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Der Countdown für Zinssenkungen läuft!
14.12.23 13:30
AllianceBernstein
London (www.anleihencheck.de) - Die FED hat bei Ihrer gestrigen Sitzung die Leitzinsen wie erwartet unverändert bei 5,25 bis 5,50 Prozent belassen, so Eric Winograd, Director-Developed Market Economic Research bei AllianceBernstein.
Obwohl die US-Währungshüter die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen offenhalten würden, sei die Botschaft klar: Der Zyklus der Zinserhöhungen sei vorbei - es sei denn, es gebe signifikante unerwartete Ereignisse. Die Wahrscheinlichkeit einer Senkung in den kommenden Monaten sei größer als die einer Erhöhung. Der Weg, den die FED aufzeige, spiegele die Erwartung von zwei bis drei Zinssenkungen im nächsten Jahr wider - das liege am oberen Ende der Markterwartungen. FED-Chef Jerome Powell habe eingeräumt, dass das FOMC beginne, darüber zu diskutieren, unter welchen Bedingungen Zinssenkungen möglich seien. Das mache die Gesamtbotschaft des heutigen Treffens akkommodierender als erwartet.
Die Prognose der FED für 2024 zeige, dass sie mit einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent von einem eher moderatem Wachstum ausgehe. Daher komme das Gremium zu dem Ergebnis, dass es nicht notwendig sein werde, die Geldpolitik aggressiv zu lockern, um die Wirtschaft zu stützen. Stattdessen würden sie den kommenden Lockerungszyklus als Teil einer Normalisierung betrachten. In Übereinstimmung damit zeige der Fahrplan der FED zwei bis drei Zinssenkungen im Jahr 2024, gefolgt von vier weiteren in 2025. Im Wesentlichen glaube das Gremium, dass es Mitte nächsten Jahres mit der Lockerung beginnen werde und etwa einmal pro Quartal durch 2025 und bis 2026 Senkungen in Höhe von 25 Basispunkten anstreben werde. Die Geldpolitik werde damit langfristig ihr neutrales Niveau erreichen. Was die FED beschreibe, sei ein glatter Weg hin zum Gleichgewicht; die Art von Pfad, die Zentralbanken zwar immer anstreben würden, aber selten erreichen würden.
Die Marktsicht sei deutlich anders: Selbst, wenn der Plan der FED von mehr Zinssenkungen ausgehe als allgemein erwartet, liege er immer noch weit unter der Lockerung, die der Markt längst vorweggenommen habe. Die FED habe die Tür zu zwei bis drei Zinssenkungen im nächsten Jahr geöffnet; der Markt habe dies als Legitimation gesehen, um fünf bis sechs Schnitte einzupreisen.
Im Gegensatz zum Pfad der FED gehe der Markt von einem früheren Beginn und einer schnelleren Geschwindigkeit aus. Er gehe von einem Zyklus aus, der auf eine bevorstehende wirtschaftliche Schwäche reagiere. Ein Zyklus also, der darauf abziele, die Auswirkungen einer Rezession zu verhindern oder abzumildern und nicht darauf, die Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Anders ausgedrückt sei davon auszugehen, dass die Art der aggressiven Lockerung, von der der Markt aktuell ausgehe (weit über 100 Basispunkte im nächsten Jahr, beginnend bereits im März), sowohl einen beschleunigten Rückgang der Inflation als auch klare Anzeichen von wirtschaftlicher Schwäche erfordern würde. Beides lasse sich aktuell nicht bestätigen. Eine dramatische Entwicklung wäre notwendig, um die FED dazu zu bewegen, den vom Markt erwarteten Pfad einzuschlagen.
Auch wenn die Erwartungen des Marktes überzogen sein dürften, werde die wirtschaftliche Abschwächung so reibungslos und schmerzlos ablaufen, wie es die FED impliziere. Eine signifikante Verlangsamung und ein aggressiverer Start des Lockerungszyklus, bei dem das Gremium die Zinssätze in der zweiten Jahreshälfte jeden Monat senke (insgesamt um 100 Basispunkte), sei durchaus im Bereich des Möglichen.
"Unsere Prognosen für die kommenden Monate bergen jedoch diesmal gleich von zwei Seiten Unsicherheiten: Wenn die FED richtig liegt, könnten die US-Währungshüter erst Mitte des Jahres mit Senkungen beginnen und langsamer vorgehen als das aktuell erwartet wird", so Winograd. Das an sich sei kein neues Risiko. Jedoch sei die FED nun scheinbar auch eher bereit, mit den Senkungen früher zu beginnen, wenn sich Anzeichen einer wirtschaftlichen Schwächung abzeichnen würden. Die Marktreaktion sei verständlich, jedoch scheine der Umfang der Reaktion übertrieben.
In seiner Pressekonferenz habe Chairman Powell deutlich gemacht, dass sich die Diskussion im Gremium auf den Beginn eines Lockerungszyklus hinbewegen würden. Er habe betont, dass es noch "einen langen Weg" gebe und dass noch "niemand den Sieg" über die Inflation ausrufen würde. Es sei jedoch klar, dass das FED nun mit erheblichem Vertrauen darauf blicke, dass die Wirtschaft solide auf dem Weg sei, sich neu auszurichten. Notenbankchef Powell habe sich nicht auf klare Indikatoren festgelegt, die Zinssenkungen möglich machen würden. Aber er habe angedeutet, dass es zumindest "weitere Fortschritte" bei der Inflation erfordere, um diesen Weg zu gehen.
Mittelfristig mache es keinen wirklichen Unterschied, ob die erste Senkung im April, Juli oder September erfolge. Daher lasse sich durchaus zweifeln, ob die FED jetzt allzu viel Mühe darauf verwende, einen genauen Zeitpunkt herauszufinden. Sie würden die Entwicklungen von Sitzung zu Sitzung neu bewerten und von den Wirtschaftsdaten ableiten, wann sie handeln müssten. Es sei klar, dass die Entscheidungen der Währungshüter in den kommenden Monaten zunehmend datenabhängiger werden dürften. Trotz dem Straffungsbias in der aktuellen Erklärung der FED seien Zinssenkungen in absehbarer Zeit mehr als wahrscheinlich.
Eine Frage, die in den kommenden Monaten aufkommen dürfte - und eins der wenigen Themen, bei dem Jerome Powell deutlich geworden sei, sei, ob die FED auch ihre Bilanz weiter schrumpfen werde, wenn sie zu Zinssenkungen übergehe. Die Antwort hänge von der Art der Senkungen ab: Wenn es sich um den Typ Normalisierungszyklus handle, den die FED sich vorstelle, liege es nahe, dass die Zentralbanker die Reduzierung fortsetzen würden. Eine Normalisierung der Bilanz und eine Normalisierung des Zinsniveaus schließe sich nicht gegenseitig aus. Aber wenn die implizite Sicht des Marktes auf eine schärfere Verlangsamung und einen Lockerungszyklus ausgerichtet sei, um wirtschaftliche Schwäche zu mildern, erwarte Winograd, dass die FED die Reduzierung ihrer Bilanz stoppe, sobald sich die Notwendigkeit einer Zinssenkung abzeichne. Das sei jedoch eine Diskussion für einen späteren Zeitpunkt. (14.12.2023/alc/a/a)
Obwohl die US-Währungshüter die Möglichkeit weiterer Zinserhöhungen offenhalten würden, sei die Botschaft klar: Der Zyklus der Zinserhöhungen sei vorbei - es sei denn, es gebe signifikante unerwartete Ereignisse. Die Wahrscheinlichkeit einer Senkung in den kommenden Monaten sei größer als die einer Erhöhung. Der Weg, den die FED aufzeige, spiegele die Erwartung von zwei bis drei Zinssenkungen im nächsten Jahr wider - das liege am oberen Ende der Markterwartungen. FED-Chef Jerome Powell habe eingeräumt, dass das FOMC beginne, darüber zu diskutieren, unter welchen Bedingungen Zinssenkungen möglich seien. Das mache die Gesamtbotschaft des heutigen Treffens akkommodierender als erwartet.
Die Prognose der FED für 2024 zeige, dass sie mit einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent von einem eher moderatem Wachstum ausgehe. Daher komme das Gremium zu dem Ergebnis, dass es nicht notwendig sein werde, die Geldpolitik aggressiv zu lockern, um die Wirtschaft zu stützen. Stattdessen würden sie den kommenden Lockerungszyklus als Teil einer Normalisierung betrachten. In Übereinstimmung damit zeige der Fahrplan der FED zwei bis drei Zinssenkungen im Jahr 2024, gefolgt von vier weiteren in 2025. Im Wesentlichen glaube das Gremium, dass es Mitte nächsten Jahres mit der Lockerung beginnen werde und etwa einmal pro Quartal durch 2025 und bis 2026 Senkungen in Höhe von 25 Basispunkten anstreben werde. Die Geldpolitik werde damit langfristig ihr neutrales Niveau erreichen. Was die FED beschreibe, sei ein glatter Weg hin zum Gleichgewicht; die Art von Pfad, die Zentralbanken zwar immer anstreben würden, aber selten erreichen würden.
Die Marktsicht sei deutlich anders: Selbst, wenn der Plan der FED von mehr Zinssenkungen ausgehe als allgemein erwartet, liege er immer noch weit unter der Lockerung, die der Markt längst vorweggenommen habe. Die FED habe die Tür zu zwei bis drei Zinssenkungen im nächsten Jahr geöffnet; der Markt habe dies als Legitimation gesehen, um fünf bis sechs Schnitte einzupreisen.
Auch wenn die Erwartungen des Marktes überzogen sein dürften, werde die wirtschaftliche Abschwächung so reibungslos und schmerzlos ablaufen, wie es die FED impliziere. Eine signifikante Verlangsamung und ein aggressiverer Start des Lockerungszyklus, bei dem das Gremium die Zinssätze in der zweiten Jahreshälfte jeden Monat senke (insgesamt um 100 Basispunkte), sei durchaus im Bereich des Möglichen.
"Unsere Prognosen für die kommenden Monate bergen jedoch diesmal gleich von zwei Seiten Unsicherheiten: Wenn die FED richtig liegt, könnten die US-Währungshüter erst Mitte des Jahres mit Senkungen beginnen und langsamer vorgehen als das aktuell erwartet wird", so Winograd. Das an sich sei kein neues Risiko. Jedoch sei die FED nun scheinbar auch eher bereit, mit den Senkungen früher zu beginnen, wenn sich Anzeichen einer wirtschaftlichen Schwächung abzeichnen würden. Die Marktreaktion sei verständlich, jedoch scheine der Umfang der Reaktion übertrieben.
In seiner Pressekonferenz habe Chairman Powell deutlich gemacht, dass sich die Diskussion im Gremium auf den Beginn eines Lockerungszyklus hinbewegen würden. Er habe betont, dass es noch "einen langen Weg" gebe und dass noch "niemand den Sieg" über die Inflation ausrufen würde. Es sei jedoch klar, dass das FED nun mit erheblichem Vertrauen darauf blicke, dass die Wirtschaft solide auf dem Weg sei, sich neu auszurichten. Notenbankchef Powell habe sich nicht auf klare Indikatoren festgelegt, die Zinssenkungen möglich machen würden. Aber er habe angedeutet, dass es zumindest "weitere Fortschritte" bei der Inflation erfordere, um diesen Weg zu gehen.
Mittelfristig mache es keinen wirklichen Unterschied, ob die erste Senkung im April, Juli oder September erfolge. Daher lasse sich durchaus zweifeln, ob die FED jetzt allzu viel Mühe darauf verwende, einen genauen Zeitpunkt herauszufinden. Sie würden die Entwicklungen von Sitzung zu Sitzung neu bewerten und von den Wirtschaftsdaten ableiten, wann sie handeln müssten. Es sei klar, dass die Entscheidungen der Währungshüter in den kommenden Monaten zunehmend datenabhängiger werden dürften. Trotz dem Straffungsbias in der aktuellen Erklärung der FED seien Zinssenkungen in absehbarer Zeit mehr als wahrscheinlich.
Eine Frage, die in den kommenden Monaten aufkommen dürfte - und eins der wenigen Themen, bei dem Jerome Powell deutlich geworden sei, sei, ob die FED auch ihre Bilanz weiter schrumpfen werde, wenn sie zu Zinssenkungen übergehe. Die Antwort hänge von der Art der Senkungen ab: Wenn es sich um den Typ Normalisierungszyklus handle, den die FED sich vorstelle, liege es nahe, dass die Zentralbanker die Reduzierung fortsetzen würden. Eine Normalisierung der Bilanz und eine Normalisierung des Zinsniveaus schließe sich nicht gegenseitig aus. Aber wenn die implizite Sicht des Marktes auf eine schärfere Verlangsamung und einen Lockerungszyklus ausgerichtet sei, um wirtschaftliche Schwäche zu mildern, erwarte Winograd, dass die FED die Reduzierung ihrer Bilanz stoppe, sobald sich die Notwendigkeit einer Zinssenkung abzeichne. Das sei jedoch eine Diskussion für einen späteren Zeitpunkt. (14.12.2023/alc/a/a)


