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EZB bleibt bei Nullkommanix-Strategie
22.01.21 12:13
FONDS professionell
Wien (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank macht nach ihrer ersten Sitzung im neuen Jahr weiter wie bisher und belässt die Zinsen bei null, so die Experten von "FONDS professionell".
Profis wundere das nicht: Sie würden darauf hinweisen, dass der Ausblick zwar positiv sei, die Verbraucherpreise sich aber nicht in die gewünschte Richtung bewegen würden.
Die Corona-Infektionszahlen lägen immer noch hoch, viele Länder Europas würden sich in mehr oder weniger strengen Lockdowns befinden, durch Mutationen des Virus drohe neue Gefahr. In diesem Umfeld sei es kein Wunder, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Füße stillhalte.
Auf ihrer Sitzung am gestrigen Donnerstag (21. Januar), der ersten im laufenden Jahr, hätten die Notenbanker um EZB-Chefin Christine Lagarde verkündet, den Leitzins im Euro-Raum auf rekordtiefen null Prozent zu belassen. Geschäftsbanken, die Geld bei der EZB parken würden, müssten nach wie vor 0,5 Prozent Zinsen zahlen. Auch das Notkaufprogramm für Anleihen (PEPP), das die Notenbank Ende vergangenen Jahres um 500 Milliarden auf 1,85 Billionen Euro aufgestockt habe, laufe unverändert weiter. Nach aktuellem Stand wolle die EZB ihre Bond-Käufe bis mindestens Ende März 2022 fortsetzen.
Neue Hilfen für die Wirtschaft habe Lagarde Medienberichten zufolge nicht angekündigt. Sie habe aber versichert, nach wie vor bereit zu stehen, um die Hilfen gegebenenfalls aufzustocken oder auszudehnen. "Nichts ist vom Tisch", zitiere die "Süddeutsche Zeitung" die Notenbankchefin. Zuletzt habe Lagarde versichert, dass die Wirtschaft in der Eurozone das prognostizierte Wachstum von 3,9 Prozent im Jahr 2021 nach jetzigem Kenntnisstand erreichen könne. Nur, wenn viele Staaten ihre Lockdowns über März hinaus verlängern müssten, stünden die Wachstumsprognosen auf der Kippe. Das Inflationsziel der Notenbank liege unverändert bei knapp zwei Prozent - und sei trotz Geldschwemme nicht näher gerückt: Im Dezember habe die Inflationsrate im Euro-Raum bei minus 0,3 Prozent gelegen.
Die EZB sei zu Recht bedächtig, sage Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank. Es gebe schließlich keinen verschärften Handlungsdruck, erst recht nicht, nachdem die Notenbank ihre Anleihekäufe im Dezember noch einmal ausgeweitet habe. Überdies sei der Ausblick - trotz der vielerorts verlängerten Lockdowns - durchaus positiv: "In der Eurozone sind die Impfungen angelaufen. Ein Brexit-Deal, wenn auch kein guter, ist unter Dach und Fach. Der Preisdruck in der Eurozone könnte im ersten Halbjahr 2021 wunschgemäß steigen. Und in den USA kommt wahrscheinlich ein Fiskalprogramm, das deutlich größer ausfallen wird als erwartet", zähle Lang auf.
Der Targobank-Chefökonom rechne damit, dass die EZB ihre Geldpolitik erst dann neu ausrichte, wenn sich die Pandemielage entspanne - frühestens also im Frühjahr, wenn es wärmer werde und mehr Menschen gegen Sars-CoV-2 geimpft seien. "Eine Rückführung der Anleihekäufe, wie in den USA bereits diskutiert wird, wäre aber vor Herbst nicht zu erwarten", prophezeie Lang. Unklar sei, ob die EZB ihre Bond-Käufe überhaupt zeitiger als geplant zurückfahren würde. Ein solcher Schritt könnte nämlich von Investoren als aggressiv interpretiert werden. "Schon jetzt zeichnet sich ab: Der Einstieg in den Ausstieg ist schwierig", resümiere der Ökonom mit Blick auf die ultralockere Geldpolitik.
Auch Ulrike Kastens, Europa-Volkswirtin der DWS, finde das Vorgehen der EZB richtig, hätte sich aber in einigen Punkten mehr Klarheit gewünscht. Um wieder auf den Inflationspfad von vor der Covid-19-Pandemie zu kommen, seien günstige Finanzierungsbedingungen wichtig, erkläre Kastens. "Lagarde definierte eine Vielzahl von Indikatoren, die dazu zu Rate gezogen werden. Dennoch bleiben unserer Meinung nach Unklarheiten." So sei etwa nicht eindeutig, wie der Begriff "günstig" in den kommenden Monaten definiert werde, wenn die Konjunktur wieder anziehe und die Verbraucherpreise voraussichtlich moderat steigen würden.
"Insgesamt scheint sich die EZB mit der derzeitigen geldpolitische Ausrichtung wohl zu fühlen", kommentiere Kastens. Zugleich fahre sie weiter auf Sicht. "Richtungsweisende Entscheidungen dürften in der zweiten Jahreshälfte fallen, wenn auch die Ergebnisse der Strategieprüfung vorliegen", prognostiziere die DWS-Ökonomin. Angesichts der Inflationslage dürfte es geldpolitisch allerdings erst einmal so weitergehen wie bisher. (22.01.2021/alc/a/a)
Profis wundere das nicht: Sie würden darauf hinweisen, dass der Ausblick zwar positiv sei, die Verbraucherpreise sich aber nicht in die gewünschte Richtung bewegen würden.
Die Corona-Infektionszahlen lägen immer noch hoch, viele Länder Europas würden sich in mehr oder weniger strengen Lockdowns befinden, durch Mutationen des Virus drohe neue Gefahr. In diesem Umfeld sei es kein Wunder, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Füße stillhalte.
Auf ihrer Sitzung am gestrigen Donnerstag (21. Januar), der ersten im laufenden Jahr, hätten die Notenbanker um EZB-Chefin Christine Lagarde verkündet, den Leitzins im Euro-Raum auf rekordtiefen null Prozent zu belassen. Geschäftsbanken, die Geld bei der EZB parken würden, müssten nach wie vor 0,5 Prozent Zinsen zahlen. Auch das Notkaufprogramm für Anleihen (PEPP), das die Notenbank Ende vergangenen Jahres um 500 Milliarden auf 1,85 Billionen Euro aufgestockt habe, laufe unverändert weiter. Nach aktuellem Stand wolle die EZB ihre Bond-Käufe bis mindestens Ende März 2022 fortsetzen.
Die EZB sei zu Recht bedächtig, sage Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank. Es gebe schließlich keinen verschärften Handlungsdruck, erst recht nicht, nachdem die Notenbank ihre Anleihekäufe im Dezember noch einmal ausgeweitet habe. Überdies sei der Ausblick - trotz der vielerorts verlängerten Lockdowns - durchaus positiv: "In der Eurozone sind die Impfungen angelaufen. Ein Brexit-Deal, wenn auch kein guter, ist unter Dach und Fach. Der Preisdruck in der Eurozone könnte im ersten Halbjahr 2021 wunschgemäß steigen. Und in den USA kommt wahrscheinlich ein Fiskalprogramm, das deutlich größer ausfallen wird als erwartet", zähle Lang auf.
Der Targobank-Chefökonom rechne damit, dass die EZB ihre Geldpolitik erst dann neu ausrichte, wenn sich die Pandemielage entspanne - frühestens also im Frühjahr, wenn es wärmer werde und mehr Menschen gegen Sars-CoV-2 geimpft seien. "Eine Rückführung der Anleihekäufe, wie in den USA bereits diskutiert wird, wäre aber vor Herbst nicht zu erwarten", prophezeie Lang. Unklar sei, ob die EZB ihre Bond-Käufe überhaupt zeitiger als geplant zurückfahren würde. Ein solcher Schritt könnte nämlich von Investoren als aggressiv interpretiert werden. "Schon jetzt zeichnet sich ab: Der Einstieg in den Ausstieg ist schwierig", resümiere der Ökonom mit Blick auf die ultralockere Geldpolitik.
Auch Ulrike Kastens, Europa-Volkswirtin der DWS, finde das Vorgehen der EZB richtig, hätte sich aber in einigen Punkten mehr Klarheit gewünscht. Um wieder auf den Inflationspfad von vor der Covid-19-Pandemie zu kommen, seien günstige Finanzierungsbedingungen wichtig, erkläre Kastens. "Lagarde definierte eine Vielzahl von Indikatoren, die dazu zu Rate gezogen werden. Dennoch bleiben unserer Meinung nach Unklarheiten." So sei etwa nicht eindeutig, wie der Begriff "günstig" in den kommenden Monaten definiert werde, wenn die Konjunktur wieder anziehe und die Verbraucherpreise voraussichtlich moderat steigen würden.
"Insgesamt scheint sich die EZB mit der derzeitigen geldpolitische Ausrichtung wohl zu fühlen", kommentiere Kastens. Zugleich fahre sie weiter auf Sicht. "Richtungsweisende Entscheidungen dürften in der zweiten Jahreshälfte fallen, wenn auch die Ergebnisse der Strategieprüfung vorliegen", prognostiziere die DWS-Ökonomin. Angesichts der Inflationslage dürfte es geldpolitisch allerdings erst einmal so weitergehen wie bisher. (22.01.2021/alc/a/a)


