Deutsche Staatsverschuldung sinkt unter 2 Billionen EUR


06.07.17 09:30
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die öffentliche Verschuldung ist in Deutschland im 1. Quartal des laufenden Jahres weiter zurückgegangen, berichten die Analysten der Nord LB.

Den Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge sei der öffentliche Gesamthaushalt (Bund, Länder, Gemeinden/Gemeindeverbände und Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte) Ende des 1. Quartals mit EUR 1.986,4 Mrd. verschuldet gewesen. Dies entspreche einem Rückgang der Staatsverschuldung gegenüber dem 1. Quartal des Vorjahres um EUR 47,4 Mrd. Dabei hätten mit dem Bund, den Ländern sowie den Kommunen sämtliche staatliche Ebenen ihre Schulden zurückführen können. Der Bund habe seine Verschuldung um EUR 30,9 Mrd. (-2,4%) verringert, die Länderschulden seien um EUR 14,4 Mrd. (-2,4%) zurückgegangen und der Schuldenberg der Kommunen habe sich um EUR 2,1 Mrd. (-1,4%) verkleinert.

Diese Entwicklung zeige einmal mehr, dass für die kommenden Monate und Jahre mit einem rückläufigen Fundingbedarf der öffentlichen Hand in Deutschland zu rechnen sei. Der Bund profitiere hierbei von einer nachhaltig soliden konjunkturellen Entwicklung sowie äußerst günstigen Refinanzierungskonditionen, die sich günstig auf die Zinsaufwendungen auswirken würden. Auch auf Länderebene dürfte das Neuemissionsvolumen in der Zukunft weiter zurückgehen. Die hier allmählich ins Blickfeld rückende Schuldenbremse erhöhe an dieser Stelle den Druck der Finanzministerien, auf einen ausgeglichenen Haushalt zu drängen. Von daher glauben die Analysten der Nord LB auch, dass die von ihnen erwartete allmähliche Rückführung der Wertpapierankäufe durch die EZB im kommenden Jahr nur moderate Spreadausweitungen im Segment der Deutschen Bundesländer zur Folge haben wird.

Die Agence Française de Développement (AGFRNC) habe wie angekündigt ihre Rechtsform geändert. Sie habe damit nicht mehr den Status einer "credit institution". Fortan sei die AGFRNC eine "Société de Financement". Mit Blick auf die Haftung durch den französischen Staat ändere sich indes nichts. Auch weiterhin sei von einer impliziten Garantie durch den Staat aufgrund des nach wie vor bestehenden EPIC-Status (Etablissement public à caractère industriel et commercial) auszugehen. Entsprechend rechnen die Analysten der Nord LB auch nicht mit einer Ratingveränderung infolge der geänderten Rechtsform. Nach eigenen Angaben behalte die AGFRNC ihr bisheriges Risikogewicht von 20%.

Keine Veränderungen würden sich zudem mit Blick auf die Ankaufbarkeit der Anleihen im Rahmen des EAPP ergeben. Die EZB habe der Veränderung des Status mittlerweile zugestimmt. Nach eigenen Angaben würden Anleihen der AGFRNC (bereits emittierte als auch neu begebene) allerdings die LCR-Fähigkeit verlieren. Dieser Umstand könnte als relativer Nachteil am Markt erachtet werden und zu einer gewissen Spreadausweitung führen.

Unabhängig hiervon habe die AGFRNC in der vergangenen Woche erfolgreich eine EUR-Benchmarkanleihe (ISIN FR0013266434 / WKN A19KYS) am Markt platziert. Die Bank habe EUR 1 Mrd. zu FRTR +33 Bp eingeworben. Gut die Hälfte der Emission (53%) sei dabei in den Büchern von Versicherern gelandet, gefolgt von Asset Managern (27%) und Banken (11%). Mit Blick auf die geographische Verteilung bleibe festzuhalten, dass ein Großteil des Bonds (63%) von französischen Investoren nachgefragt worden sei.

Die mit Abstand größte deutsche Förderbank habe in der ersten Jahreshälfte EUR 51,6 Mrd. eingeworben und gleichzeitig ihr Fundingziel für das Jahr 2017 nach oben angepasst. Im Gesamtjahr wolle die KFW nun EUR 75 Mrd. bis EUR 80 Mrd. am Primärmarkt aufnehmen (ursprünglich EUR 75 Mrd.). Als Grund für den erhöhten Kapitalbedarf führe die Emittentin die konjunkturelle Situation in Deutschland an, die durch eine positive Investitionsentwicklung und hohe Nachfrage nach KfW-Darlehen gekennzeichnet sei.

In der ersten Jahreshälfte habe der Euro den US-Dollar als wichtigste Refinanzierungswährung wieder abgelöst. Etwa 55% der bislang eingesammelten Mittel hätten auf EUR gelautet. Nach EUR und USD bleibe das GBP die drittwichtigste Refinanzierungswährung. Unabhängig vom Brexit weise die KFW auf die anhaltend hohe Nachfrage nach GBP-Bonds hin. Auch in der zweiten Jahreshälfte wolle die Förderbank im Rahmen ihrer Platzierungen an einem Mix aus Euro- und Fremdwährungsemissionen festhalten.

Das hohe Emissionsvolumen im 2. Quartal habe die EFSF vor einigen Wochen dazu bewogen, ihre Fundingziele für das Gesamtjahr - und damit auch für das 3. Quartal - nach oben anzupassen. Demnach plane die Kreditfazilität im laufenden Quartal Primärmarktplatzierungen im Umfang von EUR 14,5 Mrd. (ursprünglich EUR 13,0 Mrd.) nach EUR 19,2 Mrd. (ursprünglich geplant EUR 13,0 Mrd.) im vorangegangenen Quartal. Den Auftakt der Emissionstätigkeit im 3. Quartal hätten in dieser Woche zwei Platzierungen mit einer Laufzeit von acht (ISIN EU000A1G0DV6 / WKN A1G0DV) bzw. 31 Jahren (ISIN EU000A1G0DW4 / WKN A1G0DW) (EUR 6 Mrd.) gemacht.

Vor mittlerweile zehn Jahren habe die EIB als erste Emittentin überhaupt einen Green Bonds begeben. Dieses Jubiläum sei für die Förderbank ein Grund zum Feiern. Immerhin habe die EIB mittlerweile Green Bonds in einem Umfang von mehr als EUR 18 Mrd. emittiert. Die Erlöse aus diesen Platzierungen seien dabei in 160 Projekte in den Bereichen erneuerbare Energien und Energieeffizienz auf der ganzen Welt geflossen. Immer mehr Emittenten hätten im Rahmen ihrer Fundingstrategie mittlerweile auf Nachhaltigkeitsanleihen gesetzt. In diesem Jahr seien u.a. die ersten Staatsanleihen als Green Bonds begeben worden. Pünktlich zum Geburtstag habe die EIB einen weiteren Green Bond (ISIN XS1641457277 / WKN A19KYP) begeben und EUR 1 Mrd. für 30 Jahre zu ms +5 Bp eingeworben.

Im Sekundärmarkt sei die Situation unverändert zur Vorwoche. Es gebe nur sehr wenige Umsätze. Kundenseitig werden die Analysten der Nord LB hauptsächlich nach Geldkursen in kürzeren Laufzeiten gefragt. Die Spreads seien im Länderbereich mangels neuer Impulse unverändert bis leicht weiter. Im Primärmarkt hätten die Analysten die Neuemission (ISIN DE000A2E4GS9 / WKN A2E4GS) einer 10-jährigen Niedersachsen gesehen: Diese habe sich, aufgrund der sehr guten Nachfrage vor dem Pricing von ms -14 Bp auf ms -15 Bp verteuern können und sei auf diesem Niveau stabil. (Ausgabe vom 05.07.2017) (06.07.2017/alc/a/a)





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