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EZB belässt Zinssätze unverändert
12.04.24 12:30
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet hat die EZB die Zinssätze unverändert bei 4,00% (Einlagenfazilität) und 4,50% (Hauptrefinanzierungssatz) belassen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank. Lagarde schien in der Pressekonferenz ein wenig hin- und hergerissen zu sein, mit einer leichten Tendenz zur dovishen Seite, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Außerdem habe das Monetary Policy Statement einen neuen Satz enthalten, der ein wenig an die alten Tage der Forward Guidance erinnere. Die Analysten würden an ihrer Prognose einer ersten Zinssenkung Anfang Juni festhalten.
Die Ankündigungen im Einzelnen
(Zitate seien in Anführungszeichen und von Christine Lagarde, es sei denn, es werde auf jemand anderen verwiesen)
Zu einer ersten Zinssenkung und zu der Frage, ob Juni wahrscheinlich sei: "[...] im Juni wissen wir, dass wir viel mehr Daten und Informationen erhalten werden und auch neue Prognosen haben werden [...]. Wir sind also datenabhängig. [...] Dann werden wir feststellen, ob all dies unsere Hoffnung bestätigt, dass die Inflation nachhaltig zum Zielwert zurückkehrt, und ob unser Vertrauen dadurch ausreichend gestärkt wird." "Wenn die aktualisierte Bewertung der Inflationsaussichten und der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation durch den EZB-Rat [...] das Vertrauen in eine Annäherung der Inflation an das Ziel weiter stärken würde [...], wäre es angemessen, das derzeitige Niveau der geldpolitischen Restriktionen zu verringern."
Einschätzung: Lagarde habe noch einmal betont, dass der EZB-Rat sehr datenabhängig sei und dass es im Juni deutlich mehr Daten geben werde, als sie im April gehabt hätten. Sie habe auch angemerkt, dass die EZB eine positive Entwicklung in den Daten sehe, die aber noch in den Anfängen stecke. Außerdem habe sie erwähnt, dass eine Minderheit in der Sitzung mit einer Zinssenkung im April einverstanden gewesen wären, sich aber letztlich dem Konsens angeschlossen hätten.
Zur Inflationsentwicklung: "[...] Ohne triumphierend zu sein und ohne irgendetwas zu feiern, beobachten wir einen Rückgang der Inflation und einen Disinflationsprozess, der im Gange ist, und das beruhigt uns, dass die Geldpolitik, die wir bisher verfolgt haben, wesentlich dazu beigetragen hat." "Sie [die Dienstleistungsinflation] lag in den letzten fünf Monaten bei 4%. Die Inlandsinflation [...] liegt bei 4,5% [...] Aber wir werden nicht warten, bis alles auf 2% zurückgeht [...]"
Einschätzung: Es gebe einen neuen Satz in der Pressemitteilung, der im Wesentlichen besage, dass das Vertrauen in eine Zinssenkung steigen würde, wenn die Inflation auf dem Pfad der jüngsten EZB-Projektionen bleibe. Auch hier habe sie auf die strikte Datenabhängigkeit verwiesen. Außerdem rechne die EZB mit einigen Schwankungen, bis die Inflation ihr Ziel erreicht habe, weshalb sie sich nicht ausführlich zu den erwähnten Bedenken hinsichtlich der kürzlich gestiegenen Ölpreise geäußert habe.
Zum Wirtschaftswachstum: "Die Wirtschaft blieb im ersten Quartal schwach. [...] Der Dienstleistungssektor ist widerstandsfähig, die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes sehen sich einer schwachen Nachfrage gegenüber, und die Produktion ist nach wie vor gedämpft [...]. [...] Diese Erholung dürfte durch steigende Realeinkommen infolge niedrigerer Inflation und höherer Löhne unterstützt werden [...]. [...] das Wachstum der Exporte des Euroraums dürfte sich in den kommenden Quartalen beschleunigen, da sich die Weltwirtschaft erholt [...]"
Einschätzung: Dies klinge recht optimistisch, der HCOB PMI für Dienstleistungen im Euroraum liege zum zweiten Mal in diesem Monat über 50 und signalisiert Wachstum - der HCOB PMI für das Verarbeitende Gewerbe liege immer noch unter 50. Zur Jahresmitte würden die Analysten ebenfalls mit einem stärkeren Wirtschaftswachstum rechnen, wie Lagarde es angedeutet habe.
Zur Abhängigkeit von FED-Entscheidungen und deren Auswirkungen auf die Devisenmärkte: "Wir sind nicht von der FED abhängig". "Unser Ziel ist die Preisstabilität, und wir müssen unsere geldpolitischen Entscheidungen auf der Grundlage der Daten treffen, die von der Eurozone produziert werden, auf der Grundlage des globalen Umfelds - und das schließt natürlich die Vereinigten Staaten ein, aber es schließt auch China ein, [ ] es schließt auch Japan ein, [...] aber wir konzentrieren uns hauptsächlich auf das Gebiet, für das wir die Verantwortung für die Geldpolitik haben."
Einschätzung: Lagarde habe ihre Aussage von der Watcher's-Konferenz wiederholt, wo sie erklärt habe, dass die EZB nicht von den Zinsentscheidungen der FED abhängig sei. Sie habe auch erklärt, dass die mögliche Reaktion der Devisenmärkte auf die EZB-Politik zwar in den Projektionen der EZB berücksichtigt sei, der EZB-Rat jedoch Preisstabilität als oberstes Ziel habe. Nichtsdestotrotz würden die globalen wirtschaftlichen Bedingungen eine Rolle spielen und sollte so etwas wie importierte Inflation zur Gefahr werden, dann werde die EZB dies mit in ihre Entscheidungsprozesse einfließen lassen.
Zur geldpolitischen Erklärung (Monetary Policy Statement) und ihren vergleichsweise starken Leitlinien: Die EZB habe einen neuen Satz in ihre geldpolitische Erklärung aufgenommen, der wie folgt laute: "Sollte die aktualisierte Bewertung der Inflationsaussichten und der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation durch den EZB-Rat [...] das Vertrauen in eine Annäherung der Inflation an das Ziel weiter stärken [...], wäre es angemessen, das derzeitige Niveau der geldpolitischen Restriktionen zu verringern."
Einschätzung: Dieser Satz besage im Wesentlichen, dass, mehr oder weniger, eine Lockerung der Geldpolitik folgen würde, wenn die Inflationszahlen dem von der EZB im März prognostizierten Pfad folgen würden. Dies decke sich mit den Analystenerwartungen, dass die EZB ihre erste Zinssenkung im Juni vornehmen werde, da die jüngsten Inflationszahlen leicht unter den EZB-Prognosen gelegen hätten. Damit sei auch die starke Datenabhängigkeit erneut betont worden und es sei dadurch auch möglich, dass die EZB, nach einer ersten Zinssenkung, für mehrere Treffen pausiere. (12.04.2024/alc/a/a)
Außerdem habe das Monetary Policy Statement einen neuen Satz enthalten, der ein wenig an die alten Tage der Forward Guidance erinnere. Die Analysten würden an ihrer Prognose einer ersten Zinssenkung Anfang Juni festhalten.
Die Ankündigungen im Einzelnen
(Zitate seien in Anführungszeichen und von Christine Lagarde, es sei denn, es werde auf jemand anderen verwiesen)
Zu einer ersten Zinssenkung und zu der Frage, ob Juni wahrscheinlich sei: "[...] im Juni wissen wir, dass wir viel mehr Daten und Informationen erhalten werden und auch neue Prognosen haben werden [...]. Wir sind also datenabhängig. [...] Dann werden wir feststellen, ob all dies unsere Hoffnung bestätigt, dass die Inflation nachhaltig zum Zielwert zurückkehrt, und ob unser Vertrauen dadurch ausreichend gestärkt wird." "Wenn die aktualisierte Bewertung der Inflationsaussichten und der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation durch den EZB-Rat [...] das Vertrauen in eine Annäherung der Inflation an das Ziel weiter stärken würde [...], wäre es angemessen, das derzeitige Niveau der geldpolitischen Restriktionen zu verringern."
Einschätzung: Lagarde habe noch einmal betont, dass der EZB-Rat sehr datenabhängig sei und dass es im Juni deutlich mehr Daten geben werde, als sie im April gehabt hätten. Sie habe auch angemerkt, dass die EZB eine positive Entwicklung in den Daten sehe, die aber noch in den Anfängen stecke. Außerdem habe sie erwähnt, dass eine Minderheit in der Sitzung mit einer Zinssenkung im April einverstanden gewesen wären, sich aber letztlich dem Konsens angeschlossen hätten.
Einschätzung: Es gebe einen neuen Satz in der Pressemitteilung, der im Wesentlichen besage, dass das Vertrauen in eine Zinssenkung steigen würde, wenn die Inflation auf dem Pfad der jüngsten EZB-Projektionen bleibe. Auch hier habe sie auf die strikte Datenabhängigkeit verwiesen. Außerdem rechne die EZB mit einigen Schwankungen, bis die Inflation ihr Ziel erreicht habe, weshalb sie sich nicht ausführlich zu den erwähnten Bedenken hinsichtlich der kürzlich gestiegenen Ölpreise geäußert habe.
Zum Wirtschaftswachstum: "Die Wirtschaft blieb im ersten Quartal schwach. [...] Der Dienstleistungssektor ist widerstandsfähig, die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes sehen sich einer schwachen Nachfrage gegenüber, und die Produktion ist nach wie vor gedämpft [...]. [...] Diese Erholung dürfte durch steigende Realeinkommen infolge niedrigerer Inflation und höherer Löhne unterstützt werden [...]. [...] das Wachstum der Exporte des Euroraums dürfte sich in den kommenden Quartalen beschleunigen, da sich die Weltwirtschaft erholt [...]"
Einschätzung: Dies klinge recht optimistisch, der HCOB PMI für Dienstleistungen im Euroraum liege zum zweiten Mal in diesem Monat über 50 und signalisiert Wachstum - der HCOB PMI für das Verarbeitende Gewerbe liege immer noch unter 50. Zur Jahresmitte würden die Analysten ebenfalls mit einem stärkeren Wirtschaftswachstum rechnen, wie Lagarde es angedeutet habe.
Zur Abhängigkeit von FED-Entscheidungen und deren Auswirkungen auf die Devisenmärkte: "Wir sind nicht von der FED abhängig". "Unser Ziel ist die Preisstabilität, und wir müssen unsere geldpolitischen Entscheidungen auf der Grundlage der Daten treffen, die von der Eurozone produziert werden, auf der Grundlage des globalen Umfelds - und das schließt natürlich die Vereinigten Staaten ein, aber es schließt auch China ein, [ ] es schließt auch Japan ein, [...] aber wir konzentrieren uns hauptsächlich auf das Gebiet, für das wir die Verantwortung für die Geldpolitik haben."
Einschätzung: Lagarde habe ihre Aussage von der Watcher's-Konferenz wiederholt, wo sie erklärt habe, dass die EZB nicht von den Zinsentscheidungen der FED abhängig sei. Sie habe auch erklärt, dass die mögliche Reaktion der Devisenmärkte auf die EZB-Politik zwar in den Projektionen der EZB berücksichtigt sei, der EZB-Rat jedoch Preisstabilität als oberstes Ziel habe. Nichtsdestotrotz würden die globalen wirtschaftlichen Bedingungen eine Rolle spielen und sollte so etwas wie importierte Inflation zur Gefahr werden, dann werde die EZB dies mit in ihre Entscheidungsprozesse einfließen lassen.
Zur geldpolitischen Erklärung (Monetary Policy Statement) und ihren vergleichsweise starken Leitlinien: Die EZB habe einen neuen Satz in ihre geldpolitische Erklärung aufgenommen, der wie folgt laute: "Sollte die aktualisierte Bewertung der Inflationsaussichten und der Dynamik der zugrunde liegenden Inflation durch den EZB-Rat [...] das Vertrauen in eine Annäherung der Inflation an das Ziel weiter stärken [...], wäre es angemessen, das derzeitige Niveau der geldpolitischen Restriktionen zu verringern."
Einschätzung: Dieser Satz besage im Wesentlichen, dass, mehr oder weniger, eine Lockerung der Geldpolitik folgen würde, wenn die Inflationszahlen dem von der EZB im März prognostizierten Pfad folgen würden. Dies decke sich mit den Analystenerwartungen, dass die EZB ihre erste Zinssenkung im Juni vornehmen werde, da die jüngsten Inflationszahlen leicht unter den EZB-Prognosen gelegen hätten. Damit sei auch die starke Datenabhängigkeit erneut betont worden und es sei dadurch auch möglich, dass die EZB, nach einer ersten Zinssenkung, für mehrere Treffen pausiere. (12.04.2024/alc/a/a)


