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EZB: Weitere Zinssenkung vor Pause erwartet


03.06.25 10:15
Crédit Mutuel AM

Paris (www.anleihencheck.de) - Es wird erwartet, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Sitzung am 5. Juni erneut die Leitzinsen senkt, was die achte Senkung innerhalb eines Jahres wäre, so François Rimeu, Senior Market Strategist, Crédit Mutuel Asset Management.

Diese Geldpolitik erfolge in einem Umfeld moderaten Wachstums und einer nachlassenden Inflation in Richtung des 2 %-Ziels.

Die Erwartungen der Experten seien Folgende:

- Leitzinsen: Der EZB-Rat dürfte den Einlagensatz, den wichtigsten Referenzzinssatz für die Märkte, um 25 Basispunkte (Bp) auf 2,0 % senken, verglichen mit 4,0 % im Vorjahr.

- Kommunikation: Die EZB stütze sich bei ihren Entscheidungen weiterhin auf die Entwicklung der Wirtschaftsdaten. Auf der Pressekonferenz deute Präsidentin Christine Lagarde unseres Erachtens eine Pause im Juli an, bevor der Kurs im September neu bewertet werde. Die EZB betone wahrscheinlich, dass die Risiken für die Inflationsentwicklung mittelfristig weitgehend ausgewogen blieben und somit ein vorsichtiger geldpolitischer Ansatz gerechtfertigt sei. Diese Ansicht sei unlängst von Isabel Schnabel, Mitglied des EZB-Direktoriums und bekannt für ihre strikt "hawkishe" Haltung, bekräftigt worden. Darüber hinaus werde erwartet, dass die EZB trotz des Gegenwinds durch Handelsspannungen und Zölle davon ausgehe, dass das Wachstum in der Eurozone robust bleibe und durch steigende Reallöhne und einen starken Arbeitsmarkt gestützt werde – zwei Schlüsselfaktoren, die den Privatkonsum fördern würden.

- Wirtschaftsprognosen: In den neuen Projektionen ändere die EZB ihre Wachstumsprognosen für 2025–2027 im Vergleich zu denen vom März voraussichtlich nicht wesentlich: In ihrem Basisszenario rechne sie mit einem Wachstum von 0,9 % (2025), 1,2 % (2026) und 1,3 % (2027). Was die Inflation betreffe, so bestätige die EZB eine schnellere Annäherung an ihr 2 %-Ziel ab diesem Jahr, was durch niedrigere Ölpreise und die Aufwertung des Euro seit den letzten Projektionen begünstigt werde. Diese Faktoren in Verbindung mit dem zunehmenden Wettbewerb mit China bei Industriegütern innerhalb der Eurozone belasteten auch die Inflationsprognosen für 2026 und voraussichtlich 2027, die im März auf 2,0 % bzw. 1,9 % geschätzt worden seien. Die Kerninflation stabilisiere sich im gleichen Zeitraum (2025–2027) bei etwa 2 %.

Wie allgemein erwartet, sei die Zinssenkung der EZB im Juni ein weiterer Schritt in Richtung neutralerer Geldpolitik, während sie gleichzeitig einen vorsichtigen Ansatz auf Basis der Wirtschaftsdaten beibehalte. (03.06.2025/alc/a/a)