Erweiterte Funktionen
EZB: Die Kontrolle über das Preisniveau verloren?
29.12.22 15:43
Der Aktionär
Kulmbach (www.anleihencheck.de) - Jeder erinnert sich an das Versprechen: Der Euro wird so hart wie die Mark, so Florian Söllner vom Anlegermagazin "Der Aktionär".
Selbst einige naive Ökonomen hätten dies bis zuletzt geglaubt und in Talkshows Inflationssorgen als Hirngespinste abgetan. Einer habe richtig gelegen: Prof. Hans-Werner Sinn habe jahrelang gewarnt - und twittere heute: "Deutschland befindet sich in einer großen Stagflation."
Die Inflation sei gewaltig. Die Deutsche Bank schreibe etwa: "Kräftige Kaufkraftverluste werden 2023 zu einem Rückgang des Verbrauchs führen." Da auch der Export und die Bauwirtschaft leide, sei die wirtschaftliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2023 und 2024 "begrenzt."
Doch könne die bisher vergleichsweise zögerliche EZB das Schreckgespenst Inflation vertreiben? Sinn habe unlängst in einem Vortrag der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina klargestellt: "Die EZB hat die Kontrolle über das Preisniveau verloren." Die Ausweitung der Geldmenge sei zu gewaltig gewesen und sei schwer rückgängig zu machen. Zitat: "Es ist wie eine Droge, es macht fürchterlich viel Spaß, wenn man sie nimmt, aber wenn man raus will, gibt es nur noch Kater und Verderben."
Die Staaten Südeuropa bräuchten die niedrigen Zinsen, um mit ihren hohen Schulden zurechtzukommen. Die Bankenwelt habe die Papiere dieser Staaten auch im Portfolio. Sinn: "Wehe, wenn die EZB den Rückwärtsgang einlegt." Würden die für 4.400 Milliarden Euro gekauften Papiere wiederverkauft, dann gingen die Kurse in den Keller und Banken hätten Abschreibungsverluste und wären "durch die Bank Pleite."
Man könne die Zinsen zwar am kurzen Ende hochtreiben, aber am langen Ende, bei Staatspapieren werde man es nicht schaffen. Die Inflationsbremse sei im Prinzip "zerstört".
Es sei mit den Euro, wie wenn man ein Auto mit kaputter Bremse fahre und das Gelände immer abschüssiger werde - und man nicht wisse, wie man es stabilisieren könne. Fazit des Experten: Fast alle Währungen in der Geschichte seien "kaputt gegangen."
Die schnelle Lösung der Inflation werde es zumindest in Europa nur schwer geben. Es drohe die große Stagflation. Zwar seien 2022 viele Aktienkurse gesunken, doch Investments in gute Gesellschaften, die die Inflation an ihre Kunden weitergeben würden, würden ein Teil der Lösung bleiben. Auf die EZB und den Euro zu vertrauen und das Geld unterm Kopfkissen zu verstecken, sei hingegen auch 2023 ein großes Risiko.
Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link. (29.12.2022/alc/a/a)
Selbst einige naive Ökonomen hätten dies bis zuletzt geglaubt und in Talkshows Inflationssorgen als Hirngespinste abgetan. Einer habe richtig gelegen: Prof. Hans-Werner Sinn habe jahrelang gewarnt - und twittere heute: "Deutschland befindet sich in einer großen Stagflation."
Die Inflation sei gewaltig. Die Deutsche Bank schreibe etwa: "Kräftige Kaufkraftverluste werden 2023 zu einem Rückgang des Verbrauchs führen." Da auch der Export und die Bauwirtschaft leide, sei die wirtschaftliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2023 und 2024 "begrenzt."
Doch könne die bisher vergleichsweise zögerliche EZB das Schreckgespenst Inflation vertreiben? Sinn habe unlängst in einem Vortrag der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina klargestellt: "Die EZB hat die Kontrolle über das Preisniveau verloren." Die Ausweitung der Geldmenge sei zu gewaltig gewesen und sei schwer rückgängig zu machen. Zitat: "Es ist wie eine Droge, es macht fürchterlich viel Spaß, wenn man sie nimmt, aber wenn man raus will, gibt es nur noch Kater und Verderben."
Man könne die Zinsen zwar am kurzen Ende hochtreiben, aber am langen Ende, bei Staatspapieren werde man es nicht schaffen. Die Inflationsbremse sei im Prinzip "zerstört".
Es sei mit den Euro, wie wenn man ein Auto mit kaputter Bremse fahre und das Gelände immer abschüssiger werde - und man nicht wisse, wie man es stabilisieren könne. Fazit des Experten: Fast alle Währungen in der Geschichte seien "kaputt gegangen."
Die schnelle Lösung der Inflation werde es zumindest in Europa nur schwer geben. Es drohe die große Stagflation. Zwar seien 2022 viele Aktienkurse gesunken, doch Investments in gute Gesellschaften, die die Inflation an ihre Kunden weitergeben würden, würden ein Teil der Lösung bleiben. Auf die EZB und den Euro zu vertrauen und das Geld unterm Kopfkissen zu verstecken, sei hingegen auch 2023 ein großes Risiko.
Bitte beachten Sie auch Informationen zur Offenlegungspflicht bei Interessenskonflikten im Sinne der Richtlinie 2014/57/EU und entsprechender Verordnungen der EU unter folgendem Link. (29.12.2022/alc/a/a)


