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EZB bremst auch den Zinserhöhungszyklus der SNB


18.06.18 13:00
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Schön hätte es für die Schweizer Nationalbank (SNB) am Donnerstag werden können, wenn nicht die EZB letzte Woche getagt hätte, so Karsten Junius, CFA, Chief Economist der Bank J. Safra Sarasin AG.

Die Schweizer Wirtschaft brumme, der Schweizer Franken sei deutlich schwächer als noch vor ein oder zwei Jahren und die Arbeitslosenquoten würden Monat für Monat fallen. Die Inflationsrate liege mit 1% nun wieder nahe dem langfristigen Durchschnitt und dürfte in den nächsten Monaten aufgrund der Frankenschwäche und der Ölpreisstärke weiter ansteigen. Unterstützt von internationalen sportlichen Großereignissen, deren Gewinne großteils in der Schweiz verbucht würden, könnte das Bruttoinlandsprodukt erstmals seit 2014 wieder ähnlich hoch wie in der Währungsunion liegen. Es zeige sich mithin ein ökonomischer Datenkranz, der für die Schweizer Geldpolitik günstiger kaum sein könnte; ein ideales Umfeld für eine langsame Annäherung an höhere Zinsniveaus.

Nun könne die SNB ihre Zinsentscheide leider nicht fällen ohne Rücksicht auf den Wechselkurs zu nehmen. Damit müsse sie das internationale Umfeld und die Zinsdifferenzen zu den wichtigen Schweizer Handelspartnern mit berücksichtigen. Und schon sehe ihr Kalkül anders aus: Sowohl im Süden mit Italien als auch im Norden mit Deutschland grenze die Schweiz an Länder an, deren Innenpolitik recht unvorhersehbar und fragil erscheine. Da der Franken anders als noch vor zwei Jahren nicht mehr klar überbewertet sei, liege die Flucht in den Franken in möglichen Krisenzeiten nahe. Die bereits jetzt minimalen Zinsunterschiede zwischen den Währungsräumen würden dies kaum aufhalten.

Die Entscheidung der EZB, ihre Anleihekäufe zum Jahresende auslaufen zu lassen, hätte eigentlich den Handlungsspielraum der SNB vergrößern sollen. Das Gegenteil sei aber der Fall gewesen. Durch die Ankündigung der EZB, ihre Leitzinsen mindestens bis in den Sommer 2019 konstant zu halten, habe sie jegliche Zinserhöhungsfantasien zunächst einmal begraben. Wer wisse schon genau, wie sich die Konjunktur in einem Jahr entwickle. Zudem habe Draghi bestärkt, dass Anleihekäufe nun ein normales Instrument der Notenbank seien. Das habe früher noch anders geklungen. Da seien sie zu den nicht-standard Instrumenten oder unkonventionellen Maßnahmen gezählt worden. Mit der neuen Einschätzung werden der auch von uns erwartete Anstieg der Laufzeitenprämien bei Anleihen begrenzt und die Zinsdifferenzen zu Schweizer Anleihen niedrig bleiben, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.

Der Handlungsspielraum der SNB sei folglich begrenzt. Präsident Jordan werde daher am Donnerstag auf die Erfolge seiner Politik verweisen können, aber bestätigen müssen, dass die Negativzinsen und die Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, die wichtigen Pfeiler der SNB-Geldpolitik bleiben würden. Dabei sei es durchaus möglich, dass die Inflationsraten in der Schweiz diejenigen im Eurowährungsgebiet im nächsten Jahr mal übersteigen würden. Die Realzinsen würden dadurch in der Schweiz nach stärker fallen. Die Wirtschaft möge sich freuen, aber Zinswenden sähen anders aus. (18.06.2018/alc/a/a)