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Erwarten die Märkte zu viel von der FED?


18.02.22 15:30
LYNX Broker

Berlin (www.anleihencheck.de) - In den ersten Wochen des neuen Jahres lief es an den weltweiten Börsen nicht rund, so die Experten von LYNX Broker.

Eine hohe Volatilität habe es Anlegern zunehmend schwer gemacht, die Lage einzuschätzen. In der Folge sei die Unsicherheit gestiegen. Geopolitische Verwerfungen wie der drohende Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, der unaufhaltsame Vormarsch der Omikron-Variante und die immer stärker steigende Inflation hätten ihren Teil zu dieser Entwicklung beigetragen. Besonders die Tatsache, dass die FED ihre Einschätzung aufgegeben habe, dass es sich bei den teils immensen Preissteigerungen nur um einen vorübergehenden Effekt nach der Pandemie handle, habe an den Aktienmärkten für Aufsehen gesorgt. Während man zu Anfang noch von nur drei Zinsschritten in diesem Jahr ausgegangen sei, hätten die Märkte mittlerweile sechs bis sieben Schritte eingepreist. Doch für Sascha Sadowski, Marktexperte beim Online-Broker LYNX, ist längst noch nicht sicher, dass diese auch tatsächlich kommen werden.

"Natürlich besteht die Möglichkeit, dass die FED tatsächlich diese hohe Zahl an Zinsschritten beschließt. Doch genauso gut möglich ist es, dass sie sich im Laufe des Jahres dagegen entscheidet", erkläre er. Seiner Meinung nach gebe es einige Punkte, die dafür sprechen könnten, dass die FED mit ihrer Geldpolitik weiterhin relativ großzügig bleiben könnte. "Die Höhe der Inflationsraten in den USA, Großbritannien und auch in Europa sind ohne Frage weit vom Zielwert von zwei Prozent entfernt und Verbraucher und Unternehmen bekommen die Entwertung ihres Geldes deutlich zu spüren. Allerdings muss man auch den Ausgangspunkt dieser Entwicklung im Blick behalten - und dieser war relativ stabil. Die vielen staatlichen Maßnahmenpakete haben dazu geführt, dass die Bilanzen in vielen Fällen recht gut aussehen, sowohl auf Verbraucher- als auch auf Unternehmensseite."

Hinzu käme, dass die Angst, die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie durch zu starkes Eingreifen der FED abzuwürgen, noch längst nicht gänzlich vom Tisch sei. "Diese Befürchtungen sind nach wie vor vorhanden und könnten zumindest für dieses Jahr dazu führen, dass die FED die Zinsen weniger stark erhöht, als aktuell in den Märkten eingepreist ist", führe Sadowski aus. Seiner Meinung nach habe sich die FED bei ihren derzeitigen Plänen auch vom Druck der Öffentlichkeit zumindest ein Stück weit beeinflussen lassen. "Die teilweise extrem gestiegenen Lebenshaltungskosten überall auf der Welt werden natürlich auch in der öffentlichen Debatte und in den Medien verstärkt aufgegriffen. Der politische Druck, etwas dagegen zu unternehmen, steigt damit immer weiter - auch wenn die FED vielleicht gar nicht die richtigen Werkzeuge in ihrem Arsenal hat, da die Gründe für die gestiegenen Preise auch in anderen Bereichen zu suchen sind, auf die sie keinen Einfluss hat. Man denke nur an die Energiewende und die damit verbundenen Preissteigerungen oder an die unterbrochenen Lieferketten, die zu einer Verknappung vieler Güter geführt haben."

Für Sadowski spricht daher vieles dafür, dass sich die extremen Inflationsraten der letzten Monate nicht unbegrenzt fortsetzen werden, auch ohne ein derart starkes Eingreifen der FED. "Natürlich werden die bis dahin angefallenen Preissteigerungen die Verbraucher unter Druck setzen, aber dieser dürfte zumindest nicht noch wesentlich weiter steigen. Deswegen könnte sich die FED durchaus darauf einlassen, zwischen Inflationsschutz und der Förderung des Wirtschaftswachstums abzuwägen und den einen oder anderen Zinsschritt auf einen späteren Zeitpunkt verschieben." (18.02.2022/alc/a/a)