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EZB-Sitzung: Keine Kursabweichung zu erwarten


09.04.24 13:37
Carmignac Gestion

Luxemburg (www.anleihencheck.de) - Die EZB-Sitzung im April wird sicherlich eine der schnellsten in der Geschichte sein, so Kevin Thozet, Mitglied des Investment-Komitees bei Carmignac.

EZB-Chefin Christine Lagarde habe sich im März ganz klar geäußert: Man könne mit einer Zinssenkung im Juni und zwei bis drei weiteren im Laufe des Jahres 2024 rechnen. Da seit der letzten EZB-Ratssitzung nur fünf Wochen vergangen seien und es somit nur wenige zusätzliche Statistiken zu berücksichtigen gebe, sei es schwer vorstellbar, dass eine datengetriebene Notenbank nun von ihrem Kurs abweiche.

Die jüngste Veröffentlichung der Inflationsrate habe zwar mit einem Wert überrascht, der 10 Basispunkte unter den Erwartungen gelegen habe, habe aber voll und ganz den Prognosen der Europäischen Zentralbank (EZB) entsprochen. Das Szenario der EZB entwickele sich also vorerst wie erwartet. Angesichts der Fortschritte an der Inflationsfront, die die Prognosen des EZB-Stabs stützen würden, dürfte die Diskussion in dieser Woche die Argumente für eine Zinssenkung im Juni untermauern, sofern die Daten weiterhin damit im Einklang stünden.

Bis Ende Mai würden mehrere wichtige Daten veröffentlicht: Dazu würden die Unternehmensgewinne, die mit Spannung erwarteten Tarifabschlüsse und detaillierte BIP-Daten für das erste Quartal (insbesondere Produktivität, Gewinne und Lohnstückkosten) gehören. Da sich die Anzeichen für einen Aufschwung im Verarbeitenden Gewerbe mehren würden, seien die Abwärtsrisiken gering, sodass die Botschaft der EZB lauten dürfte: "Weiter so, es gibt hier nichts zu sehen."

Das Szenario für die EZB in diesem Jahr sei eine Zinssenkung im Juni, mit einer möglichen "Pause" im Juli. Die Datenabhängigkeit bedeute, dass der EZB-Rat ein Aufwärtsrisiko für die Inflation einkalkulieren dürfte, da die Kerninflation im Dienstleistungssektor weiterhin bei 4 Prozent liege, die Rohstoffpreise nach oben tendieren würden und die geopolitischen Risiken hoch bleiben würden. Nach dem Sommer sei vieles möglich, aber die drei bis vier Zinssenkungen, die die Frankfurter Institution angekündigt habe, würden bedeuten, dass ab September eine Zinssenkung nach der anderen folgen dürfte.

Dieses Umfeld sei für die europäischen Kreditmärkte günstig. Die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft bedeute, dass die Ausfallraten begrenzt bleiben dürften, während die Disinflation (oder die Eindämmung der zyklischen Inflation) eine akkommodierende Geldpolitik ermögliche. Die Experten würden kurze bis mittlere Laufzeiten bevorzugen. Niedrigere Leitzinsen wären gleichbedeutend mit Reflation und damit höheren langfristigen Anleiherenditen, wenn die Renditekurve steiler werde, was bessere Wachstumsaussichten für die Zukunft widerspiegele. (09.04.2024/alc/a/a)