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EZB dreht Zinsschraube erneut


14.03.16 08:52
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Dass Mario Draghi würde liefern müssen, war bereits vor der EZB-Sitzung am Donnerstag klar, so die Analysten der BNP Paribas in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate weekly".

Überrascht habe der Chef der Europäischen Zentralbank die Märkte dann dennoch, seien die Maßnahmen, mit denen die Währungshüter die Wirtschaft und die Inflation ankurbeln wollten, doch umfangreicher ausgefallen, als vorher erwartet worden sei. So senke die Notenbank nicht nur völlig überraschend den Leitzins von 0,05 auf 0,00 Prozent. Auch das Anleihekaufprogramm weite sie um 20 Milliarden auf 80 Milliarden aus, wobei sie nun erstmals auch Unternehmensanleihen kaufen werde.

Dass die EZB den Einlagezins für Banken von minus 0,3 auf minus 0,4 Prozent senke, sei zwar wiederum von vielen Experten erwartet worden. Es ändere aber nichts daran, dass gerade diese Maßnahme nach hinten losgehen könne: Vor allem jenen Banken, die ohnehin schon zu kämpfen hätten, helfe ein erhöhter Negativzins ganz bestimmt nicht - und somit auch nicht der Wirtschaft.

An den Märkten sei das Bündel an EZB-Maßnahmen nicht besonders gut angekommen. Nach einer kurzen Rally sei der DAX mit einem Minus von 2,3 Prozent aus dem Handel gegangen. Die Reaktion des Marktes sei nachvollziehbar, würden doch die letzten Jahre des billigen Geldes nicht die erhoffte Wirkung zeigen. Weder Inflation noch Wachstum hätten im Zuge der extrem expansiven Geldpolitik zulegen können; daran würden auch die jüngst beschlossenen Maßnahmen der EZB kurzfristig nichts ändern.

Die Gefahr, dass es im Zuge der erneuten Lockerung zu Überhitzungen am deutschen Immobilienmarkt komme und vor allem südeuropäische Staaten notwendige Reformen auf die lange Bank schieben würden, trage nicht zur Beruhigung der Märkte bei. Fatal sei dies vor allem deshalb, weil gerade jetzt die Fiskal- und Wirtschaftspolitik gefordert wäre. Die EZB - das zeige ein Blick in die Vergangenheit - könne und werde die Probleme allerdings allein nicht lösen, zumal ihr langsam, aber sicher die Munition ausgehe. Für Anleger bedeute dies, dass die Achterbahnfahrt an der Börse in die nächste Runde gehen könnte. (Ausgabe vom 11.03.2016) (14.03.2016/alc/a/a)