 3,9 Prozent auf 4 Prozent gestiegen - der erste Anstieg seit Februar 2023. Der Verbraucherpreisindex für Dienstleistungen sei auf 6,4 Prozent geklettert.

Nächste Woche würden die EZB und die Bank of Japan (BoJ) mit ihren ersten geldpolitischen Sitzungen des neuen Jahres starten. Die Erwartungen einer geldpolitischen Änderung seien in beiden Regionen gering. Eventuelle Anpassungen in der Kommunikation oder beim Ausblick würden aber sehr genau beobachtet werden.

Die Experten würden erwarten, dass die EZB die Rhetorik ihrer Redner auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos wiederholen und frühen Zinssenkungen die kalte Schulter zeigen werde. In Japan würden sie trotz der Auswirkungen des jüngsten Erdbebens davon ausgehen, dass die Bank of Japan (BoJ) im April eine weitere geldpolitische Normalisierung vornehmen werde.

Das geopolitische Risiko habe zu Beginn des Jahres 2024 wenig überraschend zugenommen. Die anhaltenden Angriffe der jemenitischen Huthi auf Containerschiffe im Roten Meer hätten zu einer faktischen Schließung des Suezkanals und zu einem gemeinsamen Angriff der USA und des Vereinigten Königreichs auf Ziele im Jemen geführt.

Bisher hätten diese Ereignisse kaum Konsequenzen für die Kapitalmärkte gehabt. Die Marktteilnehmer würden darauf vertrauen, dass die Maßnahmen der westlichen Allianz die Angriffe eindämmen würden, bevor es zu nennenswerten Auswirkungen auf die globalen Lieferketten und damit verbunden zu höheren Preisen komme.

In Taiwan habe das wichtige weltweite Wahljahr 2024 begonnen. Einerseits habe die amtierende Demokratische Fortschrittspartei (DPP) die Exekutive behalten, andererseits aber die Legislative verloren. Ihr Mandat für die Unabhängigkeit scheine etwas an Schwung verloren zu haben. Sie habe das schwächste Wahlergebnis der vergangenen 20 Jahre erzielt. Alles in allem sei es ein relativ positives Ereignis für den Frieden und die Stabilität in der Taiwanstraße - vorerst.

Die Experten würden vorsichtig bleiben, da sich die Unsicherheit auf vielen verschiedenen Ebenen ausbreite. In den kommenden zwei Wochen dürften die geopolitischen Entwicklungen und die anstehenden Zentralbanktreffen den Ton angeben. Es könnte sein, dass die Anleger noch ein wenig länger der Kälte trotzen müssten, da die Marktrichtung zunächst unklarer werde. (19.01.2024/alc/a/a)