Dividendenaktien geben bei steigenden Zinsen nicht immer nach


21.01.19 13:30
BNY Mellon IM

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Nach dem jahrelangen Börsenboom befinden wir uns am Beginn einer neuen Marktphase, so die Experten von BNY Mellon Investment Management.

Nick Clay, leitender Portfoliomanager des BNY Mellon Global Equity Income Fund (ISIN IE00B3SVY364/ WKN A1C9KX), nehme dies zum Anlass, einige der gängigen Vorurteile zu Dividendenaktien zu hinterfragen. Der Portfoliomanager von Newton IM, einer Boutique von BNY Mellon IM, verwerfe die "naive" Annahme, dass "anleiheähnliche" - also qualitativ hochwertige und wachstumsarme - Aktien bei steigenden Zinsen immer unterdurchschnittlich abschneiden würden. Vielmehr würden aus seiner Sicht die Gründe für die Zinserhöhungen weitaus mehr Aufschluss über die zu erwartenden Renditen geben.

Das Jahr 2017 habe laut Clay noch ein "perfektes" Goldlöckchen-Umfeld geboten. Diese Einbahnstraße des Wachstums ende jedoch allmählich, weshalb sich die Anleger nun darauf besinnen müssten, in welcher Phase des Zyklus sie sich derzeit befänden: "Zwischen Ende 2016 und Anfang 2018 legten Aktien 15 Monate in Folge zu. Die Kurse fielen einfach nicht. Der maximale Verlust belief sich auf lediglich zwei Prozent. Die Perfektion war vollkommen", beschreibe Clay die damaligen Verhältnisse. "Da die Sharpe-Ratio bei über vier lag, vergaßen die Anleger, dass die Märkte keine Einbahnstraße sind, sondern sich in zwei Richtungen bewegen."

Nick Clay sei der Ansicht, dass die Kreditblase in China ein enormes Risiko darstelle und die steigenden Zinsen in den USA bedenklich erscheinen lasse, was den Anlegern erhebliche Unsicherheiten beschere. "Damit stellt sich wie immer die entscheidende Frage, wo wir uns derzeit im Zyklus befinden, denn für Dividenden-Anleger sind steigende Zinsen problematisch. Entsprechend der weitverbreiteten Meinung sollte man anleiheähnliche Aktien meiden."

"Dieses Vorurteil stellen wir jedoch infrage, da es unseres Erachtens naiv ist. Wir haben uns die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen angeschaut und festgestellt, dass diese in den letzten 20 Jahren sechsmal gestiegen ist. Anschließend haben wir diese in Körbe aus Aktien aufgeteilt, die im FTSE World Index enthalten sind und unterschiedliche Renditen aufweisen. Auf diese Weise wollten wir herausfinden, ob die Titel bei steigenden Zinsen über- oder unterdurchschnittlich abgeschnitten haben. Dabei stellte sich heraus, dass die Aktien nicht immer hinter dem Marktdurchschnitt zurückblieben, womit wir diese Annahme widerlegt haben."

Die Gründe für den Zinsanstieg seien nach Ansicht von Nick Clay von viel größerer Bedeutung. Er erkläre: "Wenn der Zinsanstieg in der allmählichen Rückkehr des Wirtschaftswachstums, in einer aufkeimenden Inflation oder im "perfekten" Goldlöckchen-Szenario begründet liegt, dann ist es richtig, dass Qualitätswerte mit niedriger Volatilität unterdurchschnittlich abschneiden und "Sex and Violence"-Aktien - also wachstumsstarke oder hyperdynamische Aktien häufig niedrigerer Qualität - eine Outperformance hinlegen werden."

"Nähert sich jedoch der Spätzyklus, in dem sich das Wirtschaftswachstum allmählich abschwächt, weil die Zinsen so stark gestiegen sind, dass sie sich auf die Konjunktur auswirken, oder wenn die Inflation zu stark aufflammt und den Anlegern Sorgen bereitet, werden wachstumsarme Qualitätswerte überdurchschnittlich abschneiden, während "Sex and Violence"-Titel hinter dem Markt zurückbleiben."

Nick Clay konzentriere sich mit seinem Team deshalb darauf, was "angemessen und erreichbar" sei. Zudem würdige Clay den Zinseszins als "achtes Weltwunder" und eigentlichen Renditetreiber seines Fonds und ziehe das Fazit: "In Anbetracht der heutigen Bewertungen gewinnt diese dynamische Entwicklung gerade erst an Fahrt." (21.01.2019/alc/a/a)