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EZB: Zu früh für Entwarnung


27.07.23 15:00
Merck Finck

München (www.anleihencheck.de) - Wie weithin erwartet, hat die EZB heute - wie auch gestern schon die US-Notenbank - eine weitere Anhebung ihrer Leitzinsen um 25 Basispunkte beschlossen, so Robert Greil, Chefstratege bei der Merck Finck a Quintet Private Bank.

Die eigentliche Frage, wie es im Herbst weitergehen könnte - noch mehr Zinsschritte oder eine Pause - sei jedoch weitgehend unbeantwortet geblieben. "Datenabhängig" laute hier nach wie vor die Ansage der EZB über ihren weiteren Pfad.

Damit liege das Augenmerk nun erst einmal auf den Inflationszahlen für den Monat Juli, die für Deutschland bereits morgen und für den Euroraum am kommenden Montag veröffentlicht würden.

Die Experten würden mit Blick auf die wohl vorerst weiterhin recht hartnäckig hohe Kerninflation im September und wahrscheinlich auch im Oktober noch mit zwei weiteren Leitzinsanhebungen für den Euroraum rechnen, womit der Hauptrefinanzierungssatz auf 4,75 Prozent steigen würde. Zur Inflationsbekämpfung erscheinen diese weiteren Zinsanhebungen aus unserer Sicht nötig, auch wenn die jüngsten Frühindikatoren gerade auf Unternehmensseite (Einkaufsmanagerindices, ifo-Geschäftsklima etc.) zunehmende Rezessionsgefahren avisieren, so die Experten von Merck Finck. Sie würden also davon ausgehen, dass die EZB erst nach zwei weiteren Zinsschritten im Herbst "pausiert", sprich erst dann keine weiteren Leitzinsanhebungen mehr beschließe.

Während aus Sicht der Experten das größte Risiko für ein Ende des gegenwärtigen Erhöhungszyklus ein überraschender Anstieg der Energiepreise sei, werde der Markt wohl gegen Jahresende angesichts der dann voraussichtlich noch spürbarer gebremsten wirtschaftlichen Aktivität zunehmend über das Timing der ersten Leitzinssenkung spekulieren, mit der die Experten aus heutiger Sicht ab dem zweiten Quartal 2024 rechnen würden. (27.07.2023/alc/a/a)