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Corporate Bonds oft die besseren Staatsanleihen
28.02.13 15:18
Baader Bank
Unterschleissheim (www.anleihencheck.de) - Italiens Wähler haben es wieder geschafft und die Finanzmärkte weltweit geschockt, so Klaus Stopp, Leiter der Skontroführung Renten bei der Baader Bank.
Habe man im Vorfeld der Wahlen noch über den "Alten Mann und das Medienimperium" geschmunzelt, so sei jetzt vielen das Lachen vergangen. Deutlicher habe man Mario Monti und den Politikern in Europa nicht demonstrieren können, was viele Italiener von den bisherigen Sparmaßnahmen halten würden. Ein Volk, das mit über 50% der abgegebenen Stimmen gegen die aktuellen Reformen und die damit zusammenhängende Sparpolitik gestimmt habe, erinnere sehr stark an einen Ertrinkenden, der nicht gerettet werden wolle.
Italien sei nach dem Wochenende unregierbar und es würden sich nochmals Neuwahlen abzeichnen. Denn mit diesen Machtverhältnissen sei eine sinnvolle Sanierung Italiens nicht machbar. Selbst die Möglichkeit einer großen Koalition zwischen Bersani und Berlusconi würde keine Besserung bringen. Außerdem würde es dem Ex-Ministerpräsidenten Berlusconi ein politisches Gewicht zukommen lassen, das diesem "Bunga Bunga"-Macho nicht zustehe.
In diesem Zusammenhang sei auch auf den unterschiedlichen Umgang mit sexistischen Äußerungen in Deutschland und Italien verwiesen. Während auf der einen Seite der Alpen der Politiker Brüderle in diversen Talkrunden abgestraft worden sei, dürfe auf der anderen Seite der Alpen der Medienmogul Berlusconi sich als Hoffnungsträger Italiens fühlen. Zuerst mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt und jetzt von großen Teilen der italienischen Bevölkerung zurückgesehnt. Dieses Wahlergebnis strahle auf ganz Europa aus. Dadurch gelinge es Berlusconi Europa in Angst und Schrecken zu versetzen.
Sollte es nicht gelingen, die drittgrößte Volkswirtschaft Europas vernünftig in die europäische Staatengemeinschaft einzubinden, dann würde das teilweise noch vorhandene Verständnis zur Rettung der Krisenländer erlahmen. Denn wie solle man den reformwilligen Bürgern Eurolands verständlich machen, dass die von ihnen verlangten Einschränkungen notwendig seien, um das Zusammenwachsen in Europa zu fördern? Der Wahlausgang habe somit deutlich vor Augen geführt, dass in der Not immer noch das Motto gelte: "Das Hemd ist mir näher als der Rock".
Auch wenn es unsere Politiker nicht wahrhaben wollen, Europa ist ein Pulverfass, so die Analysten der Baader Bank. Und daran ändere auch ein mit 700.000,-- EUR geförderter Film nichts, der dem europäischen Gedanken neues Leben einhauchen solle. Europa entstehe in den Herzen der Menschen, nicht über Marketing oder mehr Bürokratie, sondern über Vertrauen und Verlässlichkeit. Das müssen unsere Politiker noch lernen, so die Analysten der Baader Bank.
Als Ausweichreaktion auf gestiegene I-Traxx-Indices und die Verunsicherung, die von Italien und Spanien ausgehe, hätten Anleger in dieser Woche wieder einen verstärkten Fokus auf deutsche Corporate Bonds gelegt. So stehe an den Börsen Düsseldorf und München die in der vergangenen Woche emittierte Anleihe (ISIN DE000A1R08U3 / WKN A1R08U) von ThyssenKrupp mit Fälligkeit 8/2018 und ca. 3,75% Rendite weiter auf den Kauflisten. Ebenso gesucht seien Bonds (ISIN XS0875797515 / WKN A1UDV4) der Deutschen Telekom, die bis 1/2028 laufen und mit ca. 3,15% rentieren würden. Begehrt seien auch die Anleihen der beiden deutschen Autobauer Daimler und BMW. Hier stünden vor allem eine Anleihe (ISIN DE000A1PGWA5 / WKN A1PGWA) von Daimler mit Fälligkeit 9/2022 und ca. 2,15% Rendite sowie ein Bond (ISIN XS0877622380 / WKN A1HE2F) von BMW, der bei einer Laufzeit 10/2016 mit ca. 0,9% rentiere, im Mittelpunkt des Interesses.
Die erhöhte Nachfrage nach vermeintlich guter Qualität habe früher stets zu einem Run auf deutsche Staatsanleihen geführt. Dieser "Flight to Quality" sei zwar in solchen Krisenzeiten immer noch ein Thema, da nur die Volumina von Staatsanleihen die Nachfrage institutioneller Kunden stillen könnten. Aber Privatinvestoren hätten sich schon lange entschieden. Für sie seien Corporate Bonds oft die besseren Staatsanleihen.
Jetzt habe es auch die Briten erwischt. Weil Moody's der Regierung in London offenbar nicht mehr zutraue, bei dem schwachen Wirtschaftswachstum die ausufernden Staatsschulden in den Griff zu bekommen, habe die Ratingagentur Großbritannien die Topnote "AAA" entzogen. Dazu habe der Sparkurs der Regierung Cameron beigetragen, der nach den Erwartungen von Moody's die Konjunktur auch in der 2. Jahreshälfte belasten werde. London habe bereits 375 Mrd. Pfund an zusätzlicher Liquidität in die Märkte gepumpt. Doch nun würden allmählich die Mittel ausgehen, so dass die Bank of England kürzlich eingeräumt habe, mittlerweile höhere Inflationsraten in Kauf nehmen zu wollen. Daraufhin sei das Britische Pfund eingebrochen, die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen seien innerhalb von sechs Monaten von 1,5% auf über 2% gestiegen und würden aktuell bei ca. 1,96% notieren.
Die Rating-Agenturen würden auch in diesem Fall das altbekannte Spiel spielen: "guter Bube, böser Bube". Gemäß diesem Motto habe sich Standard & Poor's geäußert, dass man aktuell keinen Anpassungsbedarf sehe, die Entwicklung allerdings weiter beobachten werde. Im Vorfeld der Veröffentlichung des Haushaltsplans am 20. März werde durch diese Maßnahme die Diskussion um die "richtige" Haushaltspolitik neu entfacht.
Die Eurozone stecke weiter tief in der Rezession. Auch für 2013 erwarte die EU-Kommission, dass die Wirtschaft um 0,3% schrumpfen werde. Erst für 2014 werde mit einem Wachstum von 1,4% gerechnet. Dies werde nicht reichen, die Arbeitslosigkeit in der Eurozone von derzeit rund 12% entscheidend zu verringern. Am schlimmsten seien Spanien und Griechenland betroffen, wo sich die Arbeitslosigkeit auf einem Niveau von 27% bewege.
Hinzu komme, dass die EU-Kommission davon ausgehe, dass sich die Staatsdefizite von Frankreich und Spanien schlechter - als noch im Herbst erwartet - entwickeln würden. Frankreich werde demzufolge weder 2013 noch 2014 die EU-Obergrenze einhalten und auf 3,7% bzw. 3,9% kommen. Mit einer Arbeitslosigkeit auf dem höchsten Stand seit über 15 Jahren sei auch nicht mit einer baldigen Besserung zu rechnen. Nach Aussage des spanischen Ministerpräsidenten Rajoy werde auch Spanien für 2012 ein Defizit von 6,7% nach Brüssel melden und somit die Vorgaben nicht einhalten können. Und auch für die nächsten Jahre erwarte die EU-Kommission keine Entwarnung bei ihren "Sorgenkindern".
Dennoch habe Deutschland erstmals seit fünf Jahren wieder einen Haushaltsüberschuss verbucht und das trotz eines Konjunktureinbruchs am Jahresende. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung hätten zusammen 4,1 Mrd. EUR mehr eingenommen, als sie ausgegeben hätten.
Ausgerechnet Italien, wo sich anti-europäische Ressentiments stark in den jüngsten Wahlergebnissen niedergeschlagen hätten, habe am stärksten von dem inzwischen beendeten Ankaufprogramm für Staatsanleihen der Zentralbanken der Eurozone profitiert. So hätten laut EZB per Ende 2012 italienische Staatsanleihen im Nominalwert von 102,8 Mrd. EUR in den Büchern gestanden. An zweiter Stelle folge Spanien mit 44,3 Mrd. EUR vor Griechenland mit 33,9 Mrd. EUR. Allerdings habe auch die EZB von den Käufen profitiert. So habe sie Zinseinnahmen von 1,2 Mrd. EUR generiert, wovon allein 555 Mio. EUR aus Griechenland gekommen seien. Zur Zeit der Anleihekäufe habe man bereits vermutet, dass vor allem spanische und italienische Titel aufgekauft würden.
Dennoch sei es zu kurz gesprungen, wenn man sich bei der EZB über die Zinseinnahmen freue. Denn die jüngste Diskussion zu einem erneuten Schuldenschnitt Griechenlands habe verdeutlicht, dass es dann die öffentlichen Gläubiger erwischen könnte. Auch wenn der Kelch aus anderen Gründen noch an der EZB vorbei gehen könnte, dann würden andere öffentliche Institutionen verstärkt zur Kasse gebeten werden und das würde sicherlich die Gewinne, die nach dem Kapitalschlüssel an die Zentralbanken der Mitgliedsländer ausgeschüttet worden seien, übersteigen. Somit seien die Risiken aus diesen Anleihekäufen weiterhin nicht zu vernachlässigen.
Aufgrund der konjunkturellen europa- sowie weltweiten Verunsicherung komme es momentan zu einer "Bestreikung" des Primärmarktes für Unternehmensanleihen. Viele Finanzvorstände hätten bereits im Jahr 2012 Vorsorge getroffen und würden auf gut gefüllten "Kriegskassen" sitzen. Lediglich mittelständische Unternehmen würden weiterhin um die Gunst der Anleger buhlen. Hohe jährliche Kupons, die wie im Falle der Solen AG als Köder gewirkt hätten, hätten viele Privatpersonen angelockt und sich teilweise als "vergifteter Apfel" herausgestellt.
Politische Börsen hätten meist nur eine kurze Lebensdauer und die Unternehmen würden sich schon bald den gegebenen Rahmenbedingungen anpassen. Dann sollte es auch wieder zukunftsorientierte Investments geben, die eine Refinanzierung an den Kapitalmärkten erfordere. Diese "Saure-Gurken"-Zeit gelte es für die Investoren nun zu überbrücken.
In den vergangenen Handelswochen habe die Marke von 143% beim Euro-Bund-Future noch als unüberwindbare Hürde gegolten. Aber dank der drei italienischen B's (Berlusconi, Bersani und Beppe) habe ein bisheriges Jahreshoch bei 145,40% markiert werden können. Es bleibe nun abzuwarten, wie lange Italien die "Top-Story" an den Märkten bleibe, denn mit Italien seien auch Befürchtungen bezüglich anderer Krisenherde ins Bewusstsein der Börsianer zurückgekehrt. Denn ehrlich gesagt seien die Probleme in Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Portugal, Spanien und USA weiterhin ungelöst und es sei auch keine rettende Idee à la Wickie in Sicht. Somit hänge die Kursentwicklung des Euro-Bund-Futures weiterhin von den Meldungen aus den Krisenregionen ab.
Nach oben sei ein Test des Bereichs um 145,82% (High vom 28.12.2012) möglich und nach unten stelle die Zone zwischen 143,50% und 144,00% eine starke Unterstützung dar. Da nicht mit einer baldigen sinnvollen Regierungsbildung in Rom zu rechnen ist, wird uns diese Unsicherheit noch einige Tage und Wochen begleiten, so die Analysten der Baader Bank.
Am gestrigen Mittwoch seien alle Augen gen Rom gerichtet gewesen, denn dort sei es zu einer bereits seit Wochen geplanten Auktion italienischer Staatsanleihen gekommen. Dieser Stimmungstest sei angesichts der politischen Hängepartie in Italien mit Spannung erwartet worden und sollte erste Indizien liefern über das zukünftige Anlegerverhalten. Bereits die Tatsache, dass die Auktion nicht abgesagt worden sei, verdeutliche einerseits die finanzielle Bedürftigkeit, aber auch andererseits die Demonstration von Konstanz in finanzpolitischen Dingen.
Dass Italien infolge der logischen Spreadausweitungen höhere Zinsen habe zahlen müssen, sei nicht verwunderlich gewesen. So habe bei einer 1,6-fachen Überzeichnung für zehnjährige Staatspapiere eine Rendite von 4,83% (die höchste seit Oktober 2012) gezahlt werden müssen. Gegenüber der Auktion vor vier Wochen sei das eine deutliche Steigerung, denn damals hätten den Investoren lediglich 4,17% gezahlt werden müssen. Trotz einer 1,6-fachen Überzeichnung bei der fünfjährigen Anleihe habe allerdings auch dort deutlich mehr bezahlt werden müssen (3,59% nach 2,94% im Januar).
Es kam, wie es kommen musste, so die Analysten der Baader Bank. Die Wahl in Italien habe leider nicht zu dem erhofften Wahlausgang geführt. Im Gegenteil, nachdem die Ergebnisse veröffentlicht worden seien, sei es an den Märkten turbulent zugegangen, so auch am Devisenmarkt. Verunsicherung und Skepsis hätten überhandgenommen und somit die europäische Gemeinschaftswährung deutlich auf Talfahrt geschickt.
Die Anleger würden aktuell dem Euro den Rücken zudrehen und in den vermeintlich sicheren Dollar flüchten. So habe die Einheitswährung rasant an Boden verloren. In sehr kurzer Zeit sei es bis auf 1,3019 USD zurückgegangen. Damit sei ein neues Sieben-Wochen-Tief markiert worden.
Daher passe es auch ins Bild, dass der Euro gegenüber dem Südafrikanischen Rand (ZAR) ein neues Monatstief bei 11,485 ZAR und zum Brasilianischen Real (BRL) gar ein Jahres-Low mit 2,5810 BRL habe hinnehmen müssen.
Die angespannte Lage in der Eurozone rücke die Gemeinschaftswährung in kein gutes Licht. So würden Fremdwährungsanleihen als ein attraktives Investment zur Risikobeimischung erscheinen. Zu Anlegers Lieblingen würden immer noch Anleihen auf Norwegische Kronen (NOK) und Australische Dollar (AUD) zählen, aber auch Bonds auf Südafrikanische Rand und Brasilianische Real würden verstärkt nachgefragt.
Disclaimer
Die hier wiedergegebenen Publikationen, Kommentare oder sonstigen Beiträge wurden von den im Namen der Baader Bank AG Stellung nehmenden Autoren oder Kommentatoren sorgfältig zusammengestellt und beruhen zum Teil auf allgemein zugänglichen Quellen und Daten Dritter, für deren Richtigkeit und Vollständigkeit wir keine Gewähr übernehmen können. Sie stellen eine Übersicht und Zusammenfassung ausgewählter Meldungen und Zahlen dar. Die Informationen stellen keine Anlageberatung, keine Anlageempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung dar.
Die Informationen wurden einzig zu Informations- und Marketingzwecken zur Verwendung durch den Empfänger erstellt. Sie stellen keine Finanzanalyse i.S. des § 34b WpHG dar und genügen deshalb nicht allen gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen und unterliegen nicht dem Verbot des Handelns vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen.
Es wird keine Gewähr für die Geeignetheit und Angemessenheit der dargestellten Finanzinstrumente sowie für die wirtschaftlichen und steuerlichen Konsequenzen einer Anlage in den dargestellten Finanzinstrumenten und für deren zukünftige Wertentwicklung übernommen. Die in der Vergangenheit erzielte Performance ist kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Bitte beachten Sie, dass Aussagen über zukünftige wirtschaftliche Entwicklungen grundsätzlich auf Annahmen und Einschätzungen basieren, die sich im Zeitablauf als nicht zutreffend erweisen können. Es wird daher dringend geraten, unabhängigen Rat von Anlage- und Steuerberatern einzuholen.
Durch das Zurverfügungstellen dieser Informationen wird der Empfänger weder zum Kunden der Baader Bank AG, noch entstehen der Baader Bank AG dadurch irgendwelche Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten dem Empfänger gegenüber, insbesondere kommt kein Auskunftsvertrag zwischen der Baader Bank AG und dem Empfänger dieser Informationen zustande.
Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
Der Versand oder die Vervielfältigung dieses Dokuments ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung der Baader Bank AG nicht gestattet. Dieses Dokument enthält möglicherweise Links oder Hinweise auf die Webseiten von Dritten, welche von der Baader Bank AG nicht kontrolliert werden können und daher kann die Baader Bank AG keine Verantwortung für den Inhalt von solchen Webseiten Dritter oder darin enthaltenen weiteren Links übernehmen.
Copyright ©: Veröffentlicht von Baader Bank AG, Weihenstephaner Straße 4, 85716 Unterschleißheim, Deutschland.
Baader Bank AG ist eine Aktiengesellschaft nach dem Recht der Bundesrepublik Deutschland mit Hauptgeschäftssitz in München. Baader Bank AG ist beim Amtsgericht in München unter der Nummer HRB 121537 eingetragen und wird beaufsichtigt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Marie-Curie-Straße 24-28, 60439 Frankfurt am Main und Graurheindorfer Straße 108, 53117 Bonn. Die Umsatzsteueridentifikationsnummer von Baader Bank AG ist DE 114123893.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Dr. Horst Schiessl. Die Mitglieder des Vorstands sind Uto Baader (Vorsitzender), Nico Baader, Dieter Brichmann und Dieter Silmen. (28.02.2013/alc/a/a)
Habe man im Vorfeld der Wahlen noch über den "Alten Mann und das Medienimperium" geschmunzelt, so sei jetzt vielen das Lachen vergangen. Deutlicher habe man Mario Monti und den Politikern in Europa nicht demonstrieren können, was viele Italiener von den bisherigen Sparmaßnahmen halten würden. Ein Volk, das mit über 50% der abgegebenen Stimmen gegen die aktuellen Reformen und die damit zusammenhängende Sparpolitik gestimmt habe, erinnere sehr stark an einen Ertrinkenden, der nicht gerettet werden wolle.
Italien sei nach dem Wochenende unregierbar und es würden sich nochmals Neuwahlen abzeichnen. Denn mit diesen Machtverhältnissen sei eine sinnvolle Sanierung Italiens nicht machbar. Selbst die Möglichkeit einer großen Koalition zwischen Bersani und Berlusconi würde keine Besserung bringen. Außerdem würde es dem Ex-Ministerpräsidenten Berlusconi ein politisches Gewicht zukommen lassen, das diesem "Bunga Bunga"-Macho nicht zustehe.
In diesem Zusammenhang sei auch auf den unterschiedlichen Umgang mit sexistischen Äußerungen in Deutschland und Italien verwiesen. Während auf der einen Seite der Alpen der Politiker Brüderle in diversen Talkrunden abgestraft worden sei, dürfe auf der anderen Seite der Alpen der Medienmogul Berlusconi sich als Hoffnungsträger Italiens fühlen. Zuerst mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt und jetzt von großen Teilen der italienischen Bevölkerung zurückgesehnt. Dieses Wahlergebnis strahle auf ganz Europa aus. Dadurch gelinge es Berlusconi Europa in Angst und Schrecken zu versetzen.
Sollte es nicht gelingen, die drittgrößte Volkswirtschaft Europas vernünftig in die europäische Staatengemeinschaft einzubinden, dann würde das teilweise noch vorhandene Verständnis zur Rettung der Krisenländer erlahmen. Denn wie solle man den reformwilligen Bürgern Eurolands verständlich machen, dass die von ihnen verlangten Einschränkungen notwendig seien, um das Zusammenwachsen in Europa zu fördern? Der Wahlausgang habe somit deutlich vor Augen geführt, dass in der Not immer noch das Motto gelte: "Das Hemd ist mir näher als der Rock".
Auch wenn es unsere Politiker nicht wahrhaben wollen, Europa ist ein Pulverfass, so die Analysten der Baader Bank. Und daran ändere auch ein mit 700.000,-- EUR geförderter Film nichts, der dem europäischen Gedanken neues Leben einhauchen solle. Europa entstehe in den Herzen der Menschen, nicht über Marketing oder mehr Bürokratie, sondern über Vertrauen und Verlässlichkeit. Das müssen unsere Politiker noch lernen, so die Analysten der Baader Bank.
Als Ausweichreaktion auf gestiegene I-Traxx-Indices und die Verunsicherung, die von Italien und Spanien ausgehe, hätten Anleger in dieser Woche wieder einen verstärkten Fokus auf deutsche Corporate Bonds gelegt. So stehe an den Börsen Düsseldorf und München die in der vergangenen Woche emittierte Anleihe (ISIN DE000A1R08U3 / WKN A1R08U) von ThyssenKrupp mit Fälligkeit 8/2018 und ca. 3,75% Rendite weiter auf den Kauflisten. Ebenso gesucht seien Bonds (ISIN XS0875797515 / WKN A1UDV4) der Deutschen Telekom, die bis 1/2028 laufen und mit ca. 3,15% rentieren würden. Begehrt seien auch die Anleihen der beiden deutschen Autobauer Daimler und BMW. Hier stünden vor allem eine Anleihe (ISIN DE000A1PGWA5 / WKN A1PGWA) von Daimler mit Fälligkeit 9/2022 und ca. 2,15% Rendite sowie ein Bond (ISIN XS0877622380 / WKN A1HE2F) von BMW, der bei einer Laufzeit 10/2016 mit ca. 0,9% rentiere, im Mittelpunkt des Interesses.
Die erhöhte Nachfrage nach vermeintlich guter Qualität habe früher stets zu einem Run auf deutsche Staatsanleihen geführt. Dieser "Flight to Quality" sei zwar in solchen Krisenzeiten immer noch ein Thema, da nur die Volumina von Staatsanleihen die Nachfrage institutioneller Kunden stillen könnten. Aber Privatinvestoren hätten sich schon lange entschieden. Für sie seien Corporate Bonds oft die besseren Staatsanleihen.
Jetzt habe es auch die Briten erwischt. Weil Moody's der Regierung in London offenbar nicht mehr zutraue, bei dem schwachen Wirtschaftswachstum die ausufernden Staatsschulden in den Griff zu bekommen, habe die Ratingagentur Großbritannien die Topnote "AAA" entzogen. Dazu habe der Sparkurs der Regierung Cameron beigetragen, der nach den Erwartungen von Moody's die Konjunktur auch in der 2. Jahreshälfte belasten werde. London habe bereits 375 Mrd. Pfund an zusätzlicher Liquidität in die Märkte gepumpt. Doch nun würden allmählich die Mittel ausgehen, so dass die Bank of England kürzlich eingeräumt habe, mittlerweile höhere Inflationsraten in Kauf nehmen zu wollen. Daraufhin sei das Britische Pfund eingebrochen, die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen seien innerhalb von sechs Monaten von 1,5% auf über 2% gestiegen und würden aktuell bei ca. 1,96% notieren.
Die Rating-Agenturen würden auch in diesem Fall das altbekannte Spiel spielen: "guter Bube, böser Bube". Gemäß diesem Motto habe sich Standard & Poor's geäußert, dass man aktuell keinen Anpassungsbedarf sehe, die Entwicklung allerdings weiter beobachten werde. Im Vorfeld der Veröffentlichung des Haushaltsplans am 20. März werde durch diese Maßnahme die Diskussion um die "richtige" Haushaltspolitik neu entfacht.
Die Eurozone stecke weiter tief in der Rezession. Auch für 2013 erwarte die EU-Kommission, dass die Wirtschaft um 0,3% schrumpfen werde. Erst für 2014 werde mit einem Wachstum von 1,4% gerechnet. Dies werde nicht reichen, die Arbeitslosigkeit in der Eurozone von derzeit rund 12% entscheidend zu verringern. Am schlimmsten seien Spanien und Griechenland betroffen, wo sich die Arbeitslosigkeit auf einem Niveau von 27% bewege.
Hinzu komme, dass die EU-Kommission davon ausgehe, dass sich die Staatsdefizite von Frankreich und Spanien schlechter - als noch im Herbst erwartet - entwickeln würden. Frankreich werde demzufolge weder 2013 noch 2014 die EU-Obergrenze einhalten und auf 3,7% bzw. 3,9% kommen. Mit einer Arbeitslosigkeit auf dem höchsten Stand seit über 15 Jahren sei auch nicht mit einer baldigen Besserung zu rechnen. Nach Aussage des spanischen Ministerpräsidenten Rajoy werde auch Spanien für 2012 ein Defizit von 6,7% nach Brüssel melden und somit die Vorgaben nicht einhalten können. Und auch für die nächsten Jahre erwarte die EU-Kommission keine Entwarnung bei ihren "Sorgenkindern".
Dennoch habe Deutschland erstmals seit fünf Jahren wieder einen Haushaltsüberschuss verbucht und das trotz eines Konjunktureinbruchs am Jahresende. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung hätten zusammen 4,1 Mrd. EUR mehr eingenommen, als sie ausgegeben hätten.
Ausgerechnet Italien, wo sich anti-europäische Ressentiments stark in den jüngsten Wahlergebnissen niedergeschlagen hätten, habe am stärksten von dem inzwischen beendeten Ankaufprogramm für Staatsanleihen der Zentralbanken der Eurozone profitiert. So hätten laut EZB per Ende 2012 italienische Staatsanleihen im Nominalwert von 102,8 Mrd. EUR in den Büchern gestanden. An zweiter Stelle folge Spanien mit 44,3 Mrd. EUR vor Griechenland mit 33,9 Mrd. EUR. Allerdings habe auch die EZB von den Käufen profitiert. So habe sie Zinseinnahmen von 1,2 Mrd. EUR generiert, wovon allein 555 Mio. EUR aus Griechenland gekommen seien. Zur Zeit der Anleihekäufe habe man bereits vermutet, dass vor allem spanische und italienische Titel aufgekauft würden.
Dennoch sei es zu kurz gesprungen, wenn man sich bei der EZB über die Zinseinnahmen freue. Denn die jüngste Diskussion zu einem erneuten Schuldenschnitt Griechenlands habe verdeutlicht, dass es dann die öffentlichen Gläubiger erwischen könnte. Auch wenn der Kelch aus anderen Gründen noch an der EZB vorbei gehen könnte, dann würden andere öffentliche Institutionen verstärkt zur Kasse gebeten werden und das würde sicherlich die Gewinne, die nach dem Kapitalschlüssel an die Zentralbanken der Mitgliedsländer ausgeschüttet worden seien, übersteigen. Somit seien die Risiken aus diesen Anleihekäufen weiterhin nicht zu vernachlässigen.
Aufgrund der konjunkturellen europa- sowie weltweiten Verunsicherung komme es momentan zu einer "Bestreikung" des Primärmarktes für Unternehmensanleihen. Viele Finanzvorstände hätten bereits im Jahr 2012 Vorsorge getroffen und würden auf gut gefüllten "Kriegskassen" sitzen. Lediglich mittelständische Unternehmen würden weiterhin um die Gunst der Anleger buhlen. Hohe jährliche Kupons, die wie im Falle der Solen AG als Köder gewirkt hätten, hätten viele Privatpersonen angelockt und sich teilweise als "vergifteter Apfel" herausgestellt.
Politische Börsen hätten meist nur eine kurze Lebensdauer und die Unternehmen würden sich schon bald den gegebenen Rahmenbedingungen anpassen. Dann sollte es auch wieder zukunftsorientierte Investments geben, die eine Refinanzierung an den Kapitalmärkten erfordere. Diese "Saure-Gurken"-Zeit gelte es für die Investoren nun zu überbrücken.
Nach oben sei ein Test des Bereichs um 145,82% (High vom 28.12.2012) möglich und nach unten stelle die Zone zwischen 143,50% und 144,00% eine starke Unterstützung dar. Da nicht mit einer baldigen sinnvollen Regierungsbildung in Rom zu rechnen ist, wird uns diese Unsicherheit noch einige Tage und Wochen begleiten, so die Analysten der Baader Bank.
Am gestrigen Mittwoch seien alle Augen gen Rom gerichtet gewesen, denn dort sei es zu einer bereits seit Wochen geplanten Auktion italienischer Staatsanleihen gekommen. Dieser Stimmungstest sei angesichts der politischen Hängepartie in Italien mit Spannung erwartet worden und sollte erste Indizien liefern über das zukünftige Anlegerverhalten. Bereits die Tatsache, dass die Auktion nicht abgesagt worden sei, verdeutliche einerseits die finanzielle Bedürftigkeit, aber auch andererseits die Demonstration von Konstanz in finanzpolitischen Dingen.
Dass Italien infolge der logischen Spreadausweitungen höhere Zinsen habe zahlen müssen, sei nicht verwunderlich gewesen. So habe bei einer 1,6-fachen Überzeichnung für zehnjährige Staatspapiere eine Rendite von 4,83% (die höchste seit Oktober 2012) gezahlt werden müssen. Gegenüber der Auktion vor vier Wochen sei das eine deutliche Steigerung, denn damals hätten den Investoren lediglich 4,17% gezahlt werden müssen. Trotz einer 1,6-fachen Überzeichnung bei der fünfjährigen Anleihe habe allerdings auch dort deutlich mehr bezahlt werden müssen (3,59% nach 2,94% im Januar).
Es kam, wie es kommen musste, so die Analysten der Baader Bank. Die Wahl in Italien habe leider nicht zu dem erhofften Wahlausgang geführt. Im Gegenteil, nachdem die Ergebnisse veröffentlicht worden seien, sei es an den Märkten turbulent zugegangen, so auch am Devisenmarkt. Verunsicherung und Skepsis hätten überhandgenommen und somit die europäische Gemeinschaftswährung deutlich auf Talfahrt geschickt.
Die Anleger würden aktuell dem Euro den Rücken zudrehen und in den vermeintlich sicheren Dollar flüchten. So habe die Einheitswährung rasant an Boden verloren. In sehr kurzer Zeit sei es bis auf 1,3019 USD zurückgegangen. Damit sei ein neues Sieben-Wochen-Tief markiert worden.
Daher passe es auch ins Bild, dass der Euro gegenüber dem Südafrikanischen Rand (ZAR) ein neues Monatstief bei 11,485 ZAR und zum Brasilianischen Real (BRL) gar ein Jahres-Low mit 2,5810 BRL habe hinnehmen müssen.
Die angespannte Lage in der Eurozone rücke die Gemeinschaftswährung in kein gutes Licht. So würden Fremdwährungsanleihen als ein attraktives Investment zur Risikobeimischung erscheinen. Zu Anlegers Lieblingen würden immer noch Anleihen auf Norwegische Kronen (NOK) und Australische Dollar (AUD) zählen, aber auch Bonds auf Südafrikanische Rand und Brasilianische Real würden verstärkt nachgefragt.
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Es wird darauf hingewiesen, dass die Baader Bank an fünf deutschen Börsen als Skontroführer tätig ist und es möglich ist, dass das Institut in den beschriebenen Anlageinstrumenten eigene Positionen hält. Dieser Aspekt kann Einfluss auf die Informationen haben. Bitte beachten Sie auch die Ausführungen in dem Dokument "Umgang mit Interessenkonflikten bei der Baader Bank Aktiengesellschaft" das Sie unter www.baaderbank.de abrufen können.
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