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EZB-Chefökonom rechnet mit dauerhaft hoher Teuerung
24.02.22 10:15
FONDS professionell
Wien (www.anleihencheck.de) - EZB-Chefvolkswirt Philip Lane äußert sich in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" über die Entwicklung der Inflation, ihren Gründen und einer möglichen Änderung der Geldpolitik der Notenbank, so die Experten von "FONDS professionell".
Viele Verbraucher hätten in den vergangenen Wochen und Monaten verwundert ihre Köpfe geschüttelt. Rings um sie herum würden die Preise für Öl, Benzin, Holz sowie Lebensmittel steigen. Mit anderen Worten: En Anstieg der Inflation, auf den die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem Ende der Niedrigzinspolitik reagieren sollte. Diese dagegen habe bislang nichts gemacht, ihrer Ansicht nach sei die Inflation ein kurzlebiges Phänomen - obgleich die EZB auf ihrer letzten Sitzung eine Änderung der Zinspolitik zumindest nicht mehr kategorisch ausgeschlossen habe.
Philip Lane, EZB-Chefvolkswirt der EZB, habe in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) erklärt, dass er und seine Kollegen durchaus mit einer dauerhaft höheren Inflation rechnen würden. "In einer Zeit mit hoher Volatilität und viel Unsicherheit sollte man keine absoluten Aussagen treffen. Die Daten sprechen aber durchaus dafür, dass wir näher an unser mittelfristiges Inflationsziel rücken könnten", formuliere er es im Jargon der europäischen Notenbank. "Die Inflationsraten sind in der Tat höher als erwartet, und diese werden auch länger anhalten als ursprünglich gedacht. Das liegt vor allem an den Energiepreisen und den Lieferengpässen", so Lane weiter. Ein weiterer Grund seien die Auswirkungen der geopolitischen Spannungen auf den Handel.
Aktuelle Inflation werde aber wieder sinken
Wie sich die Inflation aber genau weiterentwickeln werde, habe der Ökonom nicht verraten können und wollen. "Doch je länger der Ursprung des Schocks bestehen bleibt, desto stärker wird das Preisniveau insgesamt beeinflusst. Also revidieren wir unsere Einschätzung der Dauerhaftigkeit der Inflation in dieser Hinsicht", so Lane - und habe direkt ein "Aber" hinterhergeschoben: "Viele Faktoren, die jetzt die Inflationsraten treiben, werden in 12 oder 18 Monaten eine geringere Rolle spielen. Die Wirtschaft befindet sich nicht in einer Überhitzungszone. Wir glauben, dass der größte Teil der derzeitigen Inflation abklingen wird."
Ebenso habe er den Ball flach gehalten, was eine schnelle Erhöhung der Leitzinsen sowie das Ende der Anleihenkäufe durch die EZB anbelange: "Es ist wichtig, die Entscheidung des EZB-Rates im März nicht vorwegzunehmen. Bis dahin kann noch viel passieren, und es gibt viel Unsicherheit in der Welt. Aber unsere Strategie ist eindeutig: Wir wollen die Inflation mittelfristig bei zwei Prozent stabilisieren." Dabei gebe es drei Möglichkeiten. Wenn die mittelfristigen Inflationsvorhersagen weitaus niedriger seien als das Ziel von zwei Prozent, müsse die EZB weiter eine lockere Geldpolitik betreiben. Liege die Inflation mittelfristig über dem Ziel, müsste sie tatsächlich die Zinsen erhöhen. "Die dritte Möglichkeit ist: Die Inflation nähert sich unserem Ziel an, dann reicht, wie wir es sagen, eine Normalisierung der Geldpolitik", so Lane. (24.02.2022/alc/a/a)
Viele Verbraucher hätten in den vergangenen Wochen und Monaten verwundert ihre Köpfe geschüttelt. Rings um sie herum würden die Preise für Öl, Benzin, Holz sowie Lebensmittel steigen. Mit anderen Worten: En Anstieg der Inflation, auf den die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem Ende der Niedrigzinspolitik reagieren sollte. Diese dagegen habe bislang nichts gemacht, ihrer Ansicht nach sei die Inflation ein kurzlebiges Phänomen - obgleich die EZB auf ihrer letzten Sitzung eine Änderung der Zinspolitik zumindest nicht mehr kategorisch ausgeschlossen habe.
Aktuelle Inflation werde aber wieder sinken
Wie sich die Inflation aber genau weiterentwickeln werde, habe der Ökonom nicht verraten können und wollen. "Doch je länger der Ursprung des Schocks bestehen bleibt, desto stärker wird das Preisniveau insgesamt beeinflusst. Also revidieren wir unsere Einschätzung der Dauerhaftigkeit der Inflation in dieser Hinsicht", so Lane - und habe direkt ein "Aber" hinterhergeschoben: "Viele Faktoren, die jetzt die Inflationsraten treiben, werden in 12 oder 18 Monaten eine geringere Rolle spielen. Die Wirtschaft befindet sich nicht in einer Überhitzungszone. Wir glauben, dass der größte Teil der derzeitigen Inflation abklingen wird."
Ebenso habe er den Ball flach gehalten, was eine schnelle Erhöhung der Leitzinsen sowie das Ende der Anleihenkäufe durch die EZB anbelange: "Es ist wichtig, die Entscheidung des EZB-Rates im März nicht vorwegzunehmen. Bis dahin kann noch viel passieren, und es gibt viel Unsicherheit in der Welt. Aber unsere Strategie ist eindeutig: Wir wollen die Inflation mittelfristig bei zwei Prozent stabilisieren." Dabei gebe es drei Möglichkeiten. Wenn die mittelfristigen Inflationsvorhersagen weitaus niedriger seien als das Ziel von zwei Prozent, müsse die EZB weiter eine lockere Geldpolitik betreiben. Liege die Inflation mittelfristig über dem Ziel, müsste sie tatsächlich die Zinsen erhöhen. "Die dritte Möglichkeit ist: Die Inflation nähert sich unserem Ziel an, dann reicht, wie wir es sagen, eine Normalisierung der Geldpolitik", so Lane. (24.02.2022/alc/a/a)


