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EZB-Entscheidung dämpft Aktivität in der Euro-Zone


20.12.22 09:15
Neuberger Berman

New York (www.anleihencheck.de) - Wie erwartet hat die Europäische Zentralbank den Leitzins um 50 Basispunkte angehoben, so Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei dem unabhängigen US-amerikanischen Vermögensverwalter Neuberger Berman.

Überraschend sei jedoch die Ankündigung von Frau Lagarde gewesen, dass die EZB den Leitzins in Zukunft kontinuierlich anheben werde und dass die EZB mehr leisten müsse als die FED. Man könne daraus schließen, dass der Leitzins der EZB mindestens 3 Prozent erreichen werde. Diese Erkenntnis sei für alle Arten von Euro-Anleihen nachteilig.

Die Entscheidung der EZB und ihre Absicht, die Zinssätze weiter anzuheben, dürfte die Aktivität in der Euro-Zone und damit die Nachfrage dämpfen. Man könne daher davon ausgehen, dass das Euro-Wachstum im Jahr 2023 niedriger ausfallen werde als die heutigen Prognosen der EZB von +0,5 Prozent. Dies dürfte zu einer niedrigeren inländischen Inflation führen, zum Beispiel bei Dienstleistungen. Damit sei absehbar, dass die Kerninflation, ein Hauptziel der EZB-Geldpolitik, niedriger ausfallen werde als die EZB-Prognose von 4,2 Prozent für das kommende Jahr.

Durch den jüngsten Rückgang der Rohstoffpreise seien Unternehmen weniger pessimistisch, was auf ein höheres Wirtschaftswachstum im vierten Quartal schließen lasse. Die EZB habe daher beschlossen, das Konjunkturrisiko zu ignorieren und sich auf den Kampf gegen die Inflation zu konzentrieren. Man sollte ein vorsichtiges Engagement bei der Laufzeit von Anleihen beibehalten, wenn die zehnjährige Bundrendite unter 2 Prozent liege. Dies bestätige auch das übergewichtetes Engagement der Experten im Finanzsektor.

Bemerkenswert sei die Entscheidung gewesen, das Portfolio des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) ab Anfang März 2023 zu reduzieren. Das bedeute, dass das Euro-System bis zum Ende des zweiten Quartals 2023 durchschnittlich 15 Milliarden Euro pro Monat an Kapitalzahlungen aus fällig werdenden Wertpapieren nicht reinvestieren werde. Dies sei ein wichtiges Ergebnis, da das Emissionsprogramm für Euro-Staatsanleihen im nächsten Jahr ausgeweitet werde. Auswirken werde sich das vor allem auf die Spreads der Nicht-Kernländer, insbesondere bei langen Laufzeiten. (Ausgabe vom 19.12.2022) (20.12.2022/alc/a/a)