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EZB-Entscheidung: "Wir sind in einer guten Position"


09.06.25 08:30
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat die Leitzinsen um 25 Basispunkte gesenkt, wodurch der Einlagensatz nun bei 2,00 % liegt, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Die am häufigsten wiederholten Worte von EZB-Präsidentin Christine Lagarde hätten gelautet: "Wir sind in einer guten Position", was darauf hindeute, dass sie in den kommenden Monaten keinen weiteren Zinssenkungsbedarf sehe und eine Pause im Juli wahrscheinlich sei. Natürlich habe sich Lagarde nicht festgelegt, sondern betont, dass weiterhin ein Meeting-zu-Meeting-Ansatz verfolgt werde. Die Projektionen des EZB-Stabs würden deutliche Abwärtskorrekturen der Prognosen für die Gesamtinflation in den Jahren 2025 und 2026 beinhalten. Die wichtigeren Kerninflationsprognosen seien jedoch nahezu unverändert geblieben. Die EZB habe zudem Szenarien zu Handelskonflikten berücksichtigt: Ein Eskalationsszenario führe zu schwächerem Wachstum und geringerer Inflation, während ein Entspannungsszenario mit höherem Wachstum und leicht steigender Inflation einhergehe. Bezüglich ihrer eigenen Zukunft habe Lagarde erklärt, dass sie fest entschlossen sei, ihre Amtszeit bis zum regulären Ende im Oktober 2027 zu erfüllen.

Highlights (die Zitate würden von EZB-Präsidentin Christine Lagarde stammen):

Neue Basisprognosen und zollbezogene Szenarien: Gesamtinflation in der Basisprognose gesenkt, Kernrate nahezu unverändert.

Einordnung: Basisprognosen - Die Abwärtskorrektur der Gesamtinflation falle für 2025 und 2026 recht deutlich aus, was auf die Annahme niedrigerer Energiepreise und einen stärkeren Euro zurückzuführen sei. Lagarde habe sich unbesorgt über ein mögliches Unterschreiten des Inflationsziels im Jahr 2026 gezeigt, da die Prognosen für die Kerninflation ab dem kommenden Jahr Preisstabilität signalisieren würden. Die Kerninflation (ohne Energie und Lebensmittel) sei für 2025 nach oben korrigiert worden - vermutlich deshalb, weil der Stichtag vor der Veröffentlichung der überraschend niedrigen Inflationszahl für Mai gelegen habe. Für 2026 sei eine minimale Abwärtskorrektur vorgenommen worden. Unterm Strich gehe die EZB davon aus, dass das Inflationsziel in diesem Jahr (bei der Gesamtinflation) und im nächsten Jahr (bei der Kerninflation) erreicht werde.

Szenarienprognosen - Die EZB habe sowohl ein mildes als auch ein schwerwiegendes Handelskonfliktszenario berücksichtigt. Im schwerwiegenden Szenario bleibe die Inflation im Jahr 2025 unverändert und liege im Jahr 2026 nur geringfügig unter dem Basisfall. Angesichts einer Wachstumsrate, die sich im Jahr 2025 nahezu halbiere und auch 2026 deutlich unter dem Basiswert liege, wirke dies nicht vollständig konsistent. Es deute darauf hin, dass die EZB davon ausgehe, dass die Inflationstreiber relativ hartnäckig seien. Im milden Szenario falle das Wachstum etwas stärker aus, bleibe jedoch insgesamt verhalten. Die Inflation reagiere kaum (geringe Aufwärtskorrektur).

Fazit: Selbst das schwerwiegende Szenario stellt kein völlig neues Umfeld dar - die Auswirkungen scheinen insgesamt nicht allzu gravierend zu sein, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.

Zu weiteren Zinssenkungen: "Wir sind in einer guten Position. [...] Es macht keinen Sinn, über die Richtung der Reise zu sprechen, es macht keinen Sinn, über Seitwärtsbewegungen zu sprechen."

Einordnung: Christine Lagarde habe den Ausdruck "in einer guten Position" während der Pressekonferenz insgesamt sechs Mal verwendet. Das deute darauf hin, dass sie geneigt sei, die Zinssätze in den kommenden Monaten unverändert zu lassen. Eine Pause beim nächsten Treffen am 24. Juli erscheine wahrscheinlich. Allerdings schließe die Aussage "wir sind in einer guten Position, um diese Umstände zu meistern", weitere Zinssenkungen offensichtlich nicht aus. Das sei deutlich geworden, als Lagarde auf eine entsprechende Frage geantwortet habe, dass es keinen Sinn mache, über Seitwärtsbewegungen zu sprechen. In diesem Zusammenhang sei auch bemerkenswert, dass Lagarde sich nicht zum neutralen Zinssatz habe äußern wollen - dieses Thema sei in der Sitzung nicht behandelt worden. Die Prognose der Analysten gehe von zwei weiteren Zinssenkungen in diesem Jahr aus, wobei der Einlagensatz bei 1,50% enden dürfte.

Fazit: Derzeit zeige sich Lagarde mit dem aktuellen Zinsniveau zufrieden, schließe weitere Senkungen jedoch keineswegs aus.

Zur Spekulation, dass Lagarde ihr Amt vorzeitig aufgeben könnte, um dem Weltwirtschaftsforum vorzustehen: "Seien Sie versichert, ich kann Ihnen sehr deutlich sagen, dass ich immer entschlossen war - und es auch weiterhin bin - meinen Auftrag zu erfüllen, und ich bin entschlossen, meine Amtszeit zu vollenden."

Einordnung: Diese Aussage lasse wenig Spielraum für einen Rückzug von dieser Position. Dennoch könne man sich fragen, warum Lagarde diese Spekulation nicht schon früher zurückgewiesen habe. Ihre Amtszeit laufe offiziell bis zum 31. Oktober 2027. (Ausgabe vom 06.06.2025) (09.06.2025/alc/a/a)