Erweiterte Funktionen
EZB kommt medial nicht zur Ruhe - Die Kontroverse Weidmann
21.09.17 10:00
Nord LB
Hannover (www.anleihencheck.de) - Während die letzte öffentliche EZB-Ratssitzung noch keine zwei Wochen her ist, wird vor und hinter den Kulissen weiter kräftig spekuliert, was am 26. Oktober verkündet werden könnte, so Norman Rudschuck, CIIA, und Thomas Scholz von der Nord LB.
Im Rahmen der Forward Guidance scheine es das geeignete Datum für Mario Draghi zu sein, den Fahrplan für 2018 auszurollen. Die Wartezeit bis dahin scheine aber einigermaßen groß, sodass nun zu lesen gewesen sei, dass einige EZB-Vertreter unterschiedlicher Meinung darüber seien, ob die Verantwortlichen ein scharfes Ende des Ankaufprogramms bekannt geben sollten oder dieser Thematik eher offen begegnen möchten. Dies wäre sozusagen der letzte Joker im Ärmel, den verbalen Handlungsspielraum für 2018 variabel zu gestalten. Der Devisenmarkt, sprich die Euro-Stärke, scheine dabei auch keine unwesentliche Rolle zu spielen und sorge laut nicht namentlich genannter Quellen zusehends für Dissens. Sollte diese Kontroverse anhalten, könnten einige Details bezüglich des bevorstehenden Taperings doch noch auf die Dezember-Sitzung verschoben werden.
Duisenberg, Trichet, Draghi - Weidmann? Zuletzt seien Gerüchte laut geworden, Italien und Frankreich würden sich gegen die Berufung von Bundesbankpräsident Jens Weidmann als Nachfolger von Mario Draghi zum nächsten EZB-Präsidenten wehren. Vertreter beider Staaten sollten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bzw. dessen Beamten zu verstehen gegeben haben, dass sie zwar nichts gegen einen Deutschen an der Spitze der Notenbank einzuwenden hätten - nur sollte es eben nicht Weidmann sein. Nur zur Erinnerung: Der Nachfolger gelange frühestens im Oktober 2019 ins Amt. Weidmanns Amtszeit als Bundesbankpräsident ende laut aktuellem Vertrag am 30. April 2019.
Die Befürchtung der Südländer sei vor allem eine Abkehr von der flexiblen und pragmatischen Krisenpolitik. Darunter falle natürlich auch das immer wieder diskutierte und auch für das SSA-Segment relevante PSPP. In dieser Gemengelage habe Weidmann zu verstehen gegeben, dass er große Freude an seinem derzeitigen Job habe und wenn er gefragt würde, stünde er selbstverständlich für eine zweite Amtszeit zur Verfügung. Er sei seit 2011 Bundesbankpräsident und werde der Geldpolitik so oder so wohl erhalten bleiben.
Pro oder contra - am 01.10. müssten Millionen Wahlberechtigte Farbe bekennen, ob sie eine Abspaltung vom Rest Spaniens möchten. Bei vielen Befürwortern sei die Unabhängigkeit im Kopf bereits vollzogen. Ähnlich wie bei den Schotten oder dem Brexit-Referendum würden Tabus gebrochen, Freundschaften auf die Probe gestellt und Familien entzweit. Die Regionalregierung treibe hier eine gemeinhin als illegal angesehene Abstimmung voran.
Der spanische Wirtschaftsminister habe der Region Katalonien für den Fall ihrer Loslösung von Spanien einen abenteuerlichen wirtschaftlichen Niedergang vorausgesagt: Das BIP könnte 25% bis 30% einbrechen, die Arbeitslosenrate sich verdoppeln und eine Verarmung drohen. Der Rest des Falls sei gelagert wie so oft: Zu viele Zahlungen für zu wenig Gegenleistungen (aus Madrid), allein sei man besser dran. Es stelle sich auch die Frage nach einer EU-Mitgliedschaft, die nicht trivial zu beantworten sei. Warum fahre die Regierung in Madrid verbale Geschütze gegen ein nicht genehmigtes Referendum auf? Der Ticker GEN-CAT für die Region um Barcelona weise als Rating BB- aus; mit EUR 6 Mrd. ausstehenden Anleihen. Diese würden derzeit je nach Kupon und Laufzeit um die 100% notieren. Dort scheine kein erhöhtes Austrittsrisiko eingepreist zu werden.
Die Kreditwürdigkeit Portugals werde nicht mehr ausschließlich von DBRS als Investment Grade angesehen: Bereits am Freitagnachmittag habe S&P das Rating relativ unerwartet um eine Note auf BBB- angehoben. Damit hätten die Iberer nach mehr als fünf Jahren das Gütesiegel zurückerhalten. S&P habe dies mit Fortschritten beim Schuldenabbau und bei der Wirtschaftsentwicklung begründet. Der Ausblick für das Euroland sei stabil, damit erwarte die Ratingagentur auch auf absehbare Zeit keine Veränderung der Lage.
Die Marktteilnehmer hätten sich verwundert die Augen gerieben: Österreich habe nach dem einen oder anderen Testballon in den letzten Jahren nun EUR 3,5 Mrd. zu ms +40 Bp begeben. Die Republik selbst sei erst vor 99 Jahren gegründet worden. Die Rendite betrage dabei immerhin 2,1%. Für den zu überblickenden Zeitraum sei dieser Trade nicht für jeden Investor ein Schmankerl gewesen, dennoch sei es zu einer kräftigen Überzeichnung gekommen.
Die Österreichische Kontrollbank habe bis gestern einen einzigen EUR-Bond (ISIN XS1689595830 / WKN A19PPS) ausstehen, diesen nicht einmal im Benchmark-Format: OKB 0,21 02/25/23 in Höhe von EUR 300 Mio. Dies habe sich am Dienstag schlagartig geändert, als EUR 1,5 Mrd. bis 09/2024 an Funding eingesammelt worden seien. Insgesamt stünden derzeit noch 35 Fremdwährungsbonds aus, sodass sich eine von 37 ISINs ergebe. Mit ms -15 Bp sei die Anleihe auch deutlich besser vom Markt aufgenommen worden, als das IPT habe (ms -11/-12 Bp) antizipiert.
Die zwei großen niederländischen Agencies waren mit je einem Tap in der von den Analysten der Nord LB betrachteten Handelswoche unterwegs: Die BNG konnte EUR 500 Mio. (6/2027) zu ms -11 Bp einsammeln, diese Anleihe (ISIN XS1632891138 / WKN A19JS5) wird zum Monatsende verschmolzen. Die NWB habe ihrerseits einen Langläufer (5/2036) mit EUR 125 Mio. zu ms +5 Bp aufstocken können.
Primärseitig seien EUR 750 Mio. Niesa 09/23 bei ms -22 Bp begeben worden. Diese Neuemission (ISIN DE000A2GSD76 / WKN A2GSD7) sei vom Markt sehr gut aufgenommen worden, was an der Spreadeinengung von zwei Stellen (zum IPT bei -20 Bp) auf ms -22 Bp und an der Erhöhung des Emissionsvolumens um EUR 250 Mio. auf das Emissionsvolumen von EUR 750 Mio. deutlich werde.
Das Material insbesondere im mittleren Laufzeitbereich sei am Sekundärmarkt insgesamt nach wie vor sehr knapp. Das Eurosystem sei secondary als Käufer aktiv gewesen, insofern hätten sich die Spreads insbesondere bei fünf- bis siebenjährigen Laufzeiten leicht eingeengt. Im SSA-Segment sei der Sekundärmarkt weiterhin sehr illiquide. Die Spreads würden selbst auf teuren Levels noch immer von der geringen Primärmarktaktivität und der Nachfrage aus dem PSPP profitieren. Insbesondere das lange Ende sei stärker gesucht gewesen, nachdem die EFSF als einziger potenzieller Emittent für das ultra-lange Ende beschlossen habe, eine ausstehende achtjährige Anleihe (ISIN EU000A1G0DV6 / WKN A1G0DV) aufzustocken. Die wenigen Neuemissionen kämen ergo mit geringem bis keinem Pick-up und würden sich stabil bzw. tighten am Sekundärmarkt einhalten. (Ausgabe vom 20.09.2017) (21.09.2017/alc/a/a)
Im Rahmen der Forward Guidance scheine es das geeignete Datum für Mario Draghi zu sein, den Fahrplan für 2018 auszurollen. Die Wartezeit bis dahin scheine aber einigermaßen groß, sodass nun zu lesen gewesen sei, dass einige EZB-Vertreter unterschiedlicher Meinung darüber seien, ob die Verantwortlichen ein scharfes Ende des Ankaufprogramms bekannt geben sollten oder dieser Thematik eher offen begegnen möchten. Dies wäre sozusagen der letzte Joker im Ärmel, den verbalen Handlungsspielraum für 2018 variabel zu gestalten. Der Devisenmarkt, sprich die Euro-Stärke, scheine dabei auch keine unwesentliche Rolle zu spielen und sorge laut nicht namentlich genannter Quellen zusehends für Dissens. Sollte diese Kontroverse anhalten, könnten einige Details bezüglich des bevorstehenden Taperings doch noch auf die Dezember-Sitzung verschoben werden.
Duisenberg, Trichet, Draghi - Weidmann? Zuletzt seien Gerüchte laut geworden, Italien und Frankreich würden sich gegen die Berufung von Bundesbankpräsident Jens Weidmann als Nachfolger von Mario Draghi zum nächsten EZB-Präsidenten wehren. Vertreter beider Staaten sollten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bzw. dessen Beamten zu verstehen gegeben haben, dass sie zwar nichts gegen einen Deutschen an der Spitze der Notenbank einzuwenden hätten - nur sollte es eben nicht Weidmann sein. Nur zur Erinnerung: Der Nachfolger gelange frühestens im Oktober 2019 ins Amt. Weidmanns Amtszeit als Bundesbankpräsident ende laut aktuellem Vertrag am 30. April 2019.
Die Befürchtung der Südländer sei vor allem eine Abkehr von der flexiblen und pragmatischen Krisenpolitik. Darunter falle natürlich auch das immer wieder diskutierte und auch für das SSA-Segment relevante PSPP. In dieser Gemengelage habe Weidmann zu verstehen gegeben, dass er große Freude an seinem derzeitigen Job habe und wenn er gefragt würde, stünde er selbstverständlich für eine zweite Amtszeit zur Verfügung. Er sei seit 2011 Bundesbankpräsident und werde der Geldpolitik so oder so wohl erhalten bleiben.
Pro oder contra - am 01.10. müssten Millionen Wahlberechtigte Farbe bekennen, ob sie eine Abspaltung vom Rest Spaniens möchten. Bei vielen Befürwortern sei die Unabhängigkeit im Kopf bereits vollzogen. Ähnlich wie bei den Schotten oder dem Brexit-Referendum würden Tabus gebrochen, Freundschaften auf die Probe gestellt und Familien entzweit. Die Regionalregierung treibe hier eine gemeinhin als illegal angesehene Abstimmung voran.
Die Kreditwürdigkeit Portugals werde nicht mehr ausschließlich von DBRS als Investment Grade angesehen: Bereits am Freitagnachmittag habe S&P das Rating relativ unerwartet um eine Note auf BBB- angehoben. Damit hätten die Iberer nach mehr als fünf Jahren das Gütesiegel zurückerhalten. S&P habe dies mit Fortschritten beim Schuldenabbau und bei der Wirtschaftsentwicklung begründet. Der Ausblick für das Euroland sei stabil, damit erwarte die Ratingagentur auch auf absehbare Zeit keine Veränderung der Lage.
Die Marktteilnehmer hätten sich verwundert die Augen gerieben: Österreich habe nach dem einen oder anderen Testballon in den letzten Jahren nun EUR 3,5 Mrd. zu ms +40 Bp begeben. Die Republik selbst sei erst vor 99 Jahren gegründet worden. Die Rendite betrage dabei immerhin 2,1%. Für den zu überblickenden Zeitraum sei dieser Trade nicht für jeden Investor ein Schmankerl gewesen, dennoch sei es zu einer kräftigen Überzeichnung gekommen.
Die Österreichische Kontrollbank habe bis gestern einen einzigen EUR-Bond (ISIN XS1689595830 / WKN A19PPS) ausstehen, diesen nicht einmal im Benchmark-Format: OKB 0,21 02/25/23 in Höhe von EUR 300 Mio. Dies habe sich am Dienstag schlagartig geändert, als EUR 1,5 Mrd. bis 09/2024 an Funding eingesammelt worden seien. Insgesamt stünden derzeit noch 35 Fremdwährungsbonds aus, sodass sich eine von 37 ISINs ergebe. Mit ms -15 Bp sei die Anleihe auch deutlich besser vom Markt aufgenommen worden, als das IPT habe (ms -11/-12 Bp) antizipiert.
Die zwei großen niederländischen Agencies waren mit je einem Tap in der von den Analysten der Nord LB betrachteten Handelswoche unterwegs: Die BNG konnte EUR 500 Mio. (6/2027) zu ms -11 Bp einsammeln, diese Anleihe (ISIN XS1632891138 / WKN A19JS5) wird zum Monatsende verschmolzen. Die NWB habe ihrerseits einen Langläufer (5/2036) mit EUR 125 Mio. zu ms +5 Bp aufstocken können.
Primärseitig seien EUR 750 Mio. Niesa 09/23 bei ms -22 Bp begeben worden. Diese Neuemission (ISIN DE000A2GSD76 / WKN A2GSD7) sei vom Markt sehr gut aufgenommen worden, was an der Spreadeinengung von zwei Stellen (zum IPT bei -20 Bp) auf ms -22 Bp und an der Erhöhung des Emissionsvolumens um EUR 250 Mio. auf das Emissionsvolumen von EUR 750 Mio. deutlich werde.
Das Material insbesondere im mittleren Laufzeitbereich sei am Sekundärmarkt insgesamt nach wie vor sehr knapp. Das Eurosystem sei secondary als Käufer aktiv gewesen, insofern hätten sich die Spreads insbesondere bei fünf- bis siebenjährigen Laufzeiten leicht eingeengt. Im SSA-Segment sei der Sekundärmarkt weiterhin sehr illiquide. Die Spreads würden selbst auf teuren Levels noch immer von der geringen Primärmarktaktivität und der Nachfrage aus dem PSPP profitieren. Insbesondere das lange Ende sei stärker gesucht gewesen, nachdem die EFSF als einziger potenzieller Emittent für das ultra-lange Ende beschlossen habe, eine ausstehende achtjährige Anleihe (ISIN EU000A1G0DV6 / WKN A1G0DV) aufzustocken. Die wenigen Neuemissionen kämen ergo mit geringem bis keinem Pick-up und würden sich stabil bzw. tighten am Sekundärmarkt einhalten. (Ausgabe vom 20.09.2017) (21.09.2017/alc/a/a)
Werte im Artikel



