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EZB-Sitzung: Das historische Zeichen ist leider ausgeblieben
13.03.20 09:45
St.Galler Kantonalbank Dtld.
München (www.anleihencheck.de) - In den vergangenen Tagen ist von vielen Marktexperten immer wieder gerätselt worden, ob und mit welchen Maßnahmen die EZB auf die Verwerfungen durch das Coronavirus reagieren wird, so Michael Winkler, Leiter Anlagestrategie bei der St.Galler Kantonalbank Deutschland AG.
Das inzwischen erreichte Kursniveau in den weltweiten Aktien-Leitindices preise eine Rezession ein. Zu Recht! Denn eine solche Rezession werde 2020 tatsächlich stattfinden. Wir befinden uns durch die Gleichzeitigkeit von Angebots- und Nachfrageschock in einer historischen Sondersituation, so die Analysten der St.Galler Kantonalbank Deutschland. Und extrem ungewöhnliche Herausforderungen wie die aktuelle sollten eigentlich dazu führen, unkonventionelle Maßnahmen zumindest anzudenken.
Der Kauf von Aktien im großen Stil durch die EZB wäre eine solche Maßnahme gewesen. Dies wäre ein wichtiges psychologisches Signal zur Beruhigung der Märkte gewesen, um die panikartigen Verkäufe zu beenden. Außerdem wären die nicht fundamental begründeten zusätzlichen Treiber für Kursrückgänge wie zum Beispiel Trendfolgesysteme als Faktor neutralisiert worden. Es sei schon richtig: Bisher habe es im Wesentlichen weltweit nur zwei weitere Notenbanken gegeben, die Aktien im großen Stil gekauft hätten: Die Schweizer Nationalbank und die Bank of Japan. Und es habe bislang durchaus sehr gute Gründe für die EZB gegeben, diesem Beispiel nicht zu folgen. Die aktuelle Lage verändere aber die Rahmenbedingungen fundamental. Leider sei die Diskussion über Aktienkäufe jedoch offenbar auch diesmal im EZB-Rat noch nicht einmal geführt worden. Gerade angesichts des neuerlichen Kursrutsches zu Beginn des gestrigen Tages wäre ein solches starkes Signal sehr wünschenswert und ein historisches Zeichen gewesen.
Die stattdessen gestern von der EZB getroffenen Entscheidungen seien zwar fundamental berechtigt, angesichts der akut grassierenden Panik an den Aktienmärkten aber eher enttäuschend. Denn kurzfristig würden weder die Erweiterung der Anleihekäufe noch das aufgestockte Kreditprogramm für Banken zu einer Beruhigung beitragen. Die wäre jetzt aber das Gebot der Stunde gewesen!
Davon abgesehen sei die Versorgung der Märkte, Banken und Unternehmen mit Liquidität natürlich elementar. Und diese Aufgabe könne die EZB in der Tat nicht alleine schultern. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten seien selbst gefragt, mit Konjunkturpaketen und Konjunkturhilfen ihre Volkswirtschaften zu stützen.
Keine Frage: Die Reaktion an den Aktienmärkten auf das Coronavirus sei heftiger ausgefallen als erwartet. Dazu würden nicht unerheblich politische Entscheidungen wie der jetzt von US-Präsident Trump verhängte Einreisestopp beitragen. Das Coronavirus werde die Kapitalmärkte, Unternehmen und Staaten noch das gesamte Jahr über beschäftigen. Seine Bedeutung werde aber im weiteren Jahresverlauf abnehmen. Es wäre wichtig gewesen, wenn die EZB heute ein klares Zeichen zur Beruhigung gegen die Ausverkaufsstimmung an den Aktienmärkten gesetzt hätte. Das sei leider ausgeblieben. Anleger sollten sich dennoch von der grassierenden Panik nicht anstecken lassen, sondern die Krise je nach ihrer persönlichen Positionierung durchaus auch als Chance begreifen. Mit Discounterstrategien könne zum Beispiel die historisch hohe Volatilität kostengünstig zum Aufbau von Positionen genutzt werden. Und auch bestimmte Wertpapiere würden wieder erste Einstiegsmöglichkeiten bieten. (Ausgabe vom 12.03.2020) (13.03.2020/alc/a/a)
Das inzwischen erreichte Kursniveau in den weltweiten Aktien-Leitindices preise eine Rezession ein. Zu Recht! Denn eine solche Rezession werde 2020 tatsächlich stattfinden. Wir befinden uns durch die Gleichzeitigkeit von Angebots- und Nachfrageschock in einer historischen Sondersituation, so die Analysten der St.Galler Kantonalbank Deutschland. Und extrem ungewöhnliche Herausforderungen wie die aktuelle sollten eigentlich dazu führen, unkonventionelle Maßnahmen zumindest anzudenken.
Die stattdessen gestern von der EZB getroffenen Entscheidungen seien zwar fundamental berechtigt, angesichts der akut grassierenden Panik an den Aktienmärkten aber eher enttäuschend. Denn kurzfristig würden weder die Erweiterung der Anleihekäufe noch das aufgestockte Kreditprogramm für Banken zu einer Beruhigung beitragen. Die wäre jetzt aber das Gebot der Stunde gewesen!
Davon abgesehen sei die Versorgung der Märkte, Banken und Unternehmen mit Liquidität natürlich elementar. Und diese Aufgabe könne die EZB in der Tat nicht alleine schultern. Die EU und ihre Mitgliedsstaaten seien selbst gefragt, mit Konjunkturpaketen und Konjunkturhilfen ihre Volkswirtschaften zu stützen.
Keine Frage: Die Reaktion an den Aktienmärkten auf das Coronavirus sei heftiger ausgefallen als erwartet. Dazu würden nicht unerheblich politische Entscheidungen wie der jetzt von US-Präsident Trump verhängte Einreisestopp beitragen. Das Coronavirus werde die Kapitalmärkte, Unternehmen und Staaten noch das gesamte Jahr über beschäftigen. Seine Bedeutung werde aber im weiteren Jahresverlauf abnehmen. Es wäre wichtig gewesen, wenn die EZB heute ein klares Zeichen zur Beruhigung gegen die Ausverkaufsstimmung an den Aktienmärkten gesetzt hätte. Das sei leider ausgeblieben. Anleger sollten sich dennoch von der grassierenden Panik nicht anstecken lassen, sondern die Krise je nach ihrer persönlichen Positionierung durchaus auch als Chance begreifen. Mit Discounterstrategien könne zum Beispiel die historisch hohe Volatilität kostengünstig zum Aufbau von Positionen genutzt werden. Und auch bestimmte Wertpapiere würden wieder erste Einstiegsmöglichkeiten bieten. (Ausgabe vom 12.03.2020) (13.03.2020/alc/a/a)


