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EZB-Sitzung am 11. September: Zinspause wahrscheinlich - Frankreich im Blickpunkt


10.09.25 10:25
Berenberg

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte auf ihrer Sitzung am 11. September an ihrem geldpolitischen Kurs festhalten; welche Faktoren für eine Fortsetzung der aktuellen Linie sprechen und weshalb die politische Lage in Frankreich auch bei der anstehenden EZB-Sitzung für Spannung sorgen wird, erläutert Dr. Felix Schmidt, Senior Economist bei Berenberg, in seinem aktuellen Kommentar.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) gebe es derzeit keinen Grund, ihre Geldpolitik zu ändern. Die Wirtschaft der Eurozone habe sich in diesem Jahr bislang widerstandsfähiger erwiesen als erwartet. Die Unsicherheit in der Handelspolitik habe etwas abgenommen und die Inflation bewege sich um das Ziel der Zentralbank von 2 Prozent. Die morgige Sitzung dürfte aus dieser Sicht zu den langweiligeren Notenbankreffen zählen. Es werde allgemein erwartet, dass die EZB den Einlagesatz bei 2,0 Prozent belasse. Spannend werde es jedoch, wenn es um Frankreich und die dortigen politischen Turbulenzen gehe. Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde werde sich auf der Pressekonferenz hierzu den Fragen der Journalisten stellen müssen. Sie werde wie immer darauf verweisen, dass sie zu politischen Themen keine Stellung nehme. Gleichzeitig müsse sie einen Drahtseilakt meistern: Sie dürfe Frankreich keinen impliziten Freifahrtschein vonseiten der EZB ausstellen, aber sie dürfe auch keine zu harte Linie vertreten, um die Märkte nicht zusätzlich zu beunruhigen.

Frankreich befinde sich in einer politischen Pattsituation und schaffe es nicht, die ausufernde Staatsverschuldung unter Kontrolle zu bringen. Sollten die Märkte das Vertrauen in die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone verlieren und die Renditen von französischen Staatsanleihen weiter steigen, sei es fraglich, ob die EZB mit ihrem Transmission Protection Instrument (TPI) direkt zur Rettung eilen werde. Denn das Programm diene dazu, Länder zu schützen, die ungerechtfertigten Marktangriffen ausgesetzt seien, und nicht solche, die schlechte finanzpolitische Entscheidungen treffen würden. Das TPI könne im Normalfall nur für Länder aktiviert werden, die die europäischen Fiskalregeln einhalten oder vorgeschriebene Anpassungspfade verfolgen würden. Frankreich erfülle diese Bedingungen derzeit nicht. Das TPI wäre demnach besser dazu geeignet, eine übermäßige Ansteckung durch die steigenden französischen Renditen auf andere Länder zu verhindern, als Frankreich zu retten. Bevor die EZB Frankreich unter die Arme greifen könne, müsste zumindest eine ernsthafte Absicht erkennbar sein, dass die Grande Nation versuche, ihre finanzielle Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. (10.09.2025/alc/a/a)