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Divergenzen in der globalen Zinspolitik


20.06.23 11:15
Generali Investments

Köln (www.anleihencheck.de) - Ein Sitzungsmarathon der führenden westlichen Zentralbanken liegt hinter uns. Ein Grund mehr für Thomas Hempell, Head of Macro & Market Research bei Generali Investments, nun auch Richtung Osten zu blicken, denn weltweit gehen die geldpolitischen Führungsstile gravierend auseinander.

Eine Woche voller Zentralbankensitzungen habe die weltweiten geldpolitischen Divergenzen vertieft. Während sich in den USA und im Euroraum die Arbeitsmärkte erholen und die Sorgen um die Banken abnehmen würden, würden bei den Zinswächtern die Falken den Kurs dominieren. Dadurch nehme das Risiko einer Überstraffung zu. Die US-Notenbank habe an der weithin erwarteten Zinspause festgehalten, jedoch mit einem optimistischen Ausblick überrascht und für die angestrebten Zinssätze zwei zusätzliche Zinserhöhungen angekündigt.

Die Experten würden nun eine weitere Anhebung im Juli auf 5,5% und eine Verschiebung des Wendepunkts auf Q1/2024 sehen. Auch die EZB habe ihrer erwarteten Zinserhöhung um 25 Basispunkte eine restriktive Sprache und höhere Inflationsprognosen hinzugefügt. Eine weitere Anhebung im Juli auf 3,75% werde wahrscheinlich den Höchststand bis Mitte 2024 markieren, aber die Risiken seien eher nach oben gerichtet.

Dies stehe im Gegensatz zum asiatischen Lager, indem die "Tauben" den Ton angeben würden. Die Bank of Japan (BoJ) halte "geduldig" an einer stark unterstützenden Zinspolitik fest, obwohl die zugrunde liegende Inflation in Japan steige. Die staatlichen Behörden würden darauf hinweisen, dass das Erreichen des Inflationsziels von 2% durch ein nachhaltiges Lohnwachstum unterstützt werden müsse.

In China habe sich die People´s Bank of China (PBoC) wegen des stockenden Aufschwungs sogar zu einer Zinssenkung um 0,1 Prozentpunkte veranlasst gesehen. Weitere gezielte fiskal- und geldpolitische Lockerungen würden wahrscheinlich folgen.

Der angeschlagene und stark unterbewertete Yen könnte sich noch stabilisieren, da das Risiko von Devisenmarktinterventionen steige und die Aussichten für die US-Renditen nach unten tendieren würden. Ein echter Aufschwung müsse jedoch durch eine veränderte Politik der BoJ in Bezug auf ihre Zinskurve (Yield Curve Control) unterstützt werden, was auf einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr verschoben zu sein scheine. (20.06.2023/alc/a/a)