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Don't fight the FED
28.07.22 12:00
M&G Investments
London (www.anleihencheck.de) - Die Entscheidung der FED, die Anhebung um 75 Basispunkte durchzuziehen, beweist, dass die Notenbank das Inflationsziel klar auf Kosten des Wachstums anstrebt, auch wenn der Markt offenbar unentschlossen ist, ob mittelfristig eher Wachstum oder doch Inflation die dominantere Rolle spielen wird, so Eva Sun-Wai, Fondsmanagerin im Public Fixed Income Team von M&G Investments.
Aktien- und Anleihemärkte hätten sich in den letzten Wochen bereits auf diesen Zinsschritt eingestellt. Die unmittelbare Marktreaktion sei erwartungsgemäß gedämpft ausgefallen, aber im Anschluss an die Pressekonferenz sei es zu einer Erholung sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen gekommen.
Die US-Notenbank müsse sich durchsetzen und tatsächlich an den Daten ausrichten. Sie sollte sich alle Optionen offenhalten, da viele unterschiedliche Datenquellen beobachtet werden müssten. Einige Indikatoren würden zeitlich stärker der Entwicklung hinterherhinken als andere. Der US-Arbeitsmarkt habe alle anderen Signale einer sich abschwächenden Wirtschaft widerlegt, wie FED-Chef Jerome Powell angemerkt habe. Hinke die FED nun der realen Wirtschaft hinterher, indem sie sich mehr auf den Arbeitsmarkt als auf den Rest der Daten konzentriere? Powell habe gesagt, dass sich die Nachfrage nach Arbeitskräften zwar etwas verlangsamt habe, aber die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage sei immer noch zu groß. Die Verwendung aktueller Arbeitsmarktdaten könnte irreführend sein, da die Geldpolitik in der Realwirtschaft historisch gesehen mit einer Verzögerung von zwölf bis 18 Monaten wirksam werde und die Arbeitslosenzahlen in der Vergangenheit zwölf Monate vor Beginn einer Rezession ihren Tiefpunkt erreicht hätten.
Vielleicht könne die FED die Inflation unter Kontrolle bringen. Das Wachstum werde wahrscheinlich zurückgehen, und eine technische Rezession scheine unmittelbar bevorzustehen. Aber die FED möchte sich vielleicht ein Polster für künftige Zinssenkungen verschaffen, wenn sie die Zinserhöhungen im Laufe des Jahres 2022 beschleunige. Der Vorsitzende Powell strebt immer noch 3,25 bis 3,5% bis zum Jahresende an und sagt, dass wir uns jetzt ungefähr im neutralen Bereich befinden, so Eva Sun-Wai. Es scheine fast unmöglich, Inflation und Wachstum gleichzeitig zu steuern, wenn man so weit hinter der Kurve zurückliege. Daher sei eine weiche Landung in den Augen von Eva Sun-Wai immer eher optimistisch als realistisch erreichbar gewesen. Die Umstellung auf eine Steuerung "von Meeting zu Meeting" sei ein klares Zeichen dafür, dass die FED die wirtschaftlichen Aussichten als äußerst ungewiss ansehe und dass es für ihre Glaubwürdigkeit von entscheidender Bedeutung sein werde, sich eine Option offen zu halten.
Wie werde sich dies auf die Märkte und die Wirtschaft in den USA und darüber hinaus auswirken? Nun, es sehe aus wie ein Fall von "die USA niest und die Welt erkältet sich". Hier habe sich nichts geändert. Die US-Wirtschaft habe in letzter Zeit Schwäche gezeigt. Und die Stärke des Arbeitsmarktes verschleiere ein wenig die Anfälligkeit der Verbraucher und ihre Fähigkeit, die ständig steigenden Preise zu bezahlen - und, was noch wichtiger sei, ihr Vertrauen. Das Ungleichheitsgefälle werde wahrscheinlich wieder zunehmen und politischen Druck erzeugen. Vermutlich werde dies Auswirkungen auf die ganze Welt haben. Powell denke, dass die FED eine Chance habe, die Kraft des Arbeitsmarktes vor der Pandemie zu erhalten, wenn es gelinge, die Preisstabilität als Fundament der Wirtschaft unter Kontrolle zu bringen. Dies sei für ihn der Schlüssel zu einer sanften Landung.
Zwischenzeitlich werde der US-Dollar immer stärker, wie schon die meiste Zeit in diesem Jahr - das sei eine gute Nachricht für die USA, aber weniger günstig für den Rest der Welt. Das Motto laute weiterhin: "Don't fight the FED". (28.07.2022/alc/a/a)
Aktien- und Anleihemärkte hätten sich in den letzten Wochen bereits auf diesen Zinsschritt eingestellt. Die unmittelbare Marktreaktion sei erwartungsgemäß gedämpft ausgefallen, aber im Anschluss an die Pressekonferenz sei es zu einer Erholung sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen gekommen.
Vielleicht könne die FED die Inflation unter Kontrolle bringen. Das Wachstum werde wahrscheinlich zurückgehen, und eine technische Rezession scheine unmittelbar bevorzustehen. Aber die FED möchte sich vielleicht ein Polster für künftige Zinssenkungen verschaffen, wenn sie die Zinserhöhungen im Laufe des Jahres 2022 beschleunige. Der Vorsitzende Powell strebt immer noch 3,25 bis 3,5% bis zum Jahresende an und sagt, dass wir uns jetzt ungefähr im neutralen Bereich befinden, so Eva Sun-Wai. Es scheine fast unmöglich, Inflation und Wachstum gleichzeitig zu steuern, wenn man so weit hinter der Kurve zurückliege. Daher sei eine weiche Landung in den Augen von Eva Sun-Wai immer eher optimistisch als realistisch erreichbar gewesen. Die Umstellung auf eine Steuerung "von Meeting zu Meeting" sei ein klares Zeichen dafür, dass die FED die wirtschaftlichen Aussichten als äußerst ungewiss ansehe und dass es für ihre Glaubwürdigkeit von entscheidender Bedeutung sein werde, sich eine Option offen zu halten.
Wie werde sich dies auf die Märkte und die Wirtschaft in den USA und darüber hinaus auswirken? Nun, es sehe aus wie ein Fall von "die USA niest und die Welt erkältet sich". Hier habe sich nichts geändert. Die US-Wirtschaft habe in letzter Zeit Schwäche gezeigt. Und die Stärke des Arbeitsmarktes verschleiere ein wenig die Anfälligkeit der Verbraucher und ihre Fähigkeit, die ständig steigenden Preise zu bezahlen - und, was noch wichtiger sei, ihr Vertrauen. Das Ungleichheitsgefälle werde wahrscheinlich wieder zunehmen und politischen Druck erzeugen. Vermutlich werde dies Auswirkungen auf die ganze Welt haben. Powell denke, dass die FED eine Chance habe, die Kraft des Arbeitsmarktes vor der Pandemie zu erhalten, wenn es gelinge, die Preisstabilität als Fundament der Wirtschaft unter Kontrolle zu bringen. Dies sei für ihn der Schlüssel zu einer sanften Landung.
Zwischenzeitlich werde der US-Dollar immer stärker, wie schon die meiste Zeit in diesem Jahr - das sei eine gute Nachricht für die USA, aber weniger günstig für den Rest der Welt. Das Motto laute weiterhin: "Don't fight the FED". (28.07.2022/alc/a/a)


