Erweiterte Funktionen
Die EZB muss auf die Zinsen einwirken
31.01.22 11:15
Generali Investments
Köln (www.anleihencheck.de) - Angesichts steigender Energiepreise und stärkerem Lohnwachstum kann es sich die Europäische Zentralbank nicht leisten bis 2024 zu warten, um auf die Zinsen einzuwirken, sagt Dr. Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments.
Seiner Meinung nach müsse sie spätestens 2023 reagieren.
Nach einem Jahrzehnt des Kampfes gegen die niedrige Inflation hätten die Erholung nach der Pandemie, die hohen Energiepreise und die anhaltenden Engpässe die Preissteigerung im Jahr 2021 deutlich über das Ziel hinausgetrieben. Die Inflation im Euroraum sei im Dezember auf 5,0 Prozent gestiegen und werde auch 2022 meist deutlich über dem Zielwert liegen. Mittelfristig würden der grüne Übergang und die schrumpfende Erwerbsbevölkerung, wenn die 'Baby Boomer' den Arbeitsmarkt verlassen würden, zu einer strukturell höheren Inflation beitragen. Es gebe also gute Gründe für die Annahme, dass die Zeit der niedrigen Inflation vorbei sein werde. Daher werde die EZB ihren geldpolitischen Kurs anpassen müssen.
Die EZB müsse die Stimulierung nach dem Ende des PEPP im Jahr 2022 zurückfahren, ohne den Aufschwung zu gefährden, indem sie die Finanzierungsbedingungen weiterhin günstig halte. Sie habe bereits eine sanfte Reduzierung der Quantitativen Lockerung über das Jahr 2022 hinaus angekündigt. Aufgrund der neuen Strategie, der kurzfristigen Abwärtsrisiken (z. B. Pandemie, China, Geopolitik) und aus Gründen der Glaubwürdigkeit würden die Experten eine Zinserhöhung im Jahr 2022 daher weiterhin für sehr unwahrscheinlich halten.
Der Einfluss der Pandemie auf die Wirtschaftstätigkeit im Euroraum lasse nach, während die Gesamtinflation aufgrund der hohen Energiepreise und der anhaltenden Versorgungsengpässe für den größten Teil des Jahres 2022 deutlich über dem Zielwert liegen werde. Dagegen dürfte die zugrunde liegende Inflation wieder unter die 2 Prozent-Schwelle fallen und dort auch bleiben. Mit Blick auf die Zeit nach 2022, in der die Inflationserwartungen nun weitgehend dem Zielwert entsprechen würden, würden sich die Anzeichen dafür mehren, dass das niedrige Inflationsumfeld des vergangenen Jahrzehnts vorbei sei.
Der grüne und der demografische Übergang seien Schlüsselfaktoren, die einen stärkeren Preisdruck und dann einen deutlich geringeren Bedarf an politischer Unterstützung bedeuten würden. Allerdings würden die Mitglieder des EZB-Rats die Inflationsrisiken eher aufwärtsgerichtet sehen.
Die Experten würden nun davon ausgehen, dass höhere Energiepreise und Zweitrundeneffekte bei den Lohnverhandlungen 2022 eine erste Zinserhöhung um 20 Basispunkte bereits im Juni 2023 auslösen würden. Die zukünftigen geldpolitischen Schritte würden weiterhin stark von der Inflation abhängen. Die Experten würden die nächste Anhebung im Dezember 2023 erwarten, höchstwahrscheinlich um ebenfalls 20 Basispunkte, wodurch der Zinssatz immer noch im negativen Bereich bleiben würde (bei -0,1%), aber den Weg für ein Ende langanhaltenden Negativzinspolitik ebne.
Die laufende Lohnrunde werde ein wichtiger Wegweiser für den Zweitrundeneffekt des aktuellen Inflationsanstiegs sein, wie verschiedene EZB-Rat-Mitglieder, darunter auch Präsidentin Christine Lagarde, Vizepräsident de Guindos, Schnabel und Chefvolkswirt Lane deutlich gemacht hätten.
Die Experten würden davon ausgehen, dass der Lohndruck in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern außergewöhnlich hoch sei, dass aber das Lohnwachstum auch in anderen Volkswirtschaften zunehmen werde, sodass dies letztlich zu einem weiteren Aufwärtsdruck auf die Inflation führe. Dies würde mit den Erfahrungen der Vergangenheit übereinstimmen. Unmittelbar vor dem Ausbruch der Finanzkrise habe die Arbeitslosenquote im Euroraum im Jahr 2008 bei 7,6 Prozent gelegen, die Inflation bei 3,3 Prozent und die Tariflöhne seien um 3,5 Prozent gestiegen. Der Chefvolkswirt der EZB, Lane, habe kürzlich erklärt, dass ein Lohnwachstum von über 3 Prozent nicht mit dem Inflationsziel der EZB vereinbar sei. (31.01.2022/alc/a/a)
Seiner Meinung nach müsse sie spätestens 2023 reagieren.
Nach einem Jahrzehnt des Kampfes gegen die niedrige Inflation hätten die Erholung nach der Pandemie, die hohen Energiepreise und die anhaltenden Engpässe die Preissteigerung im Jahr 2021 deutlich über das Ziel hinausgetrieben. Die Inflation im Euroraum sei im Dezember auf 5,0 Prozent gestiegen und werde auch 2022 meist deutlich über dem Zielwert liegen. Mittelfristig würden der grüne Übergang und die schrumpfende Erwerbsbevölkerung, wenn die 'Baby Boomer' den Arbeitsmarkt verlassen würden, zu einer strukturell höheren Inflation beitragen. Es gebe also gute Gründe für die Annahme, dass die Zeit der niedrigen Inflation vorbei sein werde. Daher werde die EZB ihren geldpolitischen Kurs anpassen müssen.
Die EZB müsse die Stimulierung nach dem Ende des PEPP im Jahr 2022 zurückfahren, ohne den Aufschwung zu gefährden, indem sie die Finanzierungsbedingungen weiterhin günstig halte. Sie habe bereits eine sanfte Reduzierung der Quantitativen Lockerung über das Jahr 2022 hinaus angekündigt. Aufgrund der neuen Strategie, der kurzfristigen Abwärtsrisiken (z. B. Pandemie, China, Geopolitik) und aus Gründen der Glaubwürdigkeit würden die Experten eine Zinserhöhung im Jahr 2022 daher weiterhin für sehr unwahrscheinlich halten.
Der grüne und der demografische Übergang seien Schlüsselfaktoren, die einen stärkeren Preisdruck und dann einen deutlich geringeren Bedarf an politischer Unterstützung bedeuten würden. Allerdings würden die Mitglieder des EZB-Rats die Inflationsrisiken eher aufwärtsgerichtet sehen.
Die Experten würden nun davon ausgehen, dass höhere Energiepreise und Zweitrundeneffekte bei den Lohnverhandlungen 2022 eine erste Zinserhöhung um 20 Basispunkte bereits im Juni 2023 auslösen würden. Die zukünftigen geldpolitischen Schritte würden weiterhin stark von der Inflation abhängen. Die Experten würden die nächste Anhebung im Dezember 2023 erwarten, höchstwahrscheinlich um ebenfalls 20 Basispunkte, wodurch der Zinssatz immer noch im negativen Bereich bleiben würde (bei -0,1%), aber den Weg für ein Ende langanhaltenden Negativzinspolitik ebne.
Die laufende Lohnrunde werde ein wichtiger Wegweiser für den Zweitrundeneffekt des aktuellen Inflationsanstiegs sein, wie verschiedene EZB-Rat-Mitglieder, darunter auch Präsidentin Christine Lagarde, Vizepräsident de Guindos, Schnabel und Chefvolkswirt Lane deutlich gemacht hätten.
Die Experten würden davon ausgehen, dass der Lohndruck in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern außergewöhnlich hoch sei, dass aber das Lohnwachstum auch in anderen Volkswirtschaften zunehmen werde, sodass dies letztlich zu einem weiteren Aufwärtsdruck auf die Inflation führe. Dies würde mit den Erfahrungen der Vergangenheit übereinstimmen. Unmittelbar vor dem Ausbruch der Finanzkrise habe die Arbeitslosenquote im Euroraum im Jahr 2008 bei 7,6 Prozent gelegen, die Inflation bei 3,3 Prozent und die Tariflöhne seien um 3,5 Prozent gestiegen. Der Chefvolkswirt der EZB, Lane, habe kürzlich erklärt, dass ein Lohnwachstum von über 3 Prozent nicht mit dem Inflationsziel der EZB vereinbar sei. (31.01.2022/alc/a/a)


