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EZB muss Spagat gelingen


05.09.16 12:41
Allianz Global Investors

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat an diesem Donnerstag die Gelegenheit, dem Markt angesichts schwacher und enttäuschender Inflationsdaten sowie der anhaltenden Unsicherheit infolge des Brexit-Votums neue makroökonomische Projektionen und ihre weiteren Pläne zu kommunizieren, so Franck Dixmier, Globaler Anleihenchef von Allianz Global Investors.

Da die EZB in nicht unerheblichen Maße ihre Wachstums- und Inflationszahlen revidieren müsse, werde sie darin wahrscheinlich auch eine Rechtfertigung finden, um die Geldpolitik weiter zu lockern. In diesem Fall dürfte die Zentralbank am ehesten eine Verlängerung ihres QE-Programms über März 2017 hinaus bekannt geben. Möglicherweise würden damit zusätzliche technische Änderungen einhergehen. So könnte beispielsweise die selbst auferlegte Beschränkung fallen, nach der sie nur Anleihen kaufen dürfe, die über dem Kerneinlagensatz der EZB von minus 0,4 Prozent rentieren. Damit könnte sie ihren Handlungsspielraum vergrößern, da die Rendite in immer mehr Kern-Anleihemärkten unter dieses Niveau falle.

Inzwischen sei die Beibehaltung des quantitativen Lockerungskurses für die EZB auch zu einer Frage der Glaubwürdigkeit geworden. Die Inflationszahlen würden enttäuschend bleiben: Die Verbraucherpreise hätten nur 0,2 Prozent über dem Vorjahresniveau gelegen, gleichzeitig habe die Kerninflationsrate mit 0,8 Prozent im August sogar unter dem Juli-Wert von 0,9 Prozent gelegen. Wenn man noch die niedrigsten jemals verzeichneten Inflationserwartungen des Marktes hinzunehme, müsse die EZB die Marktteilnehmer davon überzeugen, dass sie es mit ihrem mittelfristigen Inflationsziel ernst meine.

Dabei müsse ihr aber ein Spagat gelingen. Das politische Risiko in der Eurozone sei hoch: Spanien habe keine Regierung, in Portugal sei die Situation angespannt und in Italien herrsche eine Gemengelage aus Unsicherheit im Bankensektor und politischer Instabilität im Vorfeld von Matteo Renzis Referendum. Darüber hinaus würden die Auswirkungen des Brexit langfristig zu spüren sein, auch wenn die Zahlen in Großbritannien zunächst positiv gewesen seien. Die EZB wisse, dass sie - ganz gleich, was sie ankündige - noch etwas Pulver für einen späteren Zeitpunkt trocken halten müsse. (05.09.2016/alc/a/a)