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Die EZB geht in Position
24.07.19 08:30
Allianz Global Investors
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Rede von Mario Draghi auf dem Forum der Europäischen Zentralbank (EZB) in Sintra, Portugal, am 18. Juni war ein wichtiger Wendepunkt in der Geldpolitik der Eurozone, so Franck Dixmier, Global Head of Fixed Income bei Allianz Global Investors.
Der Präsident der EZB habe deutlich erklärt, dass die Bank bereit sei, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um das Wachstum zu stützen und sich dem Inflationsziel von 2% anzunähern. Diese Aussagen hätten eine Erholung der Märkte, eine Abflachung der Zinskurve und eine Verengung der Peripherie- und Credit-Spreads zur Folge gehabt.
Der Kontext habe sich kaum geändert: Die wirtschaftlichen Spannungen nähmen weiter zu; das Risiko eines harten Brexits werde immer wahrscheinlicher; die Inflation bleibe niedrig: Trotz einer leichten Erholung der Kerninflation im Juni auf 1,1% yoy gegenüber einem Tiefpunkt im Mai sollte sie sich in den kommenden Monaten um 1% bewegen; das Wachstum habe sich im zweiten Quartal verlangsamt; die Inflationserwartungen würden niedrig bleiben.
Mit der erwarteten Bestätigung der EZB wird die Sitzung vom 25. Juli wichtig zur Vorbereitung konkreter Maßnahmen: In unserem Szenario gehen wir von einer Zinssenkung um 10 Basispunkte im September und einem neuen Wertpapierkaufprogramm zum Jahresende aus, so die Experten von Allianz Global Investors. Die Anfang des Jahres diskutierte Einführung einer mehrstufigen Einlagenfazilität könnte wieder auf die Agenda kommen. Da die Rentabilität der Banken der Eurozone durch eine tatsächliche Steuer auf ihre überschüssigen Reserven beeinträchtigt werde, könnte eine mehrstufige Einlagefazilität ähnlich wie in der Schweiz, Japan, Dänemark und Schweden eine praktikable Option sein. Im Rahmen dieses Systems würde die Besteuerung der Überschussreserven ab einem für jedes Institut definierten Schwellenwert ausgelöst.
Interessant sei auch die Frage, ob die neuen Maßnahmen im EZB-Rat einstimmig beschlossen würden. Mögliche Meinungsverschiedenheiten könnten die Deutlichkeit der Botschaft schmälern. Der angekündigte Führungswechsels in der EZB mit der Ernennung von Christine Lagarde an der Spitze beeinträchtige den eingeschlagenen Weg sicherlich nicht.
Die Experten von Allianz Global Investors würden davon ausgehen, dass das Treffen am 25. Juli wenig Einfluss auf die Investoren haben werde. Auch wenn fast die Hälfte der Marktteilnehmer Zinssenkungen um 10 Basispunkte im Juli und um 15 Basispunkte bis zum Jahresende erwarte - und daher von der Beibehaltung des Status quo durch die EZB enttäuscht sein könnte - sollte die offizielle Bestätigung einer noch expansiveren Geldpolitik positiv aufgenommen werden und die Zinsen auf extrem niedrigem Niveau verankern.
Allerdings bleibe zu erwähnen, dass sich die EZB in einem subtilen Währungskrieg befinde. Mario Draghi habe zwar in Sintra bestritten, dass die Auswirkungen der erwarteten US-Zinssenkungen auf den US-Dollar die Entscheidung beeinflussen würden, da die EZB keine Wechselkursziele verfolge. Aber in einer Phase der Konjunkturabschwächung und sinkender Inflation wäre eine Aufwertung des Euro nicht förderlich. Zweifellos würden die Entwicklungen der europäischen Geldpolitik die Anschuldigungen von US-Präsident Donald Trump verstärken, dass die EZB den Euro absichtlich manipuliere, um das Wachstum in der Eurozone zu unterstützen. Weitere Streitigkeiten seien damit vorprogrammiert. (Ausgabe vom 23.07.2019) (24.07.2019/alc/a/a)
Der Präsident der EZB habe deutlich erklärt, dass die Bank bereit sei, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um das Wachstum zu stützen und sich dem Inflationsziel von 2% anzunähern. Diese Aussagen hätten eine Erholung der Märkte, eine Abflachung der Zinskurve und eine Verengung der Peripherie- und Credit-Spreads zur Folge gehabt.
Der Kontext habe sich kaum geändert: Die wirtschaftlichen Spannungen nähmen weiter zu; das Risiko eines harten Brexits werde immer wahrscheinlicher; die Inflation bleibe niedrig: Trotz einer leichten Erholung der Kerninflation im Juni auf 1,1% yoy gegenüber einem Tiefpunkt im Mai sollte sie sich in den kommenden Monaten um 1% bewegen; das Wachstum habe sich im zweiten Quartal verlangsamt; die Inflationserwartungen würden niedrig bleiben.
Interessant sei auch die Frage, ob die neuen Maßnahmen im EZB-Rat einstimmig beschlossen würden. Mögliche Meinungsverschiedenheiten könnten die Deutlichkeit der Botschaft schmälern. Der angekündigte Führungswechsels in der EZB mit der Ernennung von Christine Lagarde an der Spitze beeinträchtige den eingeschlagenen Weg sicherlich nicht.
Die Experten von Allianz Global Investors würden davon ausgehen, dass das Treffen am 25. Juli wenig Einfluss auf die Investoren haben werde. Auch wenn fast die Hälfte der Marktteilnehmer Zinssenkungen um 10 Basispunkte im Juli und um 15 Basispunkte bis zum Jahresende erwarte - und daher von der Beibehaltung des Status quo durch die EZB enttäuscht sein könnte - sollte die offizielle Bestätigung einer noch expansiveren Geldpolitik positiv aufgenommen werden und die Zinsen auf extrem niedrigem Niveau verankern.
Allerdings bleibe zu erwähnen, dass sich die EZB in einem subtilen Währungskrieg befinde. Mario Draghi habe zwar in Sintra bestritten, dass die Auswirkungen der erwarteten US-Zinssenkungen auf den US-Dollar die Entscheidung beeinflussen würden, da die EZB keine Wechselkursziele verfolge. Aber in einer Phase der Konjunkturabschwächung und sinkender Inflation wäre eine Aufwertung des Euro nicht förderlich. Zweifellos würden die Entwicklungen der europäischen Geldpolitik die Anschuldigungen von US-Präsident Donald Trump verstärken, dass die EZB den Euro absichtlich manipuliere, um das Wachstum in der Eurozone zu unterstützen. Weitere Streitigkeiten seien damit vorprogrammiert. (Ausgabe vom 23.07.2019) (24.07.2019/alc/a/a)


