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Corona-Krise: EZB steht Gewehr bei Fuß


03.03.20 11:30
FONDS professionell

Wien (www.anleihencheck.de) - Ökonomen schlagen Alarm: Der Ausbruch des Coronavirus könnte die Weltwirtschaft so stark belasten wie zuletzt die Finanzkrise 2008/2009, so die Experten von "FONDS professionell".

Damals hätten die großen Notenbanken einigermaßen unorthodox und rasch reagiert. Heute seien sie noch alerter und wollten eine mögliche Corona-Rezession schon im Vorfeld verhindern. Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), habe Medienberichten zufolge angekündigt, geldpolitische Schritte in die Wege zu leiten, falls es im Zuge der grassierenden Epidemie nötig sein sollte. Auch die US-Notenbank FED erkläre, die Entwicklung genau im Auge zu behalten. Ebenso die Bank of England.

Der Covid-19-Ausbruch "hat das Potenzial, die Wirtschaft der Eurozone sowohl auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite zu treffen", zitiere die "Wirtschaftswoche" den EZB-Vizepräsidenten Luis de Guindos. Die Quarantäne in China könnte die Exporte aus dem Euro-Raum belasten, im Dienstleistungssektor dürften die Reisebeschränkungen zu spüren sein. "Sollte sich das Virus weiter ausbreiten, könnten heimische Firmen direkter getroffen werden, beispielsweise durch Verzögerungen in den Lieferketten", warne de Guindos.

Die Bank of Japan habe bereits gehandelt und frische Liquidität in den Markt gepumpt. Was die EZB im Ernstfall tun würde, sei bislang unklar. Am Geldmarkt würden Anleger laut dem Nachrichtensender N-TV davon ausgehen, dass die Notenbank ihren Einlagenzins im laufenden Monat weiter in den negativen Bereich drücke, von minus 0,5 auf minus 0,6 Prozent. Auch spezielle Kredite für von der Epidemie getroffene Unternehmen seien denkbar, oder weitere Anleihekäufe durch die Notenbank.

Die EZB könnte auch den Leitzins einmal mehr senken, um einer Corona-bedingten Wirtschaftsschwäche entgegenzuwirken. Ein solcher Schritt würde allerdings wenig nutzen, würden Anlageexperten sagen: Die Finanzierungskosten für Unternehmen lägen bereits so niedrig, dass weitere Zinssenkungen kaum noch Wirkung zeigen dürften. Außerdem handele es sich bei Corona nicht um eine Nachfrage-, sondern wegen unterbrochener Lieferketten um eine Angebotskrise - und gegen die könnten Zinssenkungen wenig ausrichten. (03.03.2020/alc/a/a)