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EZB: Sommer-Pause bei den Zinsen?
21.07.25 10:30
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat bereits in der letzten Sitzung im Juni klar eine Zinspause signalisiert. Dieser Eindruck hat sich seitdem verstärkt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Viele Mitglieder des EZB-Rats, die öffentlich zur Geldpolitik der Eurozone Stellung genommen hätten, würden in ihren Aussagen darauf hindeuten, dass sie bei der bevorstehenden EZB-Ratssitzung am 24. Juli eine Zinspause befürworten würden: Die Analyse der aktuellen Äußerungen der Ratsmitglieder lege nahe, dass etwa 79% eine Pause unterstützen könnten. "Wir sind in einer guten Position" - diese Einschätzung von Lagarde, die sie bei der Pressekonferenz der Juni-Sitzung getroffen habe, sei von zahlreichen Ratsmitgliedern in ihren aktuellen Reden aufgegriffen worden.
Derzeit würden die Leitzinsen 2,00% (Einlagensatz) und 2,15% (Hauptrefinanzierungssatz) betrageb. Es werde davon ausgegangen, dass die EZB die Zinsen bis zum Jahresende insgesamt zweimal um jeweils 25 Basispunkte senken werde, was den Einlagensatz auf 1,50% bringen dürfte.
Die Entscheidung für eine Zinspause im Juli dürfte auf mehreren Faktoren beruhen: Erstens liege die Eurozonen-Inflation mit 2 % genau auf dem Zielniveau der EZB und zeige sich zuletzt stabil. Zwar würden die Juni-Projektionen der EZB-Experten kurzfristig eine Unterschreitung des Inflationsziels in 2025 prognostizieren, mittelfristig werde jedoch weiterhin mit einer Rückkehr zum Zielwert gerechnet. Zweitens würden die bisherigen Zinssenkungen noch nachwirken, was für eine abwartende Haltung spreche. Drittens würden geopolitische Risiken - etwa durch mögliche US-Strafzölle und Gegenzölle - spürbar zunehmen. Schließlich möchte der EZB-Rat vermutlich die neuen Projektionen im September abwarten, bevor über weitere Schritte entschieden werde. Diese Argumente würden die Erwartung stützen, dass der EZB-Rat im Juli eine Pause einlegen werde.
Einige Ratsmitglieder, die dem Taubenlager des Rats zuzuordnen seien, hätten sich dennoch implizit für eine weitere Zinssenkung im Juli ausgesprochen. Zu diesen Personen würden François Villeroy de Galhau (Frankreich), Olli Rehn (Finnland) und Mário Centeno (Portugal) zählen. Villeroy habe gewarnt, dass eine anhaltende Aufwertung des Euro die Inflation über mehrere Jahre hinweg um 0,2 Prozentpunkte jährlich senken könnte. Dies erhöhe das Risiko einer Zielverfehlung nach unten - ein Risiko, das geldpolitisch berücksichtigt werden müsse.
Auch Rehn zeige sich besorgt über eine langanhaltende Unterschreitung des 2%-Inflationsziels sowie einer möglichen Verfestigung zu niedriger Inflationserwartungen. Centeno betone, dass bei anhaltend schwacher Konjunktur geldpolitisches Handeln erforderlich sei. Zwar sei das aktuelle Zinsniveau mit 2% weiterhin restriktiv, doch ohne wirtschaftliche Erholung könne selbst dieses Niveau zu restriktiv bleiben.
Grundsätzlich gegen weitere Zinssenkungen in diesem Jahr hätten Isabel Schnabel (Direktorium), Robert Holzmann (Österreich) und Madis Müller (Estland) plädiert. Schnabel betone in ihren Aussagen, dass die Disinflation wie erwartet voranschreite, die Inflationserwartungen gut verankert seien und die Kerninflation über den gesamten Projektionszeitraum hinweg im Zielbereich liege. Die jüngste Euro-Aufwertung werde ihrer Einschätzung nach überschätzt, da der Durchschlag auf die Preise begrenzt sei. Zudem argumentiere sie, dass sich die Konjunktur widerstandsfähig zeige: Frühindikatoren wie die HCOB PMIs würden auf eine anhaltende Erholung hindeuten und auch fiskalische Impulse dürften das Wachstum zusätzlich stützen. Vor diesem Hintergrund sei die "Hürde für weitere Zinssenkungen sehr hoch".
Auch Holzmann sehe derzeit keinen Anlass für weitere Zinssenkungen - weder im Juli noch im weiteren Jahresverlauf. Seiner Einschätzung nach befinde sich die Geldpolitik bereits im expansiven Bereich. Müller plädiere ebenfalls für eine abwartende Haltung. Zwar sei es zu früh, um über den Herbst zu urteilen, doch angesichts der aktuellen Lage erscheine es nicht sinnvoll, die Zinsen im laufenden Zyklus signifikant weiter zu senken - es sei, die Konjunktur entwickle sich deutlich schwächer als erwartet.
Die ablehnende Haltung gegenüber weiteren Zinssenkungen bleibe im EZB-Rat bislang eine Mindermeinung. Zwar würden sich Schnabel, Holzmann und Müller klar gegen zusätzliche Lockerungsschritte im laufenden Jahr aussprechen, doch die Mehrheit der Ratsmitglieder habe zumindest eine weitere Senkung nicht kategorisch ausgeschlossen. Zudem würden sich die Anzeichen mehren , dass sich der Rat insgesamt weniger restriktiv positioniere. Selbst traditionell eher "hawkishe" Stimmen wie Pierre Wunsch (Belgien) oder Mārtiņš Kazāks (Lettland) hätten zuletzt betont, dass bei einer deutlichen Eintrübung der Konjunktur im Jahresverlauf auch eine expansivere Ausrichtung der Geldpolitik in Betracht gezogen werden könnte. Dies deute darauf hin, dass die Schwelle für weitere Zinsschritte nach unten nicht unüberwindbar sei.
Dieses Mal stammt das Lieblingszitat der Analysten der Hamburg Commercial Bank vom maltesischen Notenbankvertreter Alexander Demarco: "[Leaving the key deposit facility rate at 2 percent will] hold the powder a bit dry. […] Because of the high uncertainty you can always have some unexpected shock cropping up." (Ausgabe vom 18.07.2025) (21.07.2025/alc/a/a)
Viele Mitglieder des EZB-Rats, die öffentlich zur Geldpolitik der Eurozone Stellung genommen hätten, würden in ihren Aussagen darauf hindeuten, dass sie bei der bevorstehenden EZB-Ratssitzung am 24. Juli eine Zinspause befürworten würden: Die Analyse der aktuellen Äußerungen der Ratsmitglieder lege nahe, dass etwa 79% eine Pause unterstützen könnten. "Wir sind in einer guten Position" - diese Einschätzung von Lagarde, die sie bei der Pressekonferenz der Juni-Sitzung getroffen habe, sei von zahlreichen Ratsmitgliedern in ihren aktuellen Reden aufgegriffen worden.
Derzeit würden die Leitzinsen 2,00% (Einlagensatz) und 2,15% (Hauptrefinanzierungssatz) betrageb. Es werde davon ausgegangen, dass die EZB die Zinsen bis zum Jahresende insgesamt zweimal um jeweils 25 Basispunkte senken werde, was den Einlagensatz auf 1,50% bringen dürfte.
Die Entscheidung für eine Zinspause im Juli dürfte auf mehreren Faktoren beruhen: Erstens liege die Eurozonen-Inflation mit 2 % genau auf dem Zielniveau der EZB und zeige sich zuletzt stabil. Zwar würden die Juni-Projektionen der EZB-Experten kurzfristig eine Unterschreitung des Inflationsziels in 2025 prognostizieren, mittelfristig werde jedoch weiterhin mit einer Rückkehr zum Zielwert gerechnet. Zweitens würden die bisherigen Zinssenkungen noch nachwirken, was für eine abwartende Haltung spreche. Drittens würden geopolitische Risiken - etwa durch mögliche US-Strafzölle und Gegenzölle - spürbar zunehmen. Schließlich möchte der EZB-Rat vermutlich die neuen Projektionen im September abwarten, bevor über weitere Schritte entschieden werde. Diese Argumente würden die Erwartung stützen, dass der EZB-Rat im Juli eine Pause einlegen werde.
Auch Rehn zeige sich besorgt über eine langanhaltende Unterschreitung des 2%-Inflationsziels sowie einer möglichen Verfestigung zu niedriger Inflationserwartungen. Centeno betone, dass bei anhaltend schwacher Konjunktur geldpolitisches Handeln erforderlich sei. Zwar sei das aktuelle Zinsniveau mit 2% weiterhin restriktiv, doch ohne wirtschaftliche Erholung könne selbst dieses Niveau zu restriktiv bleiben.
Grundsätzlich gegen weitere Zinssenkungen in diesem Jahr hätten Isabel Schnabel (Direktorium), Robert Holzmann (Österreich) und Madis Müller (Estland) plädiert. Schnabel betone in ihren Aussagen, dass die Disinflation wie erwartet voranschreite, die Inflationserwartungen gut verankert seien und die Kerninflation über den gesamten Projektionszeitraum hinweg im Zielbereich liege. Die jüngste Euro-Aufwertung werde ihrer Einschätzung nach überschätzt, da der Durchschlag auf die Preise begrenzt sei. Zudem argumentiere sie, dass sich die Konjunktur widerstandsfähig zeige: Frühindikatoren wie die HCOB PMIs würden auf eine anhaltende Erholung hindeuten und auch fiskalische Impulse dürften das Wachstum zusätzlich stützen. Vor diesem Hintergrund sei die "Hürde für weitere Zinssenkungen sehr hoch".
Auch Holzmann sehe derzeit keinen Anlass für weitere Zinssenkungen - weder im Juli noch im weiteren Jahresverlauf. Seiner Einschätzung nach befinde sich die Geldpolitik bereits im expansiven Bereich. Müller plädiere ebenfalls für eine abwartende Haltung. Zwar sei es zu früh, um über den Herbst zu urteilen, doch angesichts der aktuellen Lage erscheine es nicht sinnvoll, die Zinsen im laufenden Zyklus signifikant weiter zu senken - es sei, die Konjunktur entwickle sich deutlich schwächer als erwartet.
Die ablehnende Haltung gegenüber weiteren Zinssenkungen bleibe im EZB-Rat bislang eine Mindermeinung. Zwar würden sich Schnabel, Holzmann und Müller klar gegen zusätzliche Lockerungsschritte im laufenden Jahr aussprechen, doch die Mehrheit der Ratsmitglieder habe zumindest eine weitere Senkung nicht kategorisch ausgeschlossen. Zudem würden sich die Anzeichen mehren , dass sich der Rat insgesamt weniger restriktiv positioniere. Selbst traditionell eher "hawkishe" Stimmen wie Pierre Wunsch (Belgien) oder Mārtiņš Kazāks (Lettland) hätten zuletzt betont, dass bei einer deutlichen Eintrübung der Konjunktur im Jahresverlauf auch eine expansivere Ausrichtung der Geldpolitik in Betracht gezogen werden könnte. Dies deute darauf hin, dass die Schwelle für weitere Zinsschritte nach unten nicht unüberwindbar sei.
Dieses Mal stammt das Lieblingszitat der Analysten der Hamburg Commercial Bank vom maltesischen Notenbankvertreter Alexander Demarco: "[Leaving the key deposit facility rate at 2 percent will] hold the powder a bit dry. […] Because of the high uncertainty you can always have some unexpected shock cropping up." (Ausgabe vom 18.07.2025) (21.07.2025/alc/a/a)


