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EZB-Entscheidung: Negative Zinssätze sind nun Geschichte
22.07.22 10:45
Janus Henderson Investors
London (www.anleihencheck.de) - Negative Zinssätze sind in Europa nun Geschichte, so Andy Mulliner, Head of Global Aggregate Strategies bei Janus Henderson Investors.
Die EZB habe den Markt heute mit einer Zinserhöhung um 50 Basispunkte statt der zuvor angekündigten 25 Basispunkte überrascht. Gleichzeitig habe sie (wie erwartet) ein neues Instrument gegen die Fragmentierung angekündigt, das Transmissionsschutzinstrument (Transmission Protection Instrument, TPI). Die EZB habe ihren über den Erwartungen liegenden Schritt relativiert, indem sie ihre Prognosen für die September-Sitzung abgeschwächt habe und betont habe, dass es sich bei diesem Schritt eher um eine Vorverlegung als um eine schrittweise Erhöhung der Zinssätze handele. Die EZB habe auch das herausfordernde Umfeld bestätigt, in dem sie sich befinde, mit offensichtlich höherem Inflationsdruck, aber auch einem schwächeren Wachstumsumfeld. Diese Kombination deute darauf hin, dass sich die EZB sehr wohl bewusst sei, dass der vor ihr liegende Weg für die Geldpolitik tückisch sei, und dass auch die von den Mitgliedern der EZB veröffentlichten optimistischen Wachstumsprognosen auf der Kippe stehen dürften.
Details zur Einführung des TPI seien bei der ersten Mitteilung eher dürftig gewesen, hauptsächlich habe es geheißen, dass der Umfang des TPI unbegrenzt sei und seine Umsetzung ganz im Ermessen des EZB-Rates liege. Während der Pressekonferenz und in der darauffolgenden Pressemitteilung sei bekannt gegeben worden, dass die Konditionalität ein Faktor sein werde, bei dem mehrere Voraussetzungen erfüllt sein müssten, bevor eine Entscheidung über die Anwendung des TPI getroffen werden könne. Auch wenn diese Bedingungen auf den ersten Blick belastend erscheinen würden, deute ein Blick auf die Details darauf hin, dass die Hürde für eine Aufnahme niedrig sei. Der vage Auslöser für die Aktivierung bedeute, dass die Märkte das Instrument nicht explizit testen könnten, was ebenfalls die unmittelbare Wirkung begrenze. Doch das sei nicht der Punkt; es handle sich nicht um ein aktives Instrument, sondern um eine Absicherung.
Ein überraschendes Element der Ankündigung sei gewesen, dass die EZB versuchen werde, alle Käufe durch eine Art Sterilisierung auszugleichen, um sicherzustellen, dass die Käufe die geldpolitischen Vorgaben nicht beeinträchtigen würden. Diese Sterilisierung beziehe sich nicht nur auf die Geldmenge im System, sondern auch auf den Gesamtumfang des geldpolitischen Anleiheportfolios. Dies könnte darauf hindeuten, dass die EZB versuchen könnte, ihren Anteil an Kernanleihen im Rahmen dieses Programms zu verringern.
Während die Märkte zunächst von dem Umfang dieses Schrittes überrascht gewesen seien, habe die Reduzierung der Prognosen für die September-Sitzung beruhigend auf die Märkte gewirkt. Die Bestätigung der schwierigen Wachstumsaussichten zusammen mit den Inflationsprognosen stelle eine nuanciertere Sichtweise dar, als dies vielleicht bei früheren Pressekonferenzen der EZB zu beobachten gewesen sei. Man sollte bei der nächsten Prognoserunde mit erheblichen negativen Korrekturen seitens der EZB-Mitglieder rechnen. Die Kehrseite der Medaille sei, dass eine Stagflation für eine Zentralbank, die für 19 verschiedene Länder zuständig sei, ein Albtraum sei. (Ausgabe vom 21.07.2022) (22.07.2022/alc/a/a)
Die EZB habe den Markt heute mit einer Zinserhöhung um 50 Basispunkte statt der zuvor angekündigten 25 Basispunkte überrascht. Gleichzeitig habe sie (wie erwartet) ein neues Instrument gegen die Fragmentierung angekündigt, das Transmissionsschutzinstrument (Transmission Protection Instrument, TPI). Die EZB habe ihren über den Erwartungen liegenden Schritt relativiert, indem sie ihre Prognosen für die September-Sitzung abgeschwächt habe und betont habe, dass es sich bei diesem Schritt eher um eine Vorverlegung als um eine schrittweise Erhöhung der Zinssätze handele. Die EZB habe auch das herausfordernde Umfeld bestätigt, in dem sie sich befinde, mit offensichtlich höherem Inflationsdruck, aber auch einem schwächeren Wachstumsumfeld. Diese Kombination deute darauf hin, dass sich die EZB sehr wohl bewusst sei, dass der vor ihr liegende Weg für die Geldpolitik tückisch sei, und dass auch die von den Mitgliedern der EZB veröffentlichten optimistischen Wachstumsprognosen auf der Kippe stehen dürften.
Ein überraschendes Element der Ankündigung sei gewesen, dass die EZB versuchen werde, alle Käufe durch eine Art Sterilisierung auszugleichen, um sicherzustellen, dass die Käufe die geldpolitischen Vorgaben nicht beeinträchtigen würden. Diese Sterilisierung beziehe sich nicht nur auf die Geldmenge im System, sondern auch auf den Gesamtumfang des geldpolitischen Anleiheportfolios. Dies könnte darauf hindeuten, dass die EZB versuchen könnte, ihren Anteil an Kernanleihen im Rahmen dieses Programms zu verringern.
Während die Märkte zunächst von dem Umfang dieses Schrittes überrascht gewesen seien, habe die Reduzierung der Prognosen für die September-Sitzung beruhigend auf die Märkte gewirkt. Die Bestätigung der schwierigen Wachstumsaussichten zusammen mit den Inflationsprognosen stelle eine nuanciertere Sichtweise dar, als dies vielleicht bei früheren Pressekonferenzen der EZB zu beobachten gewesen sei. Man sollte bei der nächsten Prognoserunde mit erheblichen negativen Korrekturen seitens der EZB-Mitglieder rechnen. Die Kehrseite der Medaille sei, dass eine Stagflation für eine Zentralbank, die für 19 verschiedene Länder zuständig sei, ein Albtraum sei. (Ausgabe vom 21.07.2022) (22.07.2022/alc/a/a)


