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EZB: "Spannend wird es erst im September"
28.07.23 11:51
Generali Investments
Köln (www.anleihencheck.de) - Auf seiner gestrigen Sitzung beschloss der EZB-Rat einstimmig und entsprechend der Erwartungen eine Anhebung der Leitzinsen um weitere 25 Basispunkte, so Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments.
Die EZB habe an ihrer Absicht festgehalten, PEPP-Reinvestitionen mindestens bis Ende 2024 vorzunehmen, jedoch überraschenderweise die Verzinsung der Mindestreserven auf 0 Prozent gesenkt. Präsidentin Lagarde habe außerdem erwähnt, dass die EZB nach dem Sommer wahrscheinlich Papiere von Klimanachzüglern verkaufen werde.
Wie schon bei der vorangegangenen Sitzung werde die Inflation als 'für zu lange Zeit zu hoch' angesehen. Allerdings sei der EZB-Rat hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen weniger entschlossen. Stattdessen werde lediglich von 'ausreichend restriktiven Maßnahmen' gesprochen.
Außerdem bewerte der EZB-Rat nun die Übertragung früherer geldpolitischer Maßnahmen als 'eindringlich', da er feststelle, dass strengere Finanzierungsbedingungen 'die Nachfrage zunehmend dämpfen', während eine kurzfristige Konjunkturabschwächung anerkannt werde.
In der Frage-und-Antwort-Runde habe EZB-Präsidentin Christine Lagarde dieses Mal einen deutlich datenabhängigen Ansatz verfolgt. Sie habe auf zusätzliche Inflationsdaten und die aktualisierten Makroprognosen hingedeutet, die bei der September-Sitzung verfügbar sein würden.
Insgesamt sei der Ton deutlich ausgeglichener als bei früheren Treffen gewesen. Für die Sitzung am 14. September sei lediglich eine Zinssenkung ausgeschlossen, die Möglichkeit einer Pause oder einer weiteren Erhöhung jedoch ausdrücklich erwähnt worden. Daher ist unsere Prognose einer weiteren Erhöhung um 25 Basispunkte auf 4,0 Prozent sehr knapp, so die Experten von Generali Investments. Inflationsdaten und die aktualisierten Makroprojektionen der EZB würden von entscheidender Bedeutung sein.
Seit der letzten geldpolitischen Sitzung tendiere die Inflation weiter nach unten (auf 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr im Juni), während wichtige Stimmungsindikatoren wie der Gesamt-Einkaufsmanagerindex (Schnellschätzung für Juli von 48,9) eine Verlangsamung der Aktivität zeigen würden - sogar mit der Gefahr eines Abschwungs. Insbesondere die Aktivitätsdaten stünden im Widerspruch zu den rosigen Aussichten der Juni-Prognosen.
Bei der EZB-Sitzung habe der Generaldirektor eingeräumt, dass sich die kurzfristigen Wirtschaftsaussichten verschlechtert hätten, und dass die Arbeitsmarktdynamik im Verarbeitenden Gewerbe sogar negativ werden könnte. Es sei jedoch argumentiert worden, dass 'eine sinkende Inflation, steigende Einkommen und eine Verbesserung der Versorgungsbedingungen den Aufschwung wieder unterstützen sollten'.
Die zugrunde liegende Inflation gebe weiterhin Anlass zur Sorge. Die für 2024 prognostizierte Gesamtinflationsrate von 3,0 Prozent liege deutlich über dem Konsens und der eigenen Erwartung der Experten von 2,4 bis 2,5 Prozent im Jahresvergleich. Die EZB betone die Verlagerung von externen (Energie, Nahrungsmittel) zu inländischen (z. B. Löhnen) Inflationsquellen. Insgesamt sei deutlich geworden, dass auch innerhalb des EZB-Rats zunehmende Zweifel an den jüngsten positiven makroökonomischen Prognosen der EZB bestünden.
Gleichzeitig würden sich die Anzeichen dafür mehren, dass sich die restriktivere Politik in der Wirtschaft niederschlage. So sei beispielsweise das Kreditwachstum an Haushalte (1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr im Juni) und Unternehmen auf den niedrigsten Stand seit Mai 2016 und November 2021 gefallen.
Auch die jüngste Bank Lending Survey deute auf eine weitere Abschwächung der Kreditnachfrage hin. Auf der Juni-Sitzung habe der EZB-Rat erklärt, dass er keine Unsicherheiten mehr hinsichtlich der Auswirkungen seiner Politik sehe, sondern dass diese 'allmählich Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft haben werde'. Der Rat bewerte nun die Übertragung der vergangenen geldpolitischen Maßnahmen als 'eindringlich' und stelle fest, dass strengere Finanzierungsbedingungen 'die Nachfrage zunehmend dämpfen'.
Das Ende des Zinserhöhungszyklus stehe vor der Tür, aber Zinssenkungen seien erstmal nicht in Sicht: Mit der aktuellen neunten Erhöhung in Folge seien die Leitzinsen insgesamt um 425 Basispunkte gestiegen. Wir haben immer noch eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte in unseren Büchern, räumen aber ein, dass dies angesichts der heutigen Pressekonferenz unwahrscheinlicher geworden ist, so die Experten von Generali Investments. Denn die Experten würden davon ausgehen, dass die makroökonomischen Prognosen der EZB im September deutlich nach unten korrigiert werden müssten. Auf jeden Fall würden die Experten weiterhin damit rechnen, dass im dritten Quartal der Spitzenzinssatz erreicht werde. Aus Sicht der Experten werde die EZB die Notwendigkeit dafür hervorheben, den Spitzenzins länger auf diesem Niveau zu halten. Die Experten würden eine erste Zinssenkung erst gegen Ende 2024 erwarten. (28.07.2023/alc/a/a)
Die EZB habe an ihrer Absicht festgehalten, PEPP-Reinvestitionen mindestens bis Ende 2024 vorzunehmen, jedoch überraschenderweise die Verzinsung der Mindestreserven auf 0 Prozent gesenkt. Präsidentin Lagarde habe außerdem erwähnt, dass die EZB nach dem Sommer wahrscheinlich Papiere von Klimanachzüglern verkaufen werde.
Wie schon bei der vorangegangenen Sitzung werde die Inflation als 'für zu lange Zeit zu hoch' angesehen. Allerdings sei der EZB-Rat hinsichtlich weiterer Zinserhöhungen weniger entschlossen. Stattdessen werde lediglich von 'ausreichend restriktiven Maßnahmen' gesprochen.
Außerdem bewerte der EZB-Rat nun die Übertragung früherer geldpolitischer Maßnahmen als 'eindringlich', da er feststelle, dass strengere Finanzierungsbedingungen 'die Nachfrage zunehmend dämpfen', während eine kurzfristige Konjunkturabschwächung anerkannt werde.
In der Frage-und-Antwort-Runde habe EZB-Präsidentin Christine Lagarde dieses Mal einen deutlich datenabhängigen Ansatz verfolgt. Sie habe auf zusätzliche Inflationsdaten und die aktualisierten Makroprognosen hingedeutet, die bei der September-Sitzung verfügbar sein würden.
Seit der letzten geldpolitischen Sitzung tendiere die Inflation weiter nach unten (auf 5,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr im Juni), während wichtige Stimmungsindikatoren wie der Gesamt-Einkaufsmanagerindex (Schnellschätzung für Juli von 48,9) eine Verlangsamung der Aktivität zeigen würden - sogar mit der Gefahr eines Abschwungs. Insbesondere die Aktivitätsdaten stünden im Widerspruch zu den rosigen Aussichten der Juni-Prognosen.
Bei der EZB-Sitzung habe der Generaldirektor eingeräumt, dass sich die kurzfristigen Wirtschaftsaussichten verschlechtert hätten, und dass die Arbeitsmarktdynamik im Verarbeitenden Gewerbe sogar negativ werden könnte. Es sei jedoch argumentiert worden, dass 'eine sinkende Inflation, steigende Einkommen und eine Verbesserung der Versorgungsbedingungen den Aufschwung wieder unterstützen sollten'.
Die zugrunde liegende Inflation gebe weiterhin Anlass zur Sorge. Die für 2024 prognostizierte Gesamtinflationsrate von 3,0 Prozent liege deutlich über dem Konsens und der eigenen Erwartung der Experten von 2,4 bis 2,5 Prozent im Jahresvergleich. Die EZB betone die Verlagerung von externen (Energie, Nahrungsmittel) zu inländischen (z. B. Löhnen) Inflationsquellen. Insgesamt sei deutlich geworden, dass auch innerhalb des EZB-Rats zunehmende Zweifel an den jüngsten positiven makroökonomischen Prognosen der EZB bestünden.
Gleichzeitig würden sich die Anzeichen dafür mehren, dass sich die restriktivere Politik in der Wirtschaft niederschlage. So sei beispielsweise das Kreditwachstum an Haushalte (1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr im Juni) und Unternehmen auf den niedrigsten Stand seit Mai 2016 und November 2021 gefallen.
Auch die jüngste Bank Lending Survey deute auf eine weitere Abschwächung der Kreditnachfrage hin. Auf der Juni-Sitzung habe der EZB-Rat erklärt, dass er keine Unsicherheiten mehr hinsichtlich der Auswirkungen seiner Politik sehe, sondern dass diese 'allmählich Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft haben werde'. Der Rat bewerte nun die Übertragung der vergangenen geldpolitischen Maßnahmen als 'eindringlich' und stelle fest, dass strengere Finanzierungsbedingungen 'die Nachfrage zunehmend dämpfen'.
Das Ende des Zinserhöhungszyklus stehe vor der Tür, aber Zinssenkungen seien erstmal nicht in Sicht: Mit der aktuellen neunten Erhöhung in Folge seien die Leitzinsen insgesamt um 425 Basispunkte gestiegen. Wir haben immer noch eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte in unseren Büchern, räumen aber ein, dass dies angesichts der heutigen Pressekonferenz unwahrscheinlicher geworden ist, so die Experten von Generali Investments. Denn die Experten würden davon ausgehen, dass die makroökonomischen Prognosen der EZB im September deutlich nach unten korrigiert werden müssten. Auf jeden Fall würden die Experten weiterhin damit rechnen, dass im dritten Quartal der Spitzenzinssatz erreicht werde. Aus Sicht der Experten werde die EZB die Notwendigkeit dafür hervorheben, den Spitzenzins länger auf diesem Niveau zu halten. Die Experten würden eine erste Zinssenkung erst gegen Ende 2024 erwarten. (28.07.2023/alc/a/a)


