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EZB im Pausenmodus
11.12.23 10:15
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Am 14. Dezember wird die EZB bei ihrer letzten Sitzung in diesem Jahr die Leitzinsen voraussichtlich unverändert lassen, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG.
Dies werde nahezu einheitlich von den Ratsmitgliedern signalisiert. Gute vier Fünftel der EZB-Mitglieder hätten sich seit der letzten Ratssitzung mehr oder weniger dezidiert dafür ausgesprochen, die Zinsen konstant zu lassen. Dies ist das Ergebnis unserer systematischen Auswertung der entsprechenden Reden und Interviews, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Die Analysten würden die EZB-Mitglieder hinsichtlich ihrer Ausrichtung nach "Tauben" (gewisse Toleranz beim Verfehlen des Inflationsziels) und "Falken" (kaum Toleranz beim Verfehlen des Inflationsziels) einteilen.
Die Rhetorik der EZB deute daraufhin, dass die "Terminal Rates" erreicht seien. Der Einlagefazilitätssatz liege derzeit bei 4,00%, während der Hauptfinanzierungssatz 4,50% betrage. Die Analysten würden eine erste Zinssenkung im Juni 2024 und eine zweite im September erwarten.
Die überraschend deutlich gefallene Inflation im November 2023 dürfte dazu beigetragen haben, die Sorgen der EZB zu zerstreuen: Sowohl die Gesamtinflationsrate (2,4%) als auch die Kernrate (3,6%, ohne Energie und Lebensmittel) sei kräftig gefallen. Und auch wenn die Gesamtinflation im Dezember vermutlich wieder auf über 3% steigen werde, scheine die EZB ihrem mittelfristigen Inflationsziel von 2% schon ein deutliches Stück nähergekommen zu sein.
Dennoch würden die Zentralbanker die Inflationszahlen aufmerksam betrachten und weiterhin in einem datenabhängigen Entscheidungsmodus bleiben. Der "Autopilot" sei weiterhin ausgeschaltet. Insbesondere im Dienstleistungssektor bleibe der Inflationsdruck relativ hoch, wie etwa die Preisindices der HCOB PMIs für diesen Sektor dokumentieren würden. In diesem relativ arbeitskräfteintensiven Bereich schlage sich das kräftige Lohnwachstum besonders nieder. Auch geopolitische Risiken, wie der anhaltende Krieg in der Ukraine und dem Nahen Osten, würden zur Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Teuerungsrate beitragen.
Bemerkenswert sei, dass das "hawkish" eingestellte Direktoriumsmitglied Schnabel, das zuvor weitere Zinsanhebungen nicht ausgeschlossen habe, Anfang Dezember einen softeren Ton angeschlagen und kommentiert habe: "Die jüngsten Inflationszahlen haben eine weitere Zinserhöhung eher unwahrscheinlich gemacht."
Am 14. Dezember würden auch die die neuen Projektionen des EZB-Stabs bekannt gegeben. Die Analysten würden angesichts der überraschend niedrigen Teuerungsrate und der schwachen Konjunkturdaten eine Korrektur der Inflations- und Wirtschaftswachstumsprognosen nach unten erwarten.
Risiken: Falls die Auswirkung der restriktiven Geldpolitik jedoch stärker als erwartet ausfallen sollte und die Eurozone dadurch auf eine tiefere Rezession zusteuere, könnte dies die EZB aufgrund des nachlassenden Inflationsdrucks dazu veranlassen, Zinssenkungen früher einzuleiten. Umgekehrt würde ein Ölpreis- oder Lebensmittelpreisschock zu Diskussionen bei der EZB über eine Verschärfung der Geldpolitik führen.
Spekulationen über baldige Zinssenkungen seien von der EZB jüngst grundsätzlich dementiert worden, wohl mit der Absicht, den Enthusiasmus des Kapitalmarkts zu dämpfen, dass Senkungen eher früher als später kommen könnten. Der Konsens der Zentralbanker laute derzeit noch: "Es ist zu früh, um über Zinssenkungen überhaupt zu diskutieren."
Das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP), das noch mindestens bis Ende 2024 laufen solle, werde vermutlich noch kein Thema bei der Dezember-Ratssitzung sein. Obwohl EZB-Präsidentin Lagarde kürzlich die Beschleunigung der quantitativen Straffung der EZB als "Angelegenheit, die wahrscheinlich in nicht allzu ferner Zukunft im EZB-Rat diskutiert und erwogen werden wird", bezeichnet und darauf hingewiesen habe, dass der EZB-Rat den "Vorschlag (die Laufzeit des PEPP beizubehalten) möglicherweise erneut prüfen wird", könnte die Entscheidung dahingehend noch etwas auf sich warten lassen und auf eine spätere Sitzung vertagt werden.
Die Meinungen zum PEPP seien bisher zweigeteilt: Grob lasse sich sagen, dass das Lager der "Falken" zu einer Laufzeitverkürzung neige, während das Lager der "Tauben" es nicht vorzeitig beenden möchte. Die Analysten würden damit rechnen, dass die EZB im Frühjahr einen vorzeitigen Ausstieg aus dem PEPP ankündigen werde und im dritten Quartal 2024 damit beginnen dürfte, die Reinvestitionen in dieses Programm schrittweise herunterzufahren.
Das Lieblingszitat der Analysten (François Villeroy de Galhau, französischer Notenbankchef): "Well, in a mountainous environment, there aren't just peaks and descents: there are also plateaus, where you can experience the effects of altitude and appreciate the view. That's what we'll probably be doing for at least the next several meetings and the next few quarters." (Ausgabe vom 08.12.2023) (11.12.2023/alc/a/a)
Dies werde nahezu einheitlich von den Ratsmitgliedern signalisiert. Gute vier Fünftel der EZB-Mitglieder hätten sich seit der letzten Ratssitzung mehr oder weniger dezidiert dafür ausgesprochen, die Zinsen konstant zu lassen. Dies ist das Ergebnis unserer systematischen Auswertung der entsprechenden Reden und Interviews, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank AG. Die Analysten würden die EZB-Mitglieder hinsichtlich ihrer Ausrichtung nach "Tauben" (gewisse Toleranz beim Verfehlen des Inflationsziels) und "Falken" (kaum Toleranz beim Verfehlen des Inflationsziels) einteilen.
Die Rhetorik der EZB deute daraufhin, dass die "Terminal Rates" erreicht seien. Der Einlagefazilitätssatz liege derzeit bei 4,00%, während der Hauptfinanzierungssatz 4,50% betrage. Die Analysten würden eine erste Zinssenkung im Juni 2024 und eine zweite im September erwarten.
Die überraschend deutlich gefallene Inflation im November 2023 dürfte dazu beigetragen haben, die Sorgen der EZB zu zerstreuen: Sowohl die Gesamtinflationsrate (2,4%) als auch die Kernrate (3,6%, ohne Energie und Lebensmittel) sei kräftig gefallen. Und auch wenn die Gesamtinflation im Dezember vermutlich wieder auf über 3% steigen werde, scheine die EZB ihrem mittelfristigen Inflationsziel von 2% schon ein deutliches Stück nähergekommen zu sein.
Dennoch würden die Zentralbanker die Inflationszahlen aufmerksam betrachten und weiterhin in einem datenabhängigen Entscheidungsmodus bleiben. Der "Autopilot" sei weiterhin ausgeschaltet. Insbesondere im Dienstleistungssektor bleibe der Inflationsdruck relativ hoch, wie etwa die Preisindices der HCOB PMIs für diesen Sektor dokumentieren würden. In diesem relativ arbeitskräfteintensiven Bereich schlage sich das kräftige Lohnwachstum besonders nieder. Auch geopolitische Risiken, wie der anhaltende Krieg in der Ukraine und dem Nahen Osten, würden zur Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Teuerungsrate beitragen.
Am 14. Dezember würden auch die die neuen Projektionen des EZB-Stabs bekannt gegeben. Die Analysten würden angesichts der überraschend niedrigen Teuerungsrate und der schwachen Konjunkturdaten eine Korrektur der Inflations- und Wirtschaftswachstumsprognosen nach unten erwarten.
Risiken: Falls die Auswirkung der restriktiven Geldpolitik jedoch stärker als erwartet ausfallen sollte und die Eurozone dadurch auf eine tiefere Rezession zusteuere, könnte dies die EZB aufgrund des nachlassenden Inflationsdrucks dazu veranlassen, Zinssenkungen früher einzuleiten. Umgekehrt würde ein Ölpreis- oder Lebensmittelpreisschock zu Diskussionen bei der EZB über eine Verschärfung der Geldpolitik führen.
Spekulationen über baldige Zinssenkungen seien von der EZB jüngst grundsätzlich dementiert worden, wohl mit der Absicht, den Enthusiasmus des Kapitalmarkts zu dämpfen, dass Senkungen eher früher als später kommen könnten. Der Konsens der Zentralbanker laute derzeit noch: "Es ist zu früh, um über Zinssenkungen überhaupt zu diskutieren."
Das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP), das noch mindestens bis Ende 2024 laufen solle, werde vermutlich noch kein Thema bei der Dezember-Ratssitzung sein. Obwohl EZB-Präsidentin Lagarde kürzlich die Beschleunigung der quantitativen Straffung der EZB als "Angelegenheit, die wahrscheinlich in nicht allzu ferner Zukunft im EZB-Rat diskutiert und erwogen werden wird", bezeichnet und darauf hingewiesen habe, dass der EZB-Rat den "Vorschlag (die Laufzeit des PEPP beizubehalten) möglicherweise erneut prüfen wird", könnte die Entscheidung dahingehend noch etwas auf sich warten lassen und auf eine spätere Sitzung vertagt werden.
Die Meinungen zum PEPP seien bisher zweigeteilt: Grob lasse sich sagen, dass das Lager der "Falken" zu einer Laufzeitverkürzung neige, während das Lager der "Tauben" es nicht vorzeitig beenden möchte. Die Analysten würden damit rechnen, dass die EZB im Frühjahr einen vorzeitigen Ausstieg aus dem PEPP ankündigen werde und im dritten Quartal 2024 damit beginnen dürfte, die Reinvestitionen in dieses Programm schrittweise herunterzufahren.
Das Lieblingszitat der Analysten (François Villeroy de Galhau, französischer Notenbankchef): "Well, in a mountainous environment, there aren't just peaks and descents: there are also plateaus, where you can experience the effects of altitude and appreciate the view. That's what we'll probably be doing for at least the next several meetings and the next few quarters." (Ausgabe vom 08.12.2023) (11.12.2023/alc/a/a)


