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EZB-Sitzung steht an - was ist zu erwarten?


14.12.22 16:00
nordIX AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Jens Franck, Leiter Portfoliomanagement bei dem Hamburger Fixed Income-Spezialisten nordIX AG, kommentiert die anstehende Sitzung der Europäischen Zentralbank am 15.12.2022.

Der Schwerpunkt der letzten EZB-Sitzung des Jahres werde auf einer klarer einzuordnenden Zinspolitik liegen. Franck erwarte einen geldpolitischen Zinsschritt von 50 Basispunkten. Somit würde dann Ende 2022 die Einlagenfazilität (deposit rate) bei 2,00% und der Satz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte (main refi rate) bei 2,50% liegen. Im nächsten Jahr dürfte die EZB bei der ersten Sitzung im Februar 2023 aus heutiger Sicht die Zinsschraube noch weiter anziehen, und zwar um weitere 50 Basispunkte.

Die kommende Sitzung werde nach Einschätzung von Franck von einem unverändert hawkishen Grundton bestimmt sein, mit gesamtwirtschaftlichen Projektionen, die die Inflationserwartungen nach oben revidieren und die Wachstumsaussichten senken würden. Hinsichtlich der EZB-Bilanz werde es erste grundlegende Aussagen zum zukünftigen Abbau der im Rahmen des Asset Purchase Programme (APP) erworbenen Wertpapierbestände geben. Grundsätzlich gelte, dass ein quantitativer Bilanzabbau erst nach einer Normalisierung der Leitzinsen stattfinden könne. Daher erwarte Franck weitergehende Aussagen, wie ein Abbau durch reduzierte Reinvestitionen von APP-Fälligkeiten ohne Kapitalmarktverwerfungen in einem Umfeld steigender Notenbankzinsen beiden Zielfunktionen gerecht werdend, umsetzbar sei. Gleichwohl würden Konkretisierungen u.a. im Hinblick auf den Starttermin erst auf der Februar-Sitzung erwartet.

In der Summe werde die letzte Sitzung des Jahres 2022 trotz eines fast schon unspektakulären 50 BP-Zinsschritts sehr aufschlussreich und wegweisend für die Kapitalmärkte sein. (14.12.2022/alc/a/a)