Erweiterte Funktionen
Emerging Market-Debt-Ausblick 2025: Neues Jahr, neue Dynamik?
18.02.25 12:54
Candriam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - Schwellenländeranleihen verzeichneten 2024 ein weiteres hervorragendes Jahr, so Christopher Mey, Head of Emerging Market Debt, und Kroum Sourov, Fund Manager bei Candriam.
Staatsanleihen in Hartwährung hätten eine Gesamtrendite von 6,54 Prozent erzielt. Renditespreads von +6,69 Prozent hätten den Rückgang von -0,14 Prozent bei US-Staatsanleihen mehr als ausgeglichen. Bei Staatsanleihen der Emerging Markets (EM) sei es mit einer Rendite von 13,0 Prozent das Jahr der Hochzinsanleihen gewesen. Das Segment der notleidenden Schuldtitel sei weiterhin der wichtigste Renditetreiber gewesen und habe mehr als die Hälfte der Rendite der Anlageklasse EM-Staatsanleihen erwirtschaftet.
Die neue Trump-Regierung in den USA stelle mit der wahrscheinlichen Wiedereinführung von Zöllen und konfrontativen Handelstaktiken eine potenzielle Quelle für Volatilität dar. Der EM-Hartwährungsmarkt habe das Jahr 2024 mit historisch hohen Renditen und engen Spreads beendet. Auch wenn die Risikobilanz aufgrund dieser hohen Spreads weiterhin sehr unausgewogen sei, sei Candriam durch das grundsätzlich solide Bild vieler Schwellenländer und die sehr niedrigen zu erwarteten Ausfallraten optimistisch gestimmt.
US-Zinssätze und der Dollar
Das globale makroökonomische Umfeld dürfte trotz der starken Aufwertung seit den US-Wahlen Anfang November eine anhaltende US-Dollarstärke begünstigen. In der zweiten Amtszeit von Präsident Trump könnten sogar die Höchststände des US-Dollars während der Präsidentschaft von Paul Volcker in den 1980er Jahren erreicht werden.
Die Aussicht auf umfassende und substanzielle US-Zölle schwäche die Aussichten für das globale Wirtschaftswachstum, insbesondere in den Schwellenländern, die von Trumps Handelspolitik am stärksten betroffen sein dürften. Candriam rechne mit einem Rückgang der Portfolio- und Direktinvestitionen in den Schwellenländern und einer noch stärkeren Umschichtung von Kapital in US-Dollar-Anlagen.
EM-Zinssätze und Wechselkurse
Der starke US-Dollar sei letztlich ein Gegenwind für die Performance der Schwellenländerwährungen. Die wichtigste Voraussetzung für die Performance von Lokalwährungen sei, dass die Federal Reserve die Leitzinsen deutlich senke, das heiße über die aktuellen Markterwartungen hinaus. Dies dürfte nur dann der Fall sein, wenn die Notenbank davon überzeugt sei, dass die Inflation in der Nähe ihres Ziels verankert bleibe. Das sei angesichts der komplexen Risikolandschaft aus Geopolitik, höheren Zöllen, mangelnder Haushaltsdisziplin in den USA und starkem US-Wachstum eher unwahrscheinlich. Da das Jahr 2025 mit ziemlicher Sicherheit von Unsicherheiten in Bezug auf diese Themen geprägt sein werde, müssten Anleger in Schwellenländerwährungen agil sein und ihre Positionen je nach Entwicklung der Lage anpassen. Idiosynkratische Währungssituationen wie bei der türkischen Lira, dem ägyptischen Pfund, der nigerianischen Naira oder dem dominikanischen Peso könnten sich in diesem Umfeld für Anleger als wertvoll erweisen.
Das Argument für den Kauf von Schwellenländeranleihen sei zumindest etwas klarer, selbst wenn die Volatilität anhalte. Die ausländische Positionierung in den Zinsmärkten der Schwellenländer sei gering, die realen Renditen seien hoch, und Candriam glaube, dass die meisten Zentralbanken die Zinsen weiter senken würden, wenn auch nur schrittweise. Märkte wie Brasilien, Kolumbien, die Tschechische Republik und die Philippinen würden nach Meinung von Candriam derzeit attraktive Risikoprämien für Schwellenländeranleihen.
Steigende Haushaltsdefizite
Die fiskalische Disziplinlosigkeit werde von den Märkten wahrscheinlich unterschätzt, insbesondere die strukturellen Risiken, die von den Industrieländern ausgehen würden. Insbesondere die USA würden ein außergewöhnlich hohes Defizit aufweisen, was angesichts des derzeitigen Wirtschaftswachstums umso bemerkenswerter sei. Wenn die zweite Trump-Administration ihre Versprechen einlöse, Einkommens- und andere Steuern zu senken, dürften diese Maßnahmen die Haushaltslücke weiter vergrößern.
Die Verschuldung in den USA und weltweit werde wahrscheinlich weiter zunehmen und der Anteil der Staatseinnahmen, der für den Schuldendienst aufgewendet werden müsse, werde in gleichem Maße steigen. Während dies in Zeiten des Wirtschaftswachstums und einer lockeren Geldpolitik relativ unproblematisch sein möge, könnten die Märkte weniger bereit sein, den USA und anderen Ländern erschwingliche Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, sobald sich die Wirtschaft wieder abschwäche.
Inflation
Neben den möglichen Auswirkungen der lockeren Geldpolitik und der US-Zölle könnten auch geopolitische Spannungen die Inflation anheizen. Darüber hinaus seien die Zentralbanken weltweit nach wie vor damit konfrontiert, dass die Dienstleistungsinflation in vielen Märkten etwas zähflüssig erscheine, während die Arbeitsmärkte, insbesondere in den USA, relativ robust bleiben würden.
Der wichtigste Deflationsimpuls könnte von China ausgehen. Sollten die US-Zölle deutlich angehoben werden, könnte sich das chinesische Wirtschaftswachstum weiter verlangsamen und die Auswirkungen könnten durch das chinesische Konjunkturprogramm nicht vollständig kompensiert werden. Diese Dynamik habe erhebliche Auswirkungen auf die Schwellenländer, da ein großer Teil der weltweiten Nachfrage nach Metallen und anderen Rohstoffen auf China entfalle. Die Rohstoffexporteure der Schwellenländer seien von einer Verlangsamung bedroht und könnten daher einen Teil des niedrigeren chinesischen Inflationsniveaus ‚importieren‘. Dies könnte sich beispielsweise auf Kupferexporteure wie Chile und Sambia auswirken. Unabhängig davon würden geringere chinesische Exporte in die USA wahrscheinlich dazu führen, dass billigere Importe auf andere Märkte umgelenkt würden, insbesondere in die benachbarten asiatischen Länder. Auch Europa, das bereits mit einem schwachen Wirtschaftswachstum zu kämpfen habe, könnte von der chinesischen Deflationsdynamik in Mitleidenschaft gezogen werden.
Die Kombination dieser Faktoren könnte zu einer Beschleunigung der bisher beobachteten Trends führen - gedämpfte Inflation bei handelbaren Gütern, aber anhaltende Inflation bei Dienstleistungen. Dies könnte die Zentralbanken weltweit vor ein Dilemma stellen und das Potenzial für geldpolitische Fehler erhöhen.
Portfolio-Positionierung
Angesichts der wahrscheinlichen Ziele der US-Regierung, insbesondere in Bezug auf den Handel, rechne Candriam mit höheren langfristigen Zinsen und einem insgesamt stärkeren Dollar. Daher gehe Candriam bei seinen Engagements in Schwellenländern selektiv vor und bevorzuge Laufzeiten unter zehn Jahren, insbesondere in Ländern mit hohen US-Dollar-Spread-Kurven. Candriam halte an seiner negativen Einschätzung Chinas fest, gewichte die Währung unter und behalte seine starke Untergewichtung in US-Dollar-Kreditstrategien bei. Candriam bevorzuge Länder, in denen die Haushaltsdisziplin voraussichtlich beibehalten werde. (18.02.2025/alc/a/a)
Staatsanleihen in Hartwährung hätten eine Gesamtrendite von 6,54 Prozent erzielt. Renditespreads von +6,69 Prozent hätten den Rückgang von -0,14 Prozent bei US-Staatsanleihen mehr als ausgeglichen. Bei Staatsanleihen der Emerging Markets (EM) sei es mit einer Rendite von 13,0 Prozent das Jahr der Hochzinsanleihen gewesen. Das Segment der notleidenden Schuldtitel sei weiterhin der wichtigste Renditetreiber gewesen und habe mehr als die Hälfte der Rendite der Anlageklasse EM-Staatsanleihen erwirtschaftet.
Die neue Trump-Regierung in den USA stelle mit der wahrscheinlichen Wiedereinführung von Zöllen und konfrontativen Handelstaktiken eine potenzielle Quelle für Volatilität dar. Der EM-Hartwährungsmarkt habe das Jahr 2024 mit historisch hohen Renditen und engen Spreads beendet. Auch wenn die Risikobilanz aufgrund dieser hohen Spreads weiterhin sehr unausgewogen sei, sei Candriam durch das grundsätzlich solide Bild vieler Schwellenländer und die sehr niedrigen zu erwarteten Ausfallraten optimistisch gestimmt.
US-Zinssätze und der Dollar
Das globale makroökonomische Umfeld dürfte trotz der starken Aufwertung seit den US-Wahlen Anfang November eine anhaltende US-Dollarstärke begünstigen. In der zweiten Amtszeit von Präsident Trump könnten sogar die Höchststände des US-Dollars während der Präsidentschaft von Paul Volcker in den 1980er Jahren erreicht werden.
Die Aussicht auf umfassende und substanzielle US-Zölle schwäche die Aussichten für das globale Wirtschaftswachstum, insbesondere in den Schwellenländern, die von Trumps Handelspolitik am stärksten betroffen sein dürften. Candriam rechne mit einem Rückgang der Portfolio- und Direktinvestitionen in den Schwellenländern und einer noch stärkeren Umschichtung von Kapital in US-Dollar-Anlagen.
EM-Zinssätze und Wechselkurse
Der starke US-Dollar sei letztlich ein Gegenwind für die Performance der Schwellenländerwährungen. Die wichtigste Voraussetzung für die Performance von Lokalwährungen sei, dass die Federal Reserve die Leitzinsen deutlich senke, das heiße über die aktuellen Markterwartungen hinaus. Dies dürfte nur dann der Fall sein, wenn die Notenbank davon überzeugt sei, dass die Inflation in der Nähe ihres Ziels verankert bleibe. Das sei angesichts der komplexen Risikolandschaft aus Geopolitik, höheren Zöllen, mangelnder Haushaltsdisziplin in den USA und starkem US-Wachstum eher unwahrscheinlich. Da das Jahr 2025 mit ziemlicher Sicherheit von Unsicherheiten in Bezug auf diese Themen geprägt sein werde, müssten Anleger in Schwellenländerwährungen agil sein und ihre Positionen je nach Entwicklung der Lage anpassen. Idiosynkratische Währungssituationen wie bei der türkischen Lira, dem ägyptischen Pfund, der nigerianischen Naira oder dem dominikanischen Peso könnten sich in diesem Umfeld für Anleger als wertvoll erweisen.
Steigende Haushaltsdefizite
Die fiskalische Disziplinlosigkeit werde von den Märkten wahrscheinlich unterschätzt, insbesondere die strukturellen Risiken, die von den Industrieländern ausgehen würden. Insbesondere die USA würden ein außergewöhnlich hohes Defizit aufweisen, was angesichts des derzeitigen Wirtschaftswachstums umso bemerkenswerter sei. Wenn die zweite Trump-Administration ihre Versprechen einlöse, Einkommens- und andere Steuern zu senken, dürften diese Maßnahmen die Haushaltslücke weiter vergrößern.
Die Verschuldung in den USA und weltweit werde wahrscheinlich weiter zunehmen und der Anteil der Staatseinnahmen, der für den Schuldendienst aufgewendet werden müsse, werde in gleichem Maße steigen. Während dies in Zeiten des Wirtschaftswachstums und einer lockeren Geldpolitik relativ unproblematisch sein möge, könnten die Märkte weniger bereit sein, den USA und anderen Ländern erschwingliche Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, sobald sich die Wirtschaft wieder abschwäche.
Inflation
Neben den möglichen Auswirkungen der lockeren Geldpolitik und der US-Zölle könnten auch geopolitische Spannungen die Inflation anheizen. Darüber hinaus seien die Zentralbanken weltweit nach wie vor damit konfrontiert, dass die Dienstleistungsinflation in vielen Märkten etwas zähflüssig erscheine, während die Arbeitsmärkte, insbesondere in den USA, relativ robust bleiben würden.
Der wichtigste Deflationsimpuls könnte von China ausgehen. Sollten die US-Zölle deutlich angehoben werden, könnte sich das chinesische Wirtschaftswachstum weiter verlangsamen und die Auswirkungen könnten durch das chinesische Konjunkturprogramm nicht vollständig kompensiert werden. Diese Dynamik habe erhebliche Auswirkungen auf die Schwellenländer, da ein großer Teil der weltweiten Nachfrage nach Metallen und anderen Rohstoffen auf China entfalle. Die Rohstoffexporteure der Schwellenländer seien von einer Verlangsamung bedroht und könnten daher einen Teil des niedrigeren chinesischen Inflationsniveaus ‚importieren‘. Dies könnte sich beispielsweise auf Kupferexporteure wie Chile und Sambia auswirken. Unabhängig davon würden geringere chinesische Exporte in die USA wahrscheinlich dazu führen, dass billigere Importe auf andere Märkte umgelenkt würden, insbesondere in die benachbarten asiatischen Länder. Auch Europa, das bereits mit einem schwachen Wirtschaftswachstum zu kämpfen habe, könnte von der chinesischen Deflationsdynamik in Mitleidenschaft gezogen werden.
Die Kombination dieser Faktoren könnte zu einer Beschleunigung der bisher beobachteten Trends führen - gedämpfte Inflation bei handelbaren Gütern, aber anhaltende Inflation bei Dienstleistungen. Dies könnte die Zentralbanken weltweit vor ein Dilemma stellen und das Potenzial für geldpolitische Fehler erhöhen.
Portfolio-Positionierung
Angesichts der wahrscheinlichen Ziele der US-Regierung, insbesondere in Bezug auf den Handel, rechne Candriam mit höheren langfristigen Zinsen und einem insgesamt stärkeren Dollar. Daher gehe Candriam bei seinen Engagements in Schwellenländern selektiv vor und bevorzuge Laufzeiten unter zehn Jahren, insbesondere in Ländern mit hohen US-Dollar-Spread-Kurven. Candriam halte an seiner negativen Einschätzung Chinas fest, gewichte die Währung unter und behalte seine starke Untergewichtung in US-Dollar-Kreditstrategien bei. Candriam bevorzuge Länder, in denen die Haushaltsdisziplin voraussichtlich beibehalten werde. (18.02.2025/alc/a/a)


