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EZB: Zinspause im Oktober, mögliche Senkung im Dezember


29.10.25 09:15
Neuberger Berman

New York (www.anleihencheck.de) - Wir denken, dass die EZB ihre Leitzinsen in dieser Woche unverändert lassen wird, so Patrick Barbe, Head European Fixed Income bei Neuberger Berman.

Seit der letzten Zinssenkung im Juni hätten sich die wirtschaftlichen und inflationsbezogenen Entwicklungen nicht so stark verändert, dass eine Änderung der Geldpolitik gerechtfertigt wäre. Viele EZB-Mitglieder, darunter auch Notenbank-Präsidentin Christine Lagarde, hätten in den vergangenen Wochen erklärt, dass der Rat gut aufgestellt sei, um mit den Unsicherheiten der Zukunft umzugehen. Deren Fortbestehen dürfte zu einer Verlängerung der Zinspause führen.

Im Protokoll der EZB vom September würden die Währungshüter betonen, dass die Hürde für eine weitere Zinssenkung angesichts der verbleibenden Unsicherheiten und der Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft hoch sei. Einige Verantwortliche seien jedoch der Ansicht, dass eine weitere Zinssenkung davor schützen könnte, im Falle ungünstiger Entwicklungen das Inflationsziel zu unterschreiten. EZB-Chefökonom Philip Lane habe erklärt, dass der Transmissionsmechanismus "reibungslos funktioniere" und sich die finanziellen Bedingungen zwar entspannt hätten, aber weiterhin restriktiv seien, was bedeute, dass der Straffungszyklus möglicherweise stärker wirke als gedacht.

Die Eurozone sehe sich in der Tat mit einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld konfrontiert. Das würden das schwache Wachstum im zweiten und dritten Quartal sowie die verzögerte Umsetzung des deutschen Konjunkturpakets verdeutlichen. Hinzu kämen die 15-prozentigen US-Zölle, die allmählich die Konjunktur belasten würden. Darüber hinaus seien die Auswirkungen der zunehmenden asiatischen Exporte in die Währungsunion und der Euro-Aufwertung auf die Inflation noch nicht spürbar.

Die Experten von Neuberger Berman sähen ein weiteres Risiko für die konjunkturelle Entwicklung: Der von der EZB und vielen Ökonomen für die kommenden Quartale erwartete Wachstumsaufschwung basiere auf einem Rückgang der Sparquote der privaten Haushalte, den die Frühindikatoren noch nicht ankündigen würden. Darüber hinaus stelle Frankreich ein größeres Risiko dar als bisher angenommen, da die anhaltende politische Instabilität die Konjunktur belasten könnte. Das gelte insbesondere, wenn das Parlament für eine Erhöhung der Unternehmenssteuern stimme. Daher würden die Experten von Neuberger Berman davon ausgehen, dass die Zentralbank bei ihrer nächsten Aktualisierung der Wirtschaftsprognosen den Leitzins im Dezember erneut senken werde.

Der europäische Anleihemarkt habe im Sommer aufgrund steigender Staatsanleiheemissionen unter Druck gestanden: Viele Länder hätten trotz der Ferienzeit ein hohes Emissionsvolumen aufrechtgehalten. Deutschland habe sogar begonnen, seine erhöhten öffentlichen Ausgaben zu finanzieren. Heute lägen die meisten Regierungen mit ihren Emissionsprogrammen für 2025 vor ihren Plänen, wobei etwa 90 Prozent davon bereits abgeschlossen seien. Daher dürfte der geringere Emissionsdruck im vierten Quartal, insbesondere bei langen Laufzeiten, die Preise am Anleihemarkt stützen. Darüber hinaus würden viele Länder, darunter Deutschland, Spanien und Italien, eine besser als erwartete Haushaltsführung aufweisen. Das führe zu einem geringeren Defizit.

Die Experten von Neuberger Berman würden davon ausgehen, dass die US-Zölle die Produktion und die Investitionsausgaben belasten und zu Arbeitsplatzverlusten führen würden. Tatsächlich sähen sie zunehmende Abwärtsrisiken für das Wachstum, da steigende Lagerbestände zu einem Rückgang der Industrieproduktion geführt hätten: Der Automobilsektor sei der Hauptgrund für diese Schwäche, aber alle Sektoren seien davon betroffen.

Die Experten von Neuberger Berman würden nicht davon ausgehen, dass die deutschen öffentlichen Ausgaben das Wachstum in naher Zukunft stützen würden, da es Zeit brauche, neue Infrastruktur- und Verteidigungsprojekte zu identifizieren und auf den Weg zu bringen. Darüber hinaus dürfte die schwache Nachfrage dazu führen, dass die Kerninflation in den kommenden Monaten wieder unter das Ziel der EZB von 2 Prozent falle. Daher würden die Experten die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen bei etwa 2,5 Prozent prognostizieren - leicht unter ihrem aktuellen Niveau. Eine anhaltende Korrektur am Kreditmarkt könnte jedoch zu niedrigeren Renditen führen. (Ausgabe vom 28.10.2025) (29.10.2025/alc/a/a)