Erweiterte Funktionen

EZB-Chef Draghi hinterlässt schweres Erbe?


05.02.19 12:48
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), gibt im kommenden Herbst seinen Posten ab, berichten die Experten von "FONDS professionell".

Der Noch-EZB-Chef habe in seiner Amtszeit Notenbank-Geschichte geschrieben: Er habe die Nullzinspolitik mit dem neuen Instrument der Anleihekäufe kombiniert und auf dem Höhepunkt der Euro-Krise zudem in einer historischen Rede versprochen, alles zu tun, um die Gemeinschaftswährung zu retten. "Seine nachdenkliche und ruhige Art hat den Märkten gut getan", urteile Gottfried Urban, Vorstand der Bayerische Vermögen AG in München.

Das Problem, das aus der EZB-Politik der vergangenen Jahre folge, werde Draghi allerdings nicht mehr lösen können, sage der Vermögensverwalter. Die Zinsen seien noch immer extrem niedrig, und die Konjunktur trübe sich allmählich wieder ein. In normalen Zeiten würde man jetzt darüber spekulieren, wann die EZB den Leitzins senke. Draghi werde wohl ohne Zinsanpassung aus seinem Amt scheiden, glaube Urban. "Er übergibt seinem Nachfolger einen Instrumentenkasten, der bei einer Rezession auf der Zinsseite keinen Spielraum nach unten lässt."

Anleger sollten sich darauf einstellen, dass der Geldmarktzins auch unter Draghis Nachfolger unter der Inflationsrate liegen werde, sage der Vermögensprofi. "In solchen Zeiten haben Aktien die Nase vorn." Urban gehe davon aus, dass Aktieninvestoren in den kommenden Jahren mit soliden Erträgen belohnt würden - zumal viele Titel durch die Kursstürze im vergangenen Jahr unterbewertet seien. "Für Aktionäre ist das Glas wieder halb voll", sage er. "Für Zinsanleger hingegen bleibt das Glas nicht nur halb, sondern ganz leer." (05.02.2019/alc/a/a)