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EZB mahnt: Banken sollen ihr Geld zusammenhalten


01.07.22 10:30
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Einmal mehr greift die Europäische Zentralbank (EZB) aus Sorge um die Stabilität des Finanzsystems frühzeitig bei den Dividenden ein, so die Experten von "FONDS professionell".

"Wir werden vorschlagen, dass die Banken ihre Kapitalverläufe unter einem ungünstigeren Szenario neu berechnen, welches auch ein mögliches Gasembargo oder eine Rezession einschließt", habe Andrea Enria, der Leiter des Aufsichtsgremiums der EZB, gesagt. Die Aufsicht werde diese Informationen ebenfalls bei der Überprüfung der Ausschüttungspläne der Banken berücksichtigen. Bereits nach Ausbruch der Corona-Pandemie hätten die Aufseher die Dividendenausschüttung bei Großbanken eingeschränkt.

Der Einmarsch Russlands in der Ukraine habe die Aussichten für die europäischen Banken eingetrübt. Vor allem drohe ein Anstieg notleidender Krediten aufgrund von Inflation und Lieferproblemen bei Rohstoffen. Noch zu Jahresbeginn hätten die Institute in Aussicht gestellt, über Dividenden und Aktienrückkäufe Milliarden von Euro an überschüssigem Kapital auszuschütten.

Enria habe zuvor erklärt, die EZB habe die Banken aufgefordert, bei der Kapitalplanung vorsichtiger zu sein. Das Thema werde kommende Woche im Aufsichtsgremium der Zentralbank diskutiert, habe er am Donnerstag vor dem Europaparlament in Brüssel gesagt.

Die EZB wandle bei dem Thema auf einem schmalen Grat. Ein De-facto-Verbot von Ausschüttungen zu Beginn der Pandemie habe Bankaktien abstürzen lassen und habe zu scharfer Kritik an den Aufsehern geführt. Zugleich seien etliche Banken froh über die Maßnahme gewesen, weil ihnen im Wettbewerb der Druck der Dividendenzahlung abgenommen worden sei. Enria habe diese Maßnahmen verteidigt, habe sich jedoch dezidiert gegen Vorschläge gewandt, die Befugnisse der Behörden zur Einschränkung von Dividenden und Rückkäufen auszuweiten. (01.07.2022/alc/a/a)