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EZB-Entscheidung: 25 Basispunkte sind beschlossene Sache, Ausblick weniger sicher


16.06.23 10:30
State Street Global Advisors

Boston (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte vorgenommen, was allgemein erwartet und klar angekündigt wurde und somit genau der aktuellen Marktbewertung entspricht, so Altaf Kassam, Leiter des Investment Strategy & Research EMEA bei State Street Global Advisors.

Die "sanfte" Anhebung im Mai habe eindeutig die Auswirkungen der Bankenkrise berücksichtigt, weshalb von 50 Basispunkten abgesehen worden sei. Im Gegensatz habe die heutige Entscheidung einen klar restriktiveren Charakter gehabt, wobei die EZB den Markt davon habe überzeugen wollen, dass ein Höchststand der Kerninflation nicht sofort eine Zinswende bedeuten würde. Dies sei besonders wichtig gewesen, da die Kerninflation in den USA, im Vereinigten Königreich und in Kanada zu sinken begonnen habe und sich dieser Rückgang dann verlangsamt oder sogar umgekehrt habe. Die EZB habe also deutlich machen müssen, dass sie nicht vorhabe, ihre Geldpolitik zu entschärfen.

Trotz der Anzeichen von Fortschritten bei der Kerninflation und Anzeichen, dass die straffere Geldpolitik Wirkung zeige, habe die Meldung auf eine wahrscheinliche Anhebung der Zinssätze um 25 Basispunkte auf der Juli-Sitzung darauf hingewiesen, dass die Politik für lange Zeit straff bleiben werde (ohne einen bestimmten Zeitrahmen oder bestimmte Bedingungen zu nennen). Die Risiken für die geldpolitischen Aussichten der EZB seien also nach wie vor vorhanden, allerdings mit zunehmender Ungewissheit. Das Fehlen eines klaren Hinweises auf ein Ende des Zinserhöhungszyklus im Juli könnte den Markt dazu veranlassen, einige der für 2024 angedeuteten Zinssenkungen auszupreisen. (Ausgabe vom 15.06.2023) (16.06.2023/alc/a/a)