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EZB: Keine Eile


12.12.25 11:15
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Bei der bevorstehenden EZB-Sitzung am Donnerstag, den 18. Dezember, ist keine Änderung der Leitzinsen zu erwarten, so Dr. Cyrus de la Rubia und Nils Müller von der Hamburg Commercial Bank.

Der EZB-Rat zeiget sich geschlossen: 95% der stimmberechtigten Mitglieder hätten in ihren jüngsten Aussagen eine Beibehaltung des aktuellen Leitzinsniveaus als angemessen bezeichnet. Dies habe die Auswertung der entsprechenden Reden und Interviews ergeben.

Die Leitzinsen in der Eurozone lägen derzeit bei 2,00% (Einlagensatz) und 2,15% (Hauptrefinanzierungssatz). Dieses Niveau dürfte die EZB bis in die zweite Jahreshälfte 2026 beibehalten. Anschließend rechnen die Hamburg Commercial Bank mit zwei moderaten Leitzinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte, die sie Ende 2026 und Anfang 2027 verorte.

Auch die Erwartungshaltung der Finanzmärkte sei eine ähnliche: Der aus ESTR-Futures abgeleitete Forward-Pfad habe sich zuletzt nach oben verschoben, sodass statt mit einer unveränderten Zinspolitik nun mit einer Leitzinserhöhung um etwa 25 Basispunkte bis Ende 2027 gerechnet werde. Auslöser dieser Anpassung seien gestiegene Inflationserwartungen.

Die Zinsprognose der Hamburg Commercial Bank stütze sich ebenfalls auf einen erwarteten Inflationsanstieg in den Jahren 2026 und 2027. Treiber seien höhere fiskalischen Ausgaben, insbesondere bei Investitionen und Verteidigung in Deutschland, sowie strukturelle Faktoren wie die Fragmentierung des Welthandels, ein demografisch bedingter anhaltender Fachkräftemangel und steigende Klimaschutzkosten. Im Ergebnis erwarte die Hamburg Commercial Bank, dass sich die Inflation mittelfristig vom 2%-Ziel entferne und sich im Bereich von 2,5 bis 3% einpendeln werde.

Die Kommunikation der EZB-Ratsmitglieder sei weitestgehend unverändert geblieben und die Hamburg Commercial Bank erwarte, dass sich die Kernbotschaft in den kommenden Wochen und Monaten nicht grundlegend verändern werde. Nach wie vor laute der Tenor, dass die Inflation in den nächsten Quartalen nahe beim 2%-Ziel bleiben werde, dass die Risiken für die Inflation und das BIP-Wachstum ausgeglichen seien und dass das aktuelle Zinsniveau angemessen sei.

Die neuen makroökonomischen Projektionen der EZB-Experten, die im Rahmen der Dezember-Sitzung veröffentlicht würden, dürften die abwartende Haltung des EZB-Gremiums bestätigen. Die Hamburg Commercial Bank rechne mit leicht nach oben angepassten Projektionen, die weiterhin eine stabile Inflationsdynamik und ein verhaltenes Wirtschaftswachstum zeigen würden. EZB-Präsidentin Christine Lagarde und Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hätten bereits eine Anhebung der BIP-Prognose angedeutet.

Ebenso habe sich der Standpunkt einiger dovisher nationaler Zentralbankgouverneure kaum verändert: François Villeroy de Galhau (Frankreich), Olli Rehn (Finnland), Boris Vujčić (Kroatien) und Mārtiņš Kazāks (Lettland) würden die Inflationsrisiken weiterhin etwas nach unten gerichtet sehen. Als Gründe würden diese Mitglieder niedrigere Energiepreise, eine Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar, Umlenkung chinesischer Waren nach Europa und die Verschiebung des Emissionshandels ETS2 führen. Offen geworben für eine weitere Zinssenkung habe jedoch niemand von ihnen.

Im Gegensatz dazu hätten die jüngsten Kommentare von Isabel Schnabel hervorgestochen. In einem Bloomberg-Interview Anfang Dezember habe sie sich grundsätzlich zufrieden mit der aktuellen geldpolitischen Haltung der EZB gezeigt, aber angedeutet, dass sie als nächsten Schritt eine Zinserhöhung erwarte. Auf die Frage, ob die Erwartungen von Analysten und Märkten zutreffe, dass der nächste Schritt eine Zinserhöhung sein werde, habe sie geantwortet: "Ich fühle mich mit diesen Erwartungen ziemlich wohl."

Neben der geldpolitischen Debatte präge derzeit ein weiteres Thema die EZB: die Frage nach der künftigen Besetzung des Direktoriums. Die Amtszeit von EZB-Vizepräsident Luis de Guindos ende im Mai 2026 und die Diskussionen über seine Nachfolge würden bereits auf Hochtouren laufen. Die Eurogruppe werde sich voraussichtlich Anfang 2026 zusammensetzen, um einen Konsens zu finden, damit der Europäische Rat die Ernennung frühzeitig beschließen könne. Als Favorit gelte derzeit Olli Rehn, Gouverneur der Bank von Finnland, der seine Bereitschaft für das Amt schon signalisiert habe. Weitere gehandelte Namen seien Pablo Hernández de Cos (ehemaliger Gouverneur der Bank von Spanien), Mário Centeno (ehemaliger Gouverneur der Bank von Portugal), Clara Raposo (Vizegouverneurin der Bank von Portugal) und Boris Vujčić (Gouverneur der Kroatischen Nationalbank).

Das Lieblingszitat Hamburg Commercial Bank stamme diesmal vom finnischen Zentralbankgouverneur Olli Rehn. Auf die Frage nach dem Nutzen eines "Insurance Cut" - einer prophylaktischen Zinssenkung, die nicht aufgrund akuter Risiken erfolge, sondern potenziell erwartete Risiken vorbeugen solle - habe er geantwortet: "We’re not in the insurance business - not in December, March or June. So, my response [that our decisions are based on a meeting-by-meeting approach and that we’re not committed to any predetermined rate path] would be the same over time." (12.12.2025/alc/a/a)