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Die EZB schaltet den Autopiloten für Zinserhöhungen ab
28.07.23 08:50
M&G Investments
London (www.anleihencheck.de) - Christine Lagarde hat auf der gestrigen EZB-Pressekonferenz deutliche Signale ausgesendet, die auf eine Änderung der aktuellen Geldpolitik deuten, so Gareth Jandrell, Fondsmanager im Anleiheteam von M&G.
Der jetzige, einstimmig beschlossene Zinsschritt um 25 Basispunkte sei zwar keine Überraschung gewesen. Für die Zukunft stünden weitere Zinserhöhungen allerdings infrage. Ausschlaggebend für den veränderten Tonfall der EZB seien die zunehmenden Anzeichen dafür, dass die geldpolitische Transmission zu wirken begonnen habe. Der europäische Wirtschaftsmotor kühle sich allmählich ab. Nach aktueller Datenlage würden die Investitionen vor allem im Wohnungsbau sinken. Außerdem sei die Nachfrage nach Krediten nicht nur stark rückläufig, sondern inzwischen sogar auf einem Rekordtief - und zwar sowohl bei den Unternehmen als auch bei den privaten Haushalten. Das verarbeitende Gewerbe in Europa erscheine in einem sehr schwachen Zustand, und Umfragen deuten auf einen sich beschleunigenden Rückgang hin.
Auf der anderen Seite sei die Inflation insgesamt immer noch zu hoch. Das gelte vor allem für den Dienstleistungssektor mit seiner nach wie vor hohen Nachfrage nach Arbeitskräften. Diese Zweigleisigkeit der Wirtschaft zwischen Dienstleistungen und der Industrie bringe die EZB in eine Zwickmühle. Aus diesem Grund betone Christine Lagarde die Abhängigkeit ihrer Entscheidungen von der Entwicklung der Datenlage. Damit behalte sie alle Optionen in der Hand.
Die gestrige Sitzung werde wohl als derjenige Moment in Erinnerung bleiben, an dem die EZB ihren Autopiloten für Zinserhöhungen abgeschaltet habe. Nun seien wieder die Notenbanker selbst gefragt. Wir würden uns auf den Höchststand der Zinssätze in der Eurozone zubewegen. Da die Inflation jedoch noch weit vom 2%-Ziel der EZB entfernt sei, sei dies keineswegs ein Signal, dass die Zinsen bald wieder sinken würden. Kreditnehmer sollten sich nicht zu früh freuen. (28.07.2023/alc/a/a)
Der jetzige, einstimmig beschlossene Zinsschritt um 25 Basispunkte sei zwar keine Überraschung gewesen. Für die Zukunft stünden weitere Zinserhöhungen allerdings infrage. Ausschlaggebend für den veränderten Tonfall der EZB seien die zunehmenden Anzeichen dafür, dass die geldpolitische Transmission zu wirken begonnen habe. Der europäische Wirtschaftsmotor kühle sich allmählich ab. Nach aktueller Datenlage würden die Investitionen vor allem im Wohnungsbau sinken. Außerdem sei die Nachfrage nach Krediten nicht nur stark rückläufig, sondern inzwischen sogar auf einem Rekordtief - und zwar sowohl bei den Unternehmen als auch bei den privaten Haushalten. Das verarbeitende Gewerbe in Europa erscheine in einem sehr schwachen Zustand, und Umfragen deuten auf einen sich beschleunigenden Rückgang hin.
Auf der anderen Seite sei die Inflation insgesamt immer noch zu hoch. Das gelte vor allem für den Dienstleistungssektor mit seiner nach wie vor hohen Nachfrage nach Arbeitskräften. Diese Zweigleisigkeit der Wirtschaft zwischen Dienstleistungen und der Industrie bringe die EZB in eine Zwickmühle. Aus diesem Grund betone Christine Lagarde die Abhängigkeit ihrer Entscheidungen von der Entwicklung der Datenlage. Damit behalte sie alle Optionen in der Hand.
Die gestrige Sitzung werde wohl als derjenige Moment in Erinnerung bleiben, an dem die EZB ihren Autopiloten für Zinserhöhungen abgeschaltet habe. Nun seien wieder die Notenbanker selbst gefragt. Wir würden uns auf den Höchststand der Zinssätze in der Eurozone zubewegen. Da die Inflation jedoch noch weit vom 2%-Ziel der EZB entfernt sei, sei dies keineswegs ein Signal, dass die Zinsen bald wieder sinken würden. Kreditnehmer sollten sich nicht zu früh freuen. (28.07.2023/alc/a/a)


