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Das Ende der Zentralbankdominanz
20.03.17 11:00
Nordea
Stockholm (www.anleihencheck.de) - Derzeit ist viel von Paradigmenwechseln in der Politik die Rede, aber noch ist nicht klar, wohin die Reise geht. Sicher ist jedoch, dass sich immer mehr Zentralbanken von der lockeren Geldpolitik verabschieden, die nach dem Lehman-Zusammenbruch alternativlos schien, und einen neuen Kurs setzen, so Witold Bahrke, Senior Macro Strategist bei Nordea Asset Management.
Das habe wichtige Konsequenzen für die Anleger, weil damit die fast universelle monetäre Stützung von Anlageerträgen und Makrostabilität verloren gehe.
Zwar werde das Wachstum durch eine geldpolitische Straffung erschwert, doch sei diese grundsätzlich nicht verkehrt, wenn die Wirtschaft zu überhitzen drohe. Würden dann aber noch massive Konjunkturprogramme aufgelegt, könnte entgegen landläufiger Meinung das Ende des aktuellen Zyklus eher beschleunigt als aufgeschoben werden. Entsprechend sei dieser Faktor ganz wesentlich für die Frage, ob der aktuelle Marktoptimismus gerechtfertigt sei.
Die Welt müsse sich langsam, aber sicher auf Zinserhöhungen einstellen. Alle drei großen Zentralbanken befänden sich mittlerweile auf einem geldpolitischen Straffungskurs - und würden die Spielregeln damit dramatisch ändern. So habe die US-Notenbank FED als Reaktion auf den steigenden Optimismus in der US-Wirtschaft einen neuen Zinserhöhungszyklus begonnen. Und auch wenn sie dabei noch behutsam vorgehe, sei die Wahrscheinlichkeit überraschender Zinsschritte gestiegen. Sollte die bessere Stimmung zu mehr Wachstum führen, könnte die wichtigste Zentralbank der Welt in nicht allzu ferner Zukunft auch eine Verringerung ihrer Bilanz in Betracht ziehen und damit die konventionellen Straffungsmaßnahmen um eine unkonventionelle erweitern.
In Europa verlangsame die EZB derweil das Tempo ihrer Anleihenkäufe, und mit dem Inflationsanstieg würden sowohl im Frankfurter Euro Tower als auch anderswo erste Stimmen eine restriktivere Gangart fordern, so dass künftige Zinserhöhungen zumindest nicht mehr ausgeschlossen erscheinen würden. Selbst die Chinesische Zentralbank fahre einen restriktiven Kurs. Tatsächlich sei sie die erste große Zentralbank gewesen, die 2017 die Zinsen angehoben habe. Seit der Finanzkrise sei die extrem lockere Geldpolitik ganz wesentlich für die bemerkenswerte Stabilität der Wirtschaft und des Marktes verantwortlich gewesen. Entsprechend führe die neue Marschrichtung in der Geldpolitik zwangsläufig zu einer Veränderung der Makrorisiken.
Wie also werde sich der Regimewechsel auf die makroökonomischen Risiken und damit den generellen Markttrend auswirken? Die Antwort hänge besonders in den USA entscheidend von dem Zusammenspiel zwischen Fiskal- und Geldpolitik ab. Anders als in früheren Straffungszyklen sei das Wachstum trotz der generellen Erholung deutlich schwächer als vor der Krise. Und das makroökonomische Fundament habe durch die gegenüber früheren Zyklen hohe politische Unsicherheit zumindest Risse bekommen. Viele Anleger würden deshalb hoffen, dass ein starker Staat die bisher dominierenden Zentralbanken ablöse, damit sich an den Makrorisiken insgesamt nichts ändere. Sie würden argumentieren, dass nach dem Rückzug der Zentralbanken die Fiskalpolitik für die nötige Unterstützung sorgen könnte, damit Wachstum und Vermögenspreise keinen Schaden nehmen würden.
Hier sei aber womöglich der Wunsch Vater des Gedankens. In der aktuellen Lage würden staatliche Konjunkturprogramme die Makro- und Marktrisiken nicht verringern. Im Gegenteil. Großzügige Staatsausgaben würden die Makrorisiken erhöhen, wenn Volkswirtschaften wie aktuell die USA bereits voll ausgelastet seien, und würden so die Weichen für eine spätere Überhitzung stellen. Darauf müssten die Zentralbanken reagieren. Schließlich orientiere sich die FED bei Zinserhöhungen stark an den Erwartungen künftiger Konjunkturmaßnahmen. In einem strukturell schwachen Wachstumsumfeld könnten aggressive fiskalpolitische Impulse die Erholung also indirekt zum Erliegen bringen, weil die Zentralbanken gezwungen wären, die Geldpolitik stärker zu straffen als aktuell angenommen.
Geldpolitik und Fiskalpolitik seien nicht austauschbar, sondern würden sich gegenseitig bedingen. Sollten die USA hohe Ausgabenprogramme auflegen, müsste die FED zwangsläufig die Zinsen erhöhen. Bestenfalls würden damit die positiven Wachstumsimpulse der Fiskalpolitik neutralisiert. Schlimmstenfalls entstünde ein Teufelskreis, der die bereits sehr reale privatwirtschaftliche Erholung abwürge. Die Schuldenberge seien seit dem Höhepunkt der Finanzkrise nicht weniger geworden, ganz im Gegenteil. Das vergrößere die potenziell negativen Auswirkungen der zentralbankseitigen Straffung. Die einseitige Hoffnung des Marktes auf die positiven Auswirkungen staatlicher Ausgabenprogramme sei daher fehl am Platz. Statt mehr Wachstum und Erträge zu generieren, würden sie die Wahrscheinlichkeit negativer Entwicklungen erhöhen.
Mit dem Rückzug der Zentralbanken als wichtigstem positiven Treiber der Märkte würden sich die Spielregeln grundlegend ändern. Wie es an den Märkten künftig weitergehe, hänge davon ab, inwieweit dieser Regimewechsel die makroökonomischen Risiken insgesamt beeinflusse. Und das wiederum entscheide nicht zuletzt die fiskalpolitische Antwort. Die Märkte würden optimistisch bleiben, zum Teil auch, weil sie hoffen würden, dass nach dem Rückzug der Zentralbanken nun die Fiskalpolitik den Staffelstab übernehme. Deren Dominanz wäre allerdings eine gefährliche Antwort auf das Ende der Zentralbankdominanz. Denn sie würde die makroökonomischen Risiken eher verschärfen als verringern und die Zentralbanken in einem wachstumsschwachen Umfeld zu "übertriebenen" Zinserhöhungen zwingen.
Die zuletzt eher aggressiven Verlautbarungen der FED könnten als erste Warnsignale verstanden werden. In dieser Situatuion sei weniger tatsächlich mehr. Selbst wenn anfängliche Enttäuschungen vorprogrammiert wären: Die beste Antwort auf den Regimewechsel in der Geldpolitik wäre der weitgehende Verzicht auf Konjunkturprogramme. (20.03.2017/alc/a/a)
Das habe wichtige Konsequenzen für die Anleger, weil damit die fast universelle monetäre Stützung von Anlageerträgen und Makrostabilität verloren gehe.
Zwar werde das Wachstum durch eine geldpolitische Straffung erschwert, doch sei diese grundsätzlich nicht verkehrt, wenn die Wirtschaft zu überhitzen drohe. Würden dann aber noch massive Konjunkturprogramme aufgelegt, könnte entgegen landläufiger Meinung das Ende des aktuellen Zyklus eher beschleunigt als aufgeschoben werden. Entsprechend sei dieser Faktor ganz wesentlich für die Frage, ob der aktuelle Marktoptimismus gerechtfertigt sei.
Die Welt müsse sich langsam, aber sicher auf Zinserhöhungen einstellen. Alle drei großen Zentralbanken befänden sich mittlerweile auf einem geldpolitischen Straffungskurs - und würden die Spielregeln damit dramatisch ändern. So habe die US-Notenbank FED als Reaktion auf den steigenden Optimismus in der US-Wirtschaft einen neuen Zinserhöhungszyklus begonnen. Und auch wenn sie dabei noch behutsam vorgehe, sei die Wahrscheinlichkeit überraschender Zinsschritte gestiegen. Sollte die bessere Stimmung zu mehr Wachstum führen, könnte die wichtigste Zentralbank der Welt in nicht allzu ferner Zukunft auch eine Verringerung ihrer Bilanz in Betracht ziehen und damit die konventionellen Straffungsmaßnahmen um eine unkonventionelle erweitern.
Wie also werde sich der Regimewechsel auf die makroökonomischen Risiken und damit den generellen Markttrend auswirken? Die Antwort hänge besonders in den USA entscheidend von dem Zusammenspiel zwischen Fiskal- und Geldpolitik ab. Anders als in früheren Straffungszyklen sei das Wachstum trotz der generellen Erholung deutlich schwächer als vor der Krise. Und das makroökonomische Fundament habe durch die gegenüber früheren Zyklen hohe politische Unsicherheit zumindest Risse bekommen. Viele Anleger würden deshalb hoffen, dass ein starker Staat die bisher dominierenden Zentralbanken ablöse, damit sich an den Makrorisiken insgesamt nichts ändere. Sie würden argumentieren, dass nach dem Rückzug der Zentralbanken die Fiskalpolitik für die nötige Unterstützung sorgen könnte, damit Wachstum und Vermögenspreise keinen Schaden nehmen würden.
Hier sei aber womöglich der Wunsch Vater des Gedankens. In der aktuellen Lage würden staatliche Konjunkturprogramme die Makro- und Marktrisiken nicht verringern. Im Gegenteil. Großzügige Staatsausgaben würden die Makrorisiken erhöhen, wenn Volkswirtschaften wie aktuell die USA bereits voll ausgelastet seien, und würden so die Weichen für eine spätere Überhitzung stellen. Darauf müssten die Zentralbanken reagieren. Schließlich orientiere sich die FED bei Zinserhöhungen stark an den Erwartungen künftiger Konjunkturmaßnahmen. In einem strukturell schwachen Wachstumsumfeld könnten aggressive fiskalpolitische Impulse die Erholung also indirekt zum Erliegen bringen, weil die Zentralbanken gezwungen wären, die Geldpolitik stärker zu straffen als aktuell angenommen.
Geldpolitik und Fiskalpolitik seien nicht austauschbar, sondern würden sich gegenseitig bedingen. Sollten die USA hohe Ausgabenprogramme auflegen, müsste die FED zwangsläufig die Zinsen erhöhen. Bestenfalls würden damit die positiven Wachstumsimpulse der Fiskalpolitik neutralisiert. Schlimmstenfalls entstünde ein Teufelskreis, der die bereits sehr reale privatwirtschaftliche Erholung abwürge. Die Schuldenberge seien seit dem Höhepunkt der Finanzkrise nicht weniger geworden, ganz im Gegenteil. Das vergrößere die potenziell negativen Auswirkungen der zentralbankseitigen Straffung. Die einseitige Hoffnung des Marktes auf die positiven Auswirkungen staatlicher Ausgabenprogramme sei daher fehl am Platz. Statt mehr Wachstum und Erträge zu generieren, würden sie die Wahrscheinlichkeit negativer Entwicklungen erhöhen.
Mit dem Rückzug der Zentralbanken als wichtigstem positiven Treiber der Märkte würden sich die Spielregeln grundlegend ändern. Wie es an den Märkten künftig weitergehe, hänge davon ab, inwieweit dieser Regimewechsel die makroökonomischen Risiken insgesamt beeinflusse. Und das wiederum entscheide nicht zuletzt die fiskalpolitische Antwort. Die Märkte würden optimistisch bleiben, zum Teil auch, weil sie hoffen würden, dass nach dem Rückzug der Zentralbanken nun die Fiskalpolitik den Staffelstab übernehme. Deren Dominanz wäre allerdings eine gefährliche Antwort auf das Ende der Zentralbankdominanz. Denn sie würde die makroökonomischen Risiken eher verschärfen als verringern und die Zentralbanken in einem wachstumsschwachen Umfeld zu "übertriebenen" Zinserhöhungen zwingen.
Die zuletzt eher aggressiven Verlautbarungen der FED könnten als erste Warnsignale verstanden werden. In dieser Situatuion sei weniger tatsächlich mehr. Selbst wenn anfängliche Enttäuschungen vorprogrammiert wären: Die beste Antwort auf den Regimewechsel in der Geldpolitik wäre der weitgehende Verzicht auf Konjunkturprogramme. (20.03.2017/alc/a/a)


