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Ende des Albtraums in Sicht?


08.06.20 10:15
OFI Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Die Rezession ist steil und wohl eine der schlimmsten der modernen Geschichte, so Jean-Marie Mercadal, Chef-Stratege bei OFI Asset Management.

Aber: sie sei durch den großen Lockdown weltweit "künstlich" erzeugt worden, und die Zentralbanken hätten quasi alle aufgrund der Krise aufgenommenen Schulden aufgefangen, was letzte Woche von der Europäischen Zentralbank durch das erweiterte Anleihekaufprogramm erneut bestätigt worden sei. Wo liege also das Problem? Habe man nur schlecht geträumt?

"Wir sind innerhalb weniger Wochen von einem recht soliden und international synchronen Wirtschaftsszenario mit einem Wachstum von über drei Prozent in eine globale Rezession gestürzt, die nach Schätzungen des IMF in diesem Jahr voraussichtlich etwa einen Absturz um drei Prozent erreichen wird", so Jean-Marie Mercadal. Besonders beeindruckend seien die Zahlen in den USA und in der Eurozone, wo für 2020 ein Wirtschaftseinbruch um etwa sieben bis neun Prozent erwartet werde.

Für das nächste Jahr gehe der IMF davon aus, dass man weltweit zu einem Wachstum von 5,8 Prozent zurückkehren werde. Allerdings seien solche Prognosen unzuverlässig. Klar sei, es werde eine Erholungsphase geben. Die Experten würden allerdings davon ausgehen, dass die Wirtschaft zwei bis drei Jahre brauchen werde, bis sie das Vorkrisenniveau von 2019 wieder erreiche (U-förmiger Aufschwung). Die Volkswirtschaften würden sich zwar allmählich wieder öffnen, würden aber aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen gegen eine erneute Ausbreitung von Covid-19 weiterhin eingeschränkt bleiben. Viele Unternehmen würden noch Insolvenz anmelden, und viele Verbraucher seien arbeitslos oder würden sich um ihren Arbeitsplatz sorgen, sodass sie sich aktuell in ihren Ausgaben zurückhalten würden. Dies werde sich wiederum hemmend auf die Investitionen der Unternehmen auswirken.

Nach der Finanzkrise 2008/2009 habe das Bruttoinlandsprodukt der USA erst im Herbst 2010 wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Die Eurozone habe 2011 durch die Staatsschuldenkrise einen Rückfall erlitten und sogar bis zum Frühjahr 2015 warten müssen.

Was bedeute das für Anleger?

Die Leitzinsen in den wichtigsten Ländern der Welt dürften nach Einschätzung der Experten um null Prozent stabil bleiben. Entsprechend würden zehnjährige US-Staatsanleihen bei aktuell 0,92 Prozent rentieren, deutsche bei -0,29 Prozent und japanische bei 0,04 Prozent (Stand: 8. Juni 2020). Im Vergleich dazu würden die Experten Unternehmensanleihen, speziell kurzlaufende Investmentgrade-Anleihen mit einer Restlaufzeit von ein bis drei Jahren, für eine gute Alternative zum Geldmarkt halten. Ebenso würden sie Schwellenländeranleihen in lokaler Währung, die Renditen von rund fünf Prozent böten, für relativ attraktiv halten.

US-Aktien seien nach Einschätzung der Experten überbewertet und seien angesichts des Ausmaßes des Wirtschaftsschocks nicht stark gesunken. Die USA hätten aber den Vorteil, dass Tech-Unternehmen einen großen Anteil am US-Aktienmarkt hätten und von der Krise profitieren würden. Die Experten würden denken, dass ein "normales" Kurs-Gewinn-Verhältnis für den S&P 500 zwischen 15 und 20 liegen sollte. In Anbetracht der Tatsache, dass die Zinssätze bei etwa null Prozent lägen, sei es allerdings sehr schwer geworden, den Wert von Aktien zu beurteilen. Deshalb würden sie Anlegern raten, an einer international diversifizierten Aktien-Strategie festzuhalten, um Albträumen vorzubeugen. (08.06.2020/alc/a/a)