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EZB stellt Weihnachtsgeschenke in Aussicht


30.10.20 13:30
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Europas Währungshüter sind besorgt, so die Experten von "FONDS professionell".

Die Wirtschaft im Euroraum habe sich zwar im Sommerquartal kräftig erholt, habe die Chefin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, auf der Sitzung am gestrigen Donnerstag (29. Oktober) gesagt. Die steigenden Neuinfektionen in Europa hätten aber für klaren Gegenwind gesorgt. Die Notenbank habe den Leitzins in der Eurozone zwar unverändert bei null Prozent gelassen, auch das Anleihekaufprogramm im Volumen von 1,35 Billionen Euro sei unangetastet geblieben, ebenso wie der negative Einlagezins für Banken. Lagarde habe aber angekündigt, die Geldpolitik auf der nächsten Sitzung im Dezember basierend auf den Wirtschaftsprognosen ihrer Volkswirte zu rekalibrieren - und zu reagieren, sollte Handlungsbedarf bestehen.

Marktbeobachter würden diese Ankündigung mit gemischten Gefühlen sehen. "Unserer Meinung nach bestünde für die Geldpolitik im Grunde kein Handlungsbedarf", sage Jörg Angelé, Senior-Ökonom bei der Bantleon Bank. Die Renditen in der Eurozone seien bereits äußerst niedrig, die Risikoaufschläge gering und die Banken umfassend mit Liquidität versorgt. Für Angelé sei die Eindämmung der negativen Folgen der Pandemie daher Hauptaufgabe der Fiskalpolitik, nicht der EZB.

Auch Andreas Billmeier, Research-Analyst bei Western Asset Management, sei sich unsicher, ob neue oder schärfere geldpolitische Maßnahmen das geeignete Mittel seien. "Die Frage wird sein, ob dieser Rückenwind für die Wirtschaft stark genug ist, um den Gegenwind zu brechen, der aus wiederaufflammenden Risiken im Zusammenhang mit der Pandemie, enttäuschenden fiskalischen Plänen für das nächste Jahr oder anderen externen, auch politischen Faktoren herrührt", sage er.

Die DWS gehe indes davon aus, dass die Notenbank im Dezember das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) von derzeit 1,35 Billionen Euro um 500 Milliarden Euro aufstocken und bis Ende 2021 verlängern werde. "Es ist nach wie vor das flexibelste Instrument, über das sie zurzeit verfügt, auch wenn Christine Lagarde alle geldpolitischen Instrumente auf den Prüfstand stellt und auf Nachfrage keines ausschließen wollte", sage Ulrike Kastens, Volkswirtin Europa bei der DWS.

Mit einer Senkung des Einlagensatzes rechne sie nicht. Dafür halte die Ökonomin eine erneute Verbesserung der Konditionen für Langfristtender (TLTROs) für möglich - besonders vor dem Hintergrund der zuletzt wieder verschärften Standards für Unternehmenskredite. (30.10.2020/alc/a/a)