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EZB-Zinssenkung: "Europa befindet sich an einem Scheideweg"
22.04.25 09:00
Candriam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die jüngste Zinssenkung signalisiert eine wachsende Zuversicht, dass die Inflationsziele erreicht werden, während das Wirtschaftswachstum mit zunehmendem Gegenwind zu kämpfen hat, so Nicolas Forest, Chief Investment Officer bei Candriam, zur Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB).
Allein in den letzten drei Wochen hätten die Abwärtsrisiken zugenommen. Der Handelskrieg habe sich nach der Ankündigung von Zöllen durch die US-Regierung am 2. April eskaliert und der Euro habe um mehr als 5 Prozent zugelegt. Die finanziellen Bedingungen hätten sich verschlechtert und es werde erwartet, dass der Kreditimpuls in diesem äußerst unsicheren Umfeld nachlasse.
Vor diesem Hintergrund verfolge die EZB einen vorsichtigen Ansatz, bei dem sie sich von Sitzung zu Sitzung alle Optionen offenhalte. Tatsächlich habe die EZB das Wort "restriktiv" aus ihrer Erklärung zur Geldpolitik gestrichen, um "flexibel" zu sein. Europa befinde sich an einem Scheideweg. Einerseits könne die Region von den positiven Auswirkungen der innereuropäischen Unterstützung wie dem deutschen Finanzplan und dem Programm "ReArm Europe" profitieren. Andererseits werde es Europa schwerfallen, Ansteckungsgefahren zu vermeiden, wenn die USA in eine Rezession abrutschten. Gleichzeitig sehe sich die EZB mit disinflationärem Druck konfrontiert – dämpfende Nachfrageeffekte durch Handelskonflikte, ein stärkerer Euro und eine potenzielle Flut billigerer chinesischer Waren könnten den Aufwärtsdruck durch Vergeltungsmaßnahmen und Unterbrechungen der Lieferketten überwiegen. Wenn die Stärke des Euro Fragen aufwerfe, erleichtere dies den Lockerungszyklus der Zentralbank. Es werde weiterhin mit zwei weiteren Zinssenkungen der EZB in diesem Sommer gerechnet.
Die US-Notenbank warte in der Zwischenzeit auf mehr Klarheit über ein mögliches Stagflationsszenario oder einen vorübergehenden Inflationsanstieg. Anhaltende Zölle könnten die Inflation in den USA in Richtung 5 Prozent treiben, bevor sie sich im Zuge der Abkühlung der US-Wirtschaft wieder auf 2 Prozent einpendele. Es würden aber Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte erwartet.
Für die europäische Duration bleibe man optimistisch, zumal die Diversifizierung in US-Treasuries Zweifel an deren Status als sicherer Hafen aufkommen ließe. (Ausgabe vom 17.04.2025) (22.04.2025/alc/a/a)
Allein in den letzten drei Wochen hätten die Abwärtsrisiken zugenommen. Der Handelskrieg habe sich nach der Ankündigung von Zöllen durch die US-Regierung am 2. April eskaliert und der Euro habe um mehr als 5 Prozent zugelegt. Die finanziellen Bedingungen hätten sich verschlechtert und es werde erwartet, dass der Kreditimpuls in diesem äußerst unsicheren Umfeld nachlasse.
Die US-Notenbank warte in der Zwischenzeit auf mehr Klarheit über ein mögliches Stagflationsszenario oder einen vorübergehenden Inflationsanstieg. Anhaltende Zölle könnten die Inflation in den USA in Richtung 5 Prozent treiben, bevor sie sich im Zuge der Abkühlung der US-Wirtschaft wieder auf 2 Prozent einpendele. Es würden aber Zinssenkungen in der zweiten Jahreshälfte erwartet.
Für die europäische Duration bleibe man optimistisch, zumal die Diversifizierung in US-Treasuries Zweifel an deren Status als sicherer Hafen aufkommen ließe. (Ausgabe vom 17.04.2025) (22.04.2025/alc/a/a)


