Draghi in Jackson Hole: Viel Lärm um nix?


30.08.17 10:45
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Nur noch wenige Marktteilnehmer hatten damit gerechnet, dass EZB-Präsident Mario Draghi im Rahmen der Notenbanktagung in Jackson Hole einen Einblick in die künftige geldpolitische Ausrichtung der EZB geben würde - so kam es dann auch, so Mario Gruppe, CIIA, und Thomas Scholz von der Nord LB.

Die Aussagen seien - zumindest mit Blick auf die geldpolitischen Perspektiven - eher dürftig gewesen. So habe sich Draghi nicht zu dem möglichen Vorgehen der Notenbank beim Ausstieg aus den Wertpapierankäufen geäußert. Entsprechend überschaubar seien auch die Marktreaktionen gewesen. Zehnjährige Bundesanleihen hätten zum Wochenschluss in einer engen Range zwischen 0,38% und 0,40% rentiert. Zum Wochenstart - und damit unter dem Eindruck der Worte Draghis - sei kaum eine Renditeveränderung auszumachen gewesen. Die Analysten der Nord LB bleiben damit bei ihrer Einschätzung, wonach die EZB im Anschluss an die Ratssitzung im September erste Eckdaten zum geplanten QE vorlegt, sich gleichzeitig aber hinreichend viele Freiheitsgrade verschafft um flexibel auf unerwartete Entwicklungen reagieren zu können.

Am Markt seien zum Wochenschluss hingegen Gerüchte darüber aufgekommen, dass die EZB im September über die Eckdaten eines QE diskutiere, Entscheidungen über den Ausstieg aber erst im Oktober festlege und kommuniziere. So oder so dürfte es im Rat unterschiedliche Auffassungen über die Ausstiegsgeschwindigkeit geben. Bundesbankpräsident Weidmann habe in der vergangenen Woche noch einmal seine Sicht der Dinge unterstrichen und eine zügige Reduktion der Ankäufe gefordert - wenngleich auch er gegen ein abruptes Ende der Käufe sei.

Über eine erfreuliche Haushaltsentwicklung im ersten Halbjahr 2017 dürfe sich die Bundesrepublik Deutschland freuen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes habe der Staat - über sämtliche staatliche Ebenen hinweg - einen Überschuss in Höhe von EUR 18,3 Mrd. erzielt. Positive Haushalte habe es dabei auf Ebene der Länder (EUR +8,1 Mrd.) und der Kommunen (EUR +6,1 Mrd.) gegeben. Zudem hätten die Sozialversicherungen einen positiven Saldo ausgewiesen (EUR +6,6 Mrd.). Aufgrund eines Sondereffektes sei es auf Ebene des Bundes zu einem Haushaltsdefizit in Höhe von EUR 2,5 Mrd. gekommen, was in erster Linie auf die Auswirkung des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes zur Unrechtmäßigkeit der Kernbrennstoffsteuer zurückzuführen sei. In der Folge sei es zu Rückzahlungen an die Energieunternehmen in Höhe von EUR 7,1 Mrd. gekommen, die den Bundeshaushalt im ersten Halbjahr außerplanmäßig belastet hätten.

Insgesamt profitiere der deutsche Staat - auf allen Ebenen - von der soliden konjunkturellen Entwicklung, die sich beispielsweise in den erneut gestiegenen Steuereinnahmen bemerkbar mache. Zudem profitiere die öffentliche Hand von den noch immer äußerst günstigen Refinanzierungsbedingungen. Entsprechend seien auch die Zinsausgaben in der ersten Jahreshälfte wiederholt stark rückläufig gewesen. Für die zweite Jahreshälfte seien die Aussichten aus Haushaltssicht damit sehr günstig. Die anhaltend gute Stimmungslage signalisiere eine Fortsetzung der erfreulichen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Zudem sei mit negativen Sondereinflüssen - wie auf Bundesebene im ersten Halbjahr - aktuell nicht zu rechnen.

Die Bank Nederlandse Gemeenten (BNG) schaue auf ein gutes erstes Halbjahr zurück. Der Bilanzgewinn habe sich im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2014 kräftig von EUR 126 Mio. auf nunmehr EUR 242 Mio. erhöht. Die BNG profitiere vor allem von einem gestärkten Zinsergebnis, in dem sich die anhaltend günstigen Refinanzierungsbedingungen für die Bank deutlich bemerkbar gemacht hätten. Positiv sei zudem herauszustellen, dass sich die Leverage Ratio weiter verbessert habe und im Vergleich zum Jahresende 2016 um 0,3 Prozentpunkte auf aktuell 3,3% angestiegen sei.

Aufgrund der intensiven Wettbewerbssituation sei das Neugeschäft hingegen leicht zurückgegangen. Im Beobachtungszeitraum seien Kredite mit einem Gesamtvolumen von EUR 4,4 Mrd. begeben worden (H1/2016: EUR 4,7 Mrd.). Auch für das Gesamtjahr rechne die BNG hier mit einem leichten Rückgang. Den Fundingbedarf für die zweite Jahreshälfte schätze die BNG auf etwa EUR 5 Mrd. Im Rahmen der Refinanzierung sollten zudem Greenbonds weiter an Bedeutung zunehmen.

Die KFW habe in der vergangenen Woche erneut einen großvolumigen USD-Bond begeben. Die Förderbank habe über die zweijährige Anleihe USD 4 Mrd. eingesammelt. Das Orderbuch habe Angaben der Förderbank zufolge eine Gesamtnachfrage von mehr als USD 5 Mrd. ausgewiesen. Die Anleihe sei zu ms -4 Bp platziert worden. Mit 45% bzw. 38% würden Notenbanken bzw. Asset Manager die größten Investorengruppen darstellen, gefolgt von Banken (145%). Das Fundingziel für 2017 - welches die Emittentin Anfang Juli auf einen Korridor von EUR 75-80 Mrd. erhöht habe - sei damit bereits zu knapp 80% erfüllt.

Gestern sei das finale Pricing der EUR 2 Mrd. EFSF 1,45% 09/2040 (ISIN EU000A1G0D05) bei ms +7 Bp festgesetzt worden. Der Pick-up gegenüber der Sekundärmarktkurve sei geringfügig im Bereich niedriger einstelliger Basispunktwerte. Im Laufe des Bookbuilding-Prozesses habe sich der Spread kaum weiter eingeengt, die Guidance sei mit ms +8 Bp veranschlagt gewesen. Heute werde die Kommunekredit den Primärmarkt tappen. Gestern habe die Agency ein Bankenkonsortium zu Begebung einer EUR Benchmarkanleihe (5Y) mandatiert. Das Volumen werde EUR 1 Mrd. bei einer fünfjährigen Laufzeit betragen. Das Pricing sei für ms -8 area angekündigt.

Im Ländersegment sei die NIESA 02/24 um EUR 500 Mio. bei ms -18 Bp aufgestockt worden (aktuell ms -19 Bp). Aufgrund des fairen Pricings habe der Tap erfolgreich platziert werden können. In der kürzlich begebenen RHIPAL 01/28 (Issue Spread ms -18 Bp, akt. ms -17 Bp) habe es ebenfalls eine hohe Nachfrage gegeben. Insofern stellen die Analysten der Nord LB fest, dass die Spreadniveaus aktuell stabil seien. Zusätzlich sei die NEDWBK mit einem ultralangen Greenbond (ESG, "Social Housing") an den Markt gekommen. Der Bond habe die Benchmarkkurve verlängert (EUR 600 Mio., 01/2048), der Issue Spread habe bei ms +19 Bp gelegen. Aufgrund der niedrigen Size sei die Anleihe schnell illiquide geworden, habe aber auch 3 Bp performen können. Die Nachfrage am Markt nach langen Laufzeiten sei generell weiterhin intakt. Im Segment der großen europäischen Supras sei die EFSF in der letzten Woche aufgrund der bereits erwarteten gestrigen Transaktion um 1 bis 2 Bp herausgelaufen, das Fundingfenster Ende August sei den Marktteilnehmern bekannt gewesen. ESM und EIB hätten leicht enger aufgrund mangelnden Angebots gehandelt. (30.08.2017/alc/a/a)





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