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EZB-Sitzung: Warum nicht Einlagensatz in Richtung -0,75% senken?
10.12.20 10:45
Degroof Petercam
Brüssel (www.anleihencheck.de) - Der Konsens für die heutige EZB-Sitzung besteht darin, dass Präsidentin Lagarde neben einer Lockerung der TLTRO-Finanzierungsbedingungen eine Ausweitung des Anleihenkaufprogramms PEPP in Bezug auf Zeit und Umfang ankündigen wird, so die Experten von Degroof Petercam Asset Management (DPAM).
Der Marktkonsens fordere keine Änderung der offiziellen Leitzinsen. Und ein Einlagenzinssatz von -50 Basispunkten sollte immer noch fair sein. Aber sei er das auch wirklich? Peter De Coensel, Chef-Anleihenstratege bei DPAM, bestreite dies. Der Hauptgrund liege in einer übermäßigen Aufwertung des nominalen effektiven Wechselkurses (Nominal Effective Exchange Rate/NEER).
Am vergangenen Freitag habe der von der EZB berechnete monatliche NEER-Wert bei 122,92 geschlossen. Dieser Kurs basiere auf gewichteten Mittelwerten der bilateralen Euro-Wechselkurse von 41 wichtigen Handelspartnern des Euroraums. Mit 122,92 sind wir weniger als 1% vom höchsten Stand entfernt, der im Dezember 2008, seit der Einführung des Euro am 1. Januar 1999, erreicht wurde, so die Experten von DPAM. Die Bloomberg-Daten zu diesem nach Handelsströmen gewichteten Euro-Währungs-Index (TWI) würden bis ins Jahr 1993 zurückreichen. Auch in diesem Zeitraum nähern wir uns dem höchsten Stand aller Zeiten, so die Experten von DPAM. Laut EZB-Präsidentin Lagarde werde der Euro-Wechselkurs aktuell analysiert und als einer der Kanäle zur Messung der Wirksamkeit ihrer Politik betrachtet. Nun, vielleicht sei es an der Zeit, zu den primären bzw. standardpolitischen Instrumenten zurückzukehren und weniger Gewicht auf sekundäre oder unkonventionelle Instrumente zu legen.
Zugegeben, beides sei wesentlich, um alle Kanäle, über die die Geldpolitik ihre Ziele erreiche, offen und liquide zu halten. Die Wettbewerbsfähigkeit des Euro-Raums bekomme jedoch Risse. Mit -0,50% habe die Fazilität des Einlagenzinses noch nicht das Niveau erreicht, das die finanziellen Bedingungen verschärfen und das mögliche Wachstum verringern würde. Warum sollte man sich nicht der Herausforderung stellen und, wie andere Zentralbanken es getan hätten, den Einlagensatz in Richtung -0,75% senken? Die Signalfunktion wäre laut und deutlich. Der Euro-Währungs-Index TWI würde sich anpassen und gleichzeitig das Gleichgewicht zwischen dem standardmäßigen und dem nicht-standardmäßigen Einsatz der politischen Instrumente der EZB wiederherstellen.
Betrachte man jedoch den von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gemessenen realen effektiven Wechselkurs (REER) des Euro-Raums, so sei die Situation weniger dramatisch. Der REER sei der gewichtete Durchschnitt des NEER, bereinigt um das Verhältnis des inländischen zum ausländischen Verbraucherpreisindex. Der EUR REER schwanke um seinen 20-jährigen langfristigen Durchschnitt. Wenn also die Situation unter dem REER-Himmel nicht kritisch sei, verheiße es nichts Gutes, wenn die EZB die europäischen Verbraucherpreise nicht in Richtung ihres 2%-Ziels anzuheben vermöge. Wenn es den USA und anderen Ländern gelingt, das Inflationsniveau anzuheben, wird sich dies noch mehr zum Nachteil unserer EUR-Währung auswirken, die weiterhin auf ihrem Aufwertungspfad bleiben wird, so die Experten von DPAM. Dies sei eine weitere japanisch anmutende Entwicklung, die sich entfalte! Zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte der Europäischen Währungsunion sollte unsere Währung nicht zu einem Instrument der Flucht in die Sicherheit werden, so die Experten von DPAM. Das Tandem aus Ursula von der Leyen und Christine Lagarde sollte einen höheren Gang einlegen. (10.12.2020/alc/a/a)
Der Marktkonsens fordere keine Änderung der offiziellen Leitzinsen. Und ein Einlagenzinssatz von -50 Basispunkten sollte immer noch fair sein. Aber sei er das auch wirklich? Peter De Coensel, Chef-Anleihenstratege bei DPAM, bestreite dies. Der Hauptgrund liege in einer übermäßigen Aufwertung des nominalen effektiven Wechselkurses (Nominal Effective Exchange Rate/NEER).
Zugegeben, beides sei wesentlich, um alle Kanäle, über die die Geldpolitik ihre Ziele erreiche, offen und liquide zu halten. Die Wettbewerbsfähigkeit des Euro-Raums bekomme jedoch Risse. Mit -0,50% habe die Fazilität des Einlagenzinses noch nicht das Niveau erreicht, das die finanziellen Bedingungen verschärfen und das mögliche Wachstum verringern würde. Warum sollte man sich nicht der Herausforderung stellen und, wie andere Zentralbanken es getan hätten, den Einlagensatz in Richtung -0,75% senken? Die Signalfunktion wäre laut und deutlich. Der Euro-Währungs-Index TWI würde sich anpassen und gleichzeitig das Gleichgewicht zwischen dem standardmäßigen und dem nicht-standardmäßigen Einsatz der politischen Instrumente der EZB wiederherstellen.
Betrachte man jedoch den von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gemessenen realen effektiven Wechselkurs (REER) des Euro-Raums, so sei die Situation weniger dramatisch. Der REER sei der gewichtete Durchschnitt des NEER, bereinigt um das Verhältnis des inländischen zum ausländischen Verbraucherpreisindex. Der EUR REER schwanke um seinen 20-jährigen langfristigen Durchschnitt. Wenn also die Situation unter dem REER-Himmel nicht kritisch sei, verheiße es nichts Gutes, wenn die EZB die europäischen Verbraucherpreise nicht in Richtung ihres 2%-Ziels anzuheben vermöge. Wenn es den USA und anderen Ländern gelingt, das Inflationsniveau anzuheben, wird sich dies noch mehr zum Nachteil unserer EUR-Währung auswirken, die weiterhin auf ihrem Aufwertungspfad bleiben wird, so die Experten von DPAM. Dies sei eine weitere japanisch anmutende Entwicklung, die sich entfalte! Zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte der Europäischen Währungsunion sollte unsere Währung nicht zu einem Instrument der Flucht in die Sicherheit werden, so die Experten von DPAM. Das Tandem aus Ursula von der Leyen und Christine Lagarde sollte einen höheren Gang einlegen. (10.12.2020/alc/a/a)


