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EZB: Ende des Anleihekaufprogramms, nichts Neues bei den Zinsen
10.01.19 09:45
Berenberg
Hamburg (www.anleihencheck.de) - In diesem Jahr dürfte der Abstand bei den Leitzinsen nur geringfügig weiter steigen, so der Experte von Berenberg Dr. Jörn Quitzau.
Die amerikanische Notenbank werde 2019 voraussichtlich nur einen Schritt um 25 Basispunkte nach oben machen und die EZB dürfte die Nullzinspolitik bis Anfang 2020 fortsetzen. EZB-Präsident Draghi habe auf der Pressekonferenz im Dezember zwar nur den Hinweis erneuert, die Zinsen würden über den Sommer 2019 hinaus auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben, aber mit Blick auf den aktuellen konjunkturellen Rückschlag wäre ein höherer Leitzins 2019 inzwischen eine Überraschung. Während beim Leitzins also wohl alles beim Alten bleibe, lohne sich ein Blick auf den Einlagenzins. So würden die Experten - ähnlich wie andere Marktbeobachter - die Chance sehen, dass die EZB zum Ende des Jahres 2019 beim Einlagesatz einlenke und den Strafzins von -0,4% auf -0,25% abmildere. Damit würden die Geschäftsbanken zumindest etwas entlastet.
Eine straffere Geldpolitik sei nach aktuellem Stand nicht zu erwarten. Daran ändere auch der etwas stärkere Preisauftrieb nichts. Die Euro-Inflationsrate sei im Juni 2018 über das EZB-Ziel von "unter, aber nahe 2%" gestiegen. Seither liege die Teuerungsrate bei etwa 2,0%. In Deutschland sei die Inflation im Oktober sogar kurzzeitig auf 2,5% gestiegen. Der Grund für das Aufflackern der Inflation sei jedoch vorübergehender Natur: Hauptverantwortlich sei der zwischenzeitlich scharfe Ölpreisanstieg gewesen. Anfang Oktober sei der Ölpreis (Sorte Brent) auf 85 US-Dollar je Barrel hochgeschnellt, das sei ein Plus von 54% gegenüber dem gleichen Zeitpunkt im Vorjahr gewesen. Danach sei ein Absturz gefolgt, der den Ölpreis bis Ende Dezember unter die Marke von 55 US-Dollar pro Fass habe fallen lassen. Auslöser sei ein Überangebot am Ölmarkt gewesen, verstärkt worden sei der Preissturz, weil spekulative Anleger ihre Positionen aufgelöst hätten.
Die Zentralbank schaue in einer solchen Situation auf die Kernrate der Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel. Da diese seit langer Zeit ziemlich stabil bei nahe 1,0% liegt, sah und sieht die EZB keinen Grund, den Preisauftrieb aktiv zu bremsen, so die Experten von Berenberg. Auch ohne geldpolitische Maßnahmen falle die Inflationsrate in Richtung der Kernrate zurück, wenn der Ölpreis nicht weiter steige oder sogar sinke. Nach dem Ölpreisabsturz sei in den kommenden Monaten deshalb mit abnehmenden Inflationsraten zu rechnen.
Abschließend noch ein Hinweis zum Anleiheankaufprogramm, das die EZB nach knapp vier Jahren Laufzeit nun beendet habe: Das Ende des Programms bedeute nur, dass die EZB keine Nettokäufe mehr tätigen werde (zuletzt habe sie noch Anleihen in Höhe von 15 Milliarden Euro pro Monat gekauft). Sie werde aber noch bis mindestens 2020 den Erlös aus fälligen Schuldtiteln vollständig reinvestieren und ihr Anleiheportfolio zwei Jahre lang nach dem Ende der Nettokäufe konstant halten. Die EZB werde also ein zinstreibendes Zusatzangebot am Anleihemarkt vorerst vermeiden. (Ausgabe vom 02.01.2019) (10.01.2019/alc/a/a)
Die amerikanische Notenbank werde 2019 voraussichtlich nur einen Schritt um 25 Basispunkte nach oben machen und die EZB dürfte die Nullzinspolitik bis Anfang 2020 fortsetzen. EZB-Präsident Draghi habe auf der Pressekonferenz im Dezember zwar nur den Hinweis erneuert, die Zinsen würden über den Sommer 2019 hinaus auf dem gegenwärtigen Niveau bleiben, aber mit Blick auf den aktuellen konjunkturellen Rückschlag wäre ein höherer Leitzins 2019 inzwischen eine Überraschung. Während beim Leitzins also wohl alles beim Alten bleibe, lohne sich ein Blick auf den Einlagenzins. So würden die Experten - ähnlich wie andere Marktbeobachter - die Chance sehen, dass die EZB zum Ende des Jahres 2019 beim Einlagesatz einlenke und den Strafzins von -0,4% auf -0,25% abmildere. Damit würden die Geschäftsbanken zumindest etwas entlastet.
Die Zentralbank schaue in einer solchen Situation auf die Kernrate der Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel. Da diese seit langer Zeit ziemlich stabil bei nahe 1,0% liegt, sah und sieht die EZB keinen Grund, den Preisauftrieb aktiv zu bremsen, so die Experten von Berenberg. Auch ohne geldpolitische Maßnahmen falle die Inflationsrate in Richtung der Kernrate zurück, wenn der Ölpreis nicht weiter steige oder sogar sinke. Nach dem Ölpreisabsturz sei in den kommenden Monaten deshalb mit abnehmenden Inflationsraten zu rechnen.
Abschließend noch ein Hinweis zum Anleiheankaufprogramm, das die EZB nach knapp vier Jahren Laufzeit nun beendet habe: Das Ende des Programms bedeute nur, dass die EZB keine Nettokäufe mehr tätigen werde (zuletzt habe sie noch Anleihen in Höhe von 15 Milliarden Euro pro Monat gekauft). Sie werde aber noch bis mindestens 2020 den Erlös aus fälligen Schuldtiteln vollständig reinvestieren und ihr Anleiheportfolio zwei Jahre lang nach dem Ende der Nettokäufe konstant halten. Die EZB werde also ein zinstreibendes Zusatzangebot am Anleihemarkt vorerst vermeiden. (Ausgabe vom 02.01.2019) (10.01.2019/alc/a/a)


