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EZB: Zinssenkungen rücken näher
23.01.24 12:45
FONDS professionell
Wien (www.anleihencheck.de) - Innerhalb der vergangenen zwei Jahre schraubte die Europäische Zentralbank (EZB) die Euro-Leitzinsen um 450 Prozentpunkte auf das Rekordhoch von vier Prozent für die Einlagefazilität nach oben, so die Experten von "FONDS professionell".
Dieses Jahr stünden nach allem Ermessen die von Anlegern herbeigesehnten Zinssenkungen an. Dabei würden sich zwei Fragen stellen: Wann werde die EZB die Zinsen senken - und wie rasch? Hinweise dazu würden sich die Anleger von der kommenden Zinsentscheidung am Donnerstag (25.1.) erhoffen.
Vor wenigen Tagen bereits habe EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos durchblicken lassen, dass erste Zinssenkungen im Sommer dieses Jahres im Raum stehen könnten. Das würden viele Experten für plausibel halten. So etwa Ulrike Kastens, Europa-Volkswirtin bei der DWS, auch wenn sie nicht erwartet, dass Lagarde diese Woche Näheres zum Timing der ersten Zinssenkung sagen werde: "Die EZB dürfte auf der Pressekonferenz weiterhin die Datenabhängigkeit betonen, aber dennoch die Tür für Zinssenkungen einen Spalt weit aufmachen", so Kastens. Eine erste Senkung halte sie im Juni für wahrscheinlich. Auch Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust, sage: "Eine schwacher Konjunkturausblick und rückläufige Inflationsraten im Euroraum dürften der EZB noch vor der Jahresmitte 2024 einen ersten Zinssenkungsschritt ermöglichen."
Aktuell preise der Markt bis zu sechs Zinssenkungen für 2024 ein. Felix Feather, Volkswirt bei Abrdn, sage: "Die EZB wird mit ziemlicher Sicherheit andeuten, dass sie die Markterwartungen für überzogen hält." Auch DWS-Analystin Kastens glaube nicht, dass die EZB die Zinsen sehr rasch senken werde: "Wir teilen den Optimismus vieler Marktteilnehmer nicht, dass die EZB die Leitzinsen sehr schnell und sehr deutlich senken wird." HQ-Trust-Ökonom Heise mahne, dass bei der Inflation noch keine vollumfängliche Entwarnung gegeben werden könne. Das habe seiner Meinung nach Folgen für die EZB: "Gerade nach den Fehlern bei der Einschätzung und Bekämpfung der Inflation 2021 und 2022 wird die EZB nicht vorschnell lockern; konkrete Schritte der Zinspolitik sind erst zu erwarten, wenn die rückläufigen Trends bei der Inflation einige Monate Bestand haben." Ähnlich sehe das Katharine Neiss, Chefvolkswirtin für Europa bei PGIM Fixed Income. Ihrer Meinung nach deute die rapide Verschlechterung der Konjunktur zum Ende des vergangenen Jahres zudem darauf hin, dass die EZB 2023 womöglich zu stark an der Zinsschraube gedreht und damit einen stärkeren Abschwung als nötig herbeigeführt habe.
Im Dezember sei die Teuerung im Euroraum wieder leicht auf 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen; die aussagekräftigere Kerninflation habe etwas nachgegeben - liege aber bei 3,4 Prozent. Die EZB habe im Dezember ihre Inflationsprojektionen für 2024 und 2025 für die Eurozone gesenkt: Für das laufende Jahr würden die Notenbanker nun mit 2,7 Prozent und für 2025 mit 2,1 Prozent Teuerung rechnen. Beim Wirtschaftswachstum würden sie nach 0,8 Prozent 2024 eine Beschleunigung auf 1,5 Prozent 2025 erwarten. Die nächsten Projektionen würden im März vorgestellt und dürften eine wichtige Grundlage für den weiteren Zinspfad darstellen.
Bei der Rückführung ihrer Anleihenkäufe habe die EZB zuletzt deutliche Fortschritte gemacht. Bereits seit Juli 2023 reinvestiere die Notenbank die freiwerdenden Mittel auslaufender Anleihen aus dem Asset Purchase Program (APP) nicht mehr. Auch beim Pandemie Notfallankaufprogramm (PEPP) würden die Reinvestitionen reduziert und sollten ab Mitte 2024 auslaufen. Damit trete die EZB als wichtiger Anleihenkäufer nach und nach ab, während zugleich infolge der steigenden Staatsverschuldung mehr Euro-Staatsanleihen auf den Markt kommen dürften. Die nach Jahren der Niedrigzinsen hohe Nachfrage vor allem institutioneller Investoren nach höher verzinsten Euro-Anleihen sollte die Anleihenkurse dagegen stützen. (23.01.2024/alc/a/a)
Dieses Jahr stünden nach allem Ermessen die von Anlegern herbeigesehnten Zinssenkungen an. Dabei würden sich zwei Fragen stellen: Wann werde die EZB die Zinsen senken - und wie rasch? Hinweise dazu würden sich die Anleger von der kommenden Zinsentscheidung am Donnerstag (25.1.) erhoffen.
Aktuell preise der Markt bis zu sechs Zinssenkungen für 2024 ein. Felix Feather, Volkswirt bei Abrdn, sage: "Die EZB wird mit ziemlicher Sicherheit andeuten, dass sie die Markterwartungen für überzogen hält." Auch DWS-Analystin Kastens glaube nicht, dass die EZB die Zinsen sehr rasch senken werde: "Wir teilen den Optimismus vieler Marktteilnehmer nicht, dass die EZB die Leitzinsen sehr schnell und sehr deutlich senken wird." HQ-Trust-Ökonom Heise mahne, dass bei der Inflation noch keine vollumfängliche Entwarnung gegeben werden könne. Das habe seiner Meinung nach Folgen für die EZB: "Gerade nach den Fehlern bei der Einschätzung und Bekämpfung der Inflation 2021 und 2022 wird die EZB nicht vorschnell lockern; konkrete Schritte der Zinspolitik sind erst zu erwarten, wenn die rückläufigen Trends bei der Inflation einige Monate Bestand haben." Ähnlich sehe das Katharine Neiss, Chefvolkswirtin für Europa bei PGIM Fixed Income. Ihrer Meinung nach deute die rapide Verschlechterung der Konjunktur zum Ende des vergangenen Jahres zudem darauf hin, dass die EZB 2023 womöglich zu stark an der Zinsschraube gedreht und damit einen stärkeren Abschwung als nötig herbeigeführt habe.
Im Dezember sei die Teuerung im Euroraum wieder leicht auf 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen; die aussagekräftigere Kerninflation habe etwas nachgegeben - liege aber bei 3,4 Prozent. Die EZB habe im Dezember ihre Inflationsprojektionen für 2024 und 2025 für die Eurozone gesenkt: Für das laufende Jahr würden die Notenbanker nun mit 2,7 Prozent und für 2025 mit 2,1 Prozent Teuerung rechnen. Beim Wirtschaftswachstum würden sie nach 0,8 Prozent 2024 eine Beschleunigung auf 1,5 Prozent 2025 erwarten. Die nächsten Projektionen würden im März vorgestellt und dürften eine wichtige Grundlage für den weiteren Zinspfad darstellen.
Bei der Rückführung ihrer Anleihenkäufe habe die EZB zuletzt deutliche Fortschritte gemacht. Bereits seit Juli 2023 reinvestiere die Notenbank die freiwerdenden Mittel auslaufender Anleihen aus dem Asset Purchase Program (APP) nicht mehr. Auch beim Pandemie Notfallankaufprogramm (PEPP) würden die Reinvestitionen reduziert und sollten ab Mitte 2024 auslaufen. Damit trete die EZB als wichtiger Anleihenkäufer nach und nach ab, während zugleich infolge der steigenden Staatsverschuldung mehr Euro-Staatsanleihen auf den Markt kommen dürften. Die nach Jahren der Niedrigzinsen hohe Nachfrage vor allem institutioneller Investoren nach höher verzinsten Euro-Anleihen sollte die Anleihenkurse dagegen stützen. (23.01.2024/alc/a/a)


