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EZB sorgt sich um Wirtschaftsschwäche
11.10.24 11:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Am 17. Oktober steht die nächste wichtige Sitzung des EZB-Rats an, bei der die Erwartungen an eine Zinssenkung deutlich gestiegen sind, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Angesichts der rückläufigen Inflation und schwachen Konjunkturdaten in der Eurozone hätten zahlreiche Ratsmitglieder eine weitere Senkung der Leitzinsen ins Gespräch gebracht. Nach unserer Analyse befürworten rund 76% der stimmberechtigten Mitglieder eine solche Maßnahme, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Vor wenigen Wochen hätten die meisten EZB-Mitglieder erst den Dezember-Termin für eine nächste Zinssenkung befürwortet.
Es sei EZB-Präsidentin Christine Lagarde gewesen, die für das Umdenken im Rat gesorgt habe. In einer Rede vor dem Europäischen Parlament Ende September habe sie erklärt, dass die Inflation im vierten Quartal dieses Jahres vorübergehend ansteigen könnte, da die scharfen Rückgänge der Energiepreise aus den jährlichen Raten herausfielen. Dennoch, so Lagarde, "stärken die neuesten Entwicklungen unser Vertrauen, dass die Inflation in angemessener Zeit zum Ziel zurückkehren wird" und habe hinzugefügt, dass die EZB dies in der "nächsten geldpolitischen Sitzung im Oktober berücksichtigen" werde.
Die Inflation in der Eurozone liege derzeit bei 1,8%, was unter dem Zielwert der EZB von 2% liege. Zudem würden die schwachen HCOB PMIs mit einem Wert von 49,6 im September (Composite PMI) eine Stagnation des Eurozonen-Wachstums signalisieren.
Derzeit lägen die Leitzinsen in der Eurozone bei 3,65% (Hauptrefinanzierungssatz) und 3,5% (Einlagesatz). Die Analysten der Hamburg Commercial Bank hatten ihre Zinsprognose nach der Ratssitzung im September angepasst und erwarten eine Zinssenkung um 25 Basispunkte sowohl bei der Oktober- als auch bei der Dezembersitzung.
Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel habe in einer Rede Anfang Oktober eindringlich gewarnt: "Die Wirtschaft im Euroraum stagniert." Sie habe weiter betont, dass man die "Gegenwinde für das Wachstum" nicht ignorieren dürfe und dass "die schrittweise Lockerung der Geldpolitik das Wachstum in den stagnierenden Teilen der Eurozone unterstützen" würde. Trotz der weiterhin hohen Inflation im Dienstleistungssektor und starkem Lohnwachstum sehe Schnabel jedoch eine zunehmende Wahrscheinlichkeit, dass die Inflation in angemessener Zeit zum 2%-Ziel der EZB zurückkehren könnte.
Besonders die Tauben im EZB-Rat, die seit längerem für Zinssenkungen plädieren würden, dürften diese Entwicklungen als Bestätigung ihrer Position sehen. Der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau habe darauf hingewiesen, dass die EZB nun auch das Risiko einer zu niedrigen Inflationsrate im Auge behalten müsse: "In den letzten zwei Jahren war unser Hauptrisiko, dass wir unser 2%-Ziel überschreiten. Jetzt müssen wir auch auf das gegenteilige Risiko achten, unser Ziel aufgrund schwachen Wachstums und einer zu lange anhaltenden restriktiven Geldpolitik zu unterschreiten."
Einige Ratsmitglieder hätten sich jedoch eher skeptisch gegenüber weiteren Lockerungen der Geldpolitik gezeigt. Pierre Wunsch, der belgische Vertreter im EZB-Rat, habe die Diskussionsgrundlage für die anstehende Sitzung in Frage gestellt: "Aber gibt es einen entscheidenden Faktor, der dafür spricht, dass wir die Diskussion im Oktober eröffnen sollten?" Wunsch habe insbesondere davor gewarnt, dass eine zu schnelle Zinssenkung und eine anschließende Umkehr schwieriger zu kommunizieren sei, als eine langsame Anpassung. Zudem habe er auf das Risiko hingewiesen, das mit den aktuell steigenden Ölpreisen verbunden sei: "Wenn wir zu diesem Zeitpunkt den Märkten eine Beschleunigung der Zinssenkung mitteilen, gehen wir ein Risiko ein."
Das Lieblingszitat der Analysten stamme vom Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel: "We cannot ignore the headwinds to growth. With signs of softening labour demand and further progress in disinflation, a sustainable fall of inflation back to our 2% target in a timely manner is becoming more likely, despite still elevated services inflation and strong wage growth." (11.10.2024/alc/a/a)
Angesichts der rückläufigen Inflation und schwachen Konjunkturdaten in der Eurozone hätten zahlreiche Ratsmitglieder eine weitere Senkung der Leitzinsen ins Gespräch gebracht. Nach unserer Analyse befürworten rund 76% der stimmberechtigten Mitglieder eine solche Maßnahme, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Vor wenigen Wochen hätten die meisten EZB-Mitglieder erst den Dezember-Termin für eine nächste Zinssenkung befürwortet.
Es sei EZB-Präsidentin Christine Lagarde gewesen, die für das Umdenken im Rat gesorgt habe. In einer Rede vor dem Europäischen Parlament Ende September habe sie erklärt, dass die Inflation im vierten Quartal dieses Jahres vorübergehend ansteigen könnte, da die scharfen Rückgänge der Energiepreise aus den jährlichen Raten herausfielen. Dennoch, so Lagarde, "stärken die neuesten Entwicklungen unser Vertrauen, dass die Inflation in angemessener Zeit zum Ziel zurückkehren wird" und habe hinzugefügt, dass die EZB dies in der "nächsten geldpolitischen Sitzung im Oktober berücksichtigen" werde.
Die Inflation in der Eurozone liege derzeit bei 1,8%, was unter dem Zielwert der EZB von 2% liege. Zudem würden die schwachen HCOB PMIs mit einem Wert von 49,6 im September (Composite PMI) eine Stagnation des Eurozonen-Wachstums signalisieren.
Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel habe in einer Rede Anfang Oktober eindringlich gewarnt: "Die Wirtschaft im Euroraum stagniert." Sie habe weiter betont, dass man die "Gegenwinde für das Wachstum" nicht ignorieren dürfe und dass "die schrittweise Lockerung der Geldpolitik das Wachstum in den stagnierenden Teilen der Eurozone unterstützen" würde. Trotz der weiterhin hohen Inflation im Dienstleistungssektor und starkem Lohnwachstum sehe Schnabel jedoch eine zunehmende Wahrscheinlichkeit, dass die Inflation in angemessener Zeit zum 2%-Ziel der EZB zurückkehren könnte.
Besonders die Tauben im EZB-Rat, die seit längerem für Zinssenkungen plädieren würden, dürften diese Entwicklungen als Bestätigung ihrer Position sehen. Der französische Notenbankchef François Villeroy de Galhau habe darauf hingewiesen, dass die EZB nun auch das Risiko einer zu niedrigen Inflationsrate im Auge behalten müsse: "In den letzten zwei Jahren war unser Hauptrisiko, dass wir unser 2%-Ziel überschreiten. Jetzt müssen wir auch auf das gegenteilige Risiko achten, unser Ziel aufgrund schwachen Wachstums und einer zu lange anhaltenden restriktiven Geldpolitik zu unterschreiten."
Einige Ratsmitglieder hätten sich jedoch eher skeptisch gegenüber weiteren Lockerungen der Geldpolitik gezeigt. Pierre Wunsch, der belgische Vertreter im EZB-Rat, habe die Diskussionsgrundlage für die anstehende Sitzung in Frage gestellt: "Aber gibt es einen entscheidenden Faktor, der dafür spricht, dass wir die Diskussion im Oktober eröffnen sollten?" Wunsch habe insbesondere davor gewarnt, dass eine zu schnelle Zinssenkung und eine anschließende Umkehr schwieriger zu kommunizieren sei, als eine langsame Anpassung. Zudem habe er auf das Risiko hingewiesen, das mit den aktuell steigenden Ölpreisen verbunden sei: "Wenn wir zu diesem Zeitpunkt den Märkten eine Beschleunigung der Zinssenkung mitteilen, gehen wir ein Risiko ein."
Das Lieblingszitat der Analysten stamme vom Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel: "We cannot ignore the headwinds to growth. With signs of softening labour demand and further progress in disinflation, a sustainable fall of inflation back to our 2% target in a timely manner is becoming more likely, despite still elevated services inflation and strong wage growth." (11.10.2024/alc/a/a)


