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Deutsche Anleihen: Renditen steigen nach Fiskalankündigung


14.03.25 09:45
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Aufgrund der Ankündigung des massiven deutschen Fiskalpakets, welches signifikante Investitionen in die Verteidigung und in die Infrastruktur beinhaltet, kam es bei den europäischen Zinsen zu einem deutlichen Aufwärtssprung, so die Analysten der National-Bank AG.

Die Renditenstrukturkurve in den USA sei hingegen relativ unverändert geblieben bzw. es habe nur zu geringen Erhöhungen geführt.

Ein global merklich anziehendes Zinsniveau aufgrund des massiven deutschen Fiskalpakets würden die Analysten für sehr unwahrscheinlich halten, da die Gegenkräfte aufgrund der aktuellen Eintrübung des US-Sentiments, die auf das US-Zinsniveau wirken würden, enorm seien und daher einem merklich erhöhten US-Zinsniveau entgegenstünden. Über den internationalen Zinsverbund würden diese Strömungen mittelbar auch das europäische Zinsniveau beeinflussen. Festzuhalten sei auch: Das deutsche Fiskalpaket sei bislang nicht verabschiedet, weitere zähe Verhandlungen seien zu erwarten. Nach einer Verabschiedung würden die Mittel ohnehin nicht in einer Tranche abgerufen, sondern dies erfolge sukzessive, oftmals erst nach Lieferung der entsprechenden Bestellungen, beispielsweise im militärischen Bereich. So sei das von der Ampel-Regierung nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine angekündigte Sondervermögen für die Verteidigung in Höhe von 100 Mrd. Euro bislang nur zu einem geringen Teil abgerufen worden. Die renditesteigernden Effekte des Fiskalpakets würden folglich sukzessive wirken und nicht einmalig. Ebenso werde das angekündigte Infrastrukturpaket nicht einmalig abgerufen, sondern verteilt über die nächsten 10 Jahre.

Nicht zu vernachlässigen seien aber auch resultierende "Crowding-out"-Effekte, wonach der Anstieg der Zinsen zu einer Reduktion der privaten Nachfrage führe. Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen in Europa dürfte sich (in Abhängigkeit von der Entfaltung einer solchen fiskalischen Stimulanz) im Jahresverlauf in einer Spanne von 2,7–3,3 % p. a. bewegen. Auf Jahressicht würden die Analysten ein Renditeniveau von 3,1% bei den 10-jährigen Bundesanleihen erwarten. Die 10-jährigen US-Pendants sähen sie bei 4,3%.

Die Geldpolitik der Notenbanken dürfte auf diese veränderten Perspektiven lediglich maßvoll reagieren. Die US-Inflationsdynamik, die in der Vergangenheit längst gebrochen gewesen sei und abwärts gerichtet gewesen sei, werde durch künftige Zollerhebungen voraussichtlich wenig beeinflusst. Für das Jahresende 2025 würden die Analysten einen Zielwert der US-Konsumpreisinflation von ca. 2,00 % p. a. ohne Berücksichtigung der Zollvolten erwarten. Eine Zollerhebung stelle einen einmalig wirksamen administrierten Inflationsimpuls dar, zu dessen perpetuierender Wirkung auf die Inflation ständig neue Zoll- und -anhebungen treten müssten, die aus heutiger Sicht nicht zu erwarten seien. Somit dürfte die US-Zentralbank im Jahresverlauf 2025 zwei weitere Leitzinssenkungen à 25 Basispunkte vornehmen, sich dafür aber nach Aussage von Notenbankchef Powell mehr Zeit lassen, als bislang zu erwarten gewesen sei. Der Grund dafür liege darin, dass auch die US-Notenbank die Auswirkungen veränderter US-Außenhandelspolitik zunächst abwarten möchte. Die EZB dürfte ihren eingeschlagenen und jüngst bekräftigten geldpolitischen Lockerungskurs ebenfalls fortsetzen, weitere gemessene Leitzinssenkungen erschienen wahrscheinlich.

Trotz aller Sorgen um die US-Wirtschaft: Grundsätzlich blicke die Fed weiterhin auf eine starke US-Wirtschaft, wohingegen die EZB sich mit einer persistierenden Wirtschaftsschwäche im Euroraum konfrontiert sehe. Diese Diskrepanz werde das Zinsbild der nächsten Jahre prägen und sich natürlich auch auf die weitere Geldpolitik der jeweiligen Notenbank auswirken.

Es sei aber dezidiert festzuhalten: Per gegenwärtigem Stand seien leider alle Annahmen zu möglichen Stimulanzwirkungen, die auf die Umsetzung von Aufrüstungs- und Investitionsprojekten zurückgingen, von extremer Prognoseunsicherheit behaftet. Anhaltende Diskussionen auf europäischer Ebene, die noch nicht einmal begonnene Regierungsbildung in Deutschland und Unklarheiten bzgl. der künftigen Rolle der westlichen Verteidigungsallianz würden ein breites Feld stark divergierender (aber nicht per se unberechtigter) Annahmen eröffnen. Zudem müsse bedacht werden, dass stimulierende Maßnahmen bzgl. der konjunkturellen Aktivität auch gegenteilige Effekte an anderer Stelle auslösen könnten. (Ausgabe vom 13.03.2025) (14.03.2025/alc/a/a)