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Chancen und Risiken der EZB-Politik
19.03.15 17:01
Meriten IM
Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft Anleihen an - ganz nach dem Vorbild der FED, so Holger Fahrinkrug, Chefvolkswirt bei Meriten Investment Management.
Doch sie agiere in einem Markt, der deutlich fragmentierter und illiquider sei als der nordamerikanische. Dadurch hätten ihre Käufe stärkere Auswirkungen auf die Preise vieler Assetklassen. Könne das gut gehen? Und was für Konsequenzen würden sich für Konjunktur und Märkte ergeben?
Anders als in den USA, sei der Markt für Staatsanleihen der Euro-Mitgliedsländern national fragmentiert. Außerdem zwinge die Regulierung viele Investoren hierzulande, Staatsanleihen zu halten, unabhängig von Marktpreisen. Beide Faktoren würden die für EZB-Käufe verfügbare Liquidität beeinträchtigen.
Dies habe zur Folge, dass die EZB stärkeren Einfluss auf Preisbildung und Renditen nehme als dies bei den QE-Programmen der Federal Reserve in den USA der Fall gewesen sei. Auch der angestrebte Portfolio-Effekt, also die Verdrängung von Anlegern aus dem Staatsanleihemarkt in andere Assetklassen wirke stärker. Das verbessere die Erfolgsaussichten im Sinne der EZB-Ziele, könnte aber auch einer möglichen Blasenbildung an den Märkten Vorschub leisten.
Die EZB-Käufe und die damit einhergehende Euro-Abwertung, gekoppelt mit dem niedrigen Ölpreis, würden einen starken Wachstumsimpuls für die Länder der Eurozone erzeugen. Die Experten würden zudem meinen, dass auch das Inflationsziel der EZB von knapp unter 2 Prozent schneller in Sicht kommen könnte als viele erwarten würden. Bereits zu Beginn 2016 könnte die Eurozone somit nominales Wachstum von 3 bis 4 Prozent erreichen. Dies seien die Chancen, die sich mit dem EZB-Programm auftun würden. Allerdings wäre ein solches Szenario kaum mit Null- oder Negativrenditen vereinbar.
Da die EZB sich festgelegt habe, ihr Programm bis mindestens September 2016 fortzuführen, könnte sie paradoxerweise genau dann in Argumentationsnot kommen, wenn sie (zu) schnell Erfolg habe. Bei vorzeitigem Erreichen eines positiven Inflationstrends, z. B. durch Stabilisierung des Ölpreises, und gleichzeitiger Wachstumsbelebung dürfte der Markt ebenso schnell beginnen, über einen vorzeitigen Ausstieg aus dem EZB-Programm zu spekulieren. Je stärker das Programm die Preisbildung bis dahin manipuliert habe, umso volatiler und schmerzhafter für Investoren könnte eine solche Phase der Unsicherheit werden.
Was seien die Schlussfolgerungen für Investoren? Angesichts ihrer Marktmacht wäre es sicher töricht, sich bereits heute gegen die EZB zu positionieren. Je stärker und je schneller sich allerdings der beabsichtigte ökonomische Erfolg ihres Ankaufsprogramms einstelle, desto deutlicher dürfte die Gefahr werden, dass ein zu später Ausstieg für die Märkte schwer verdaulich werden könnte. Wenn die EZB die Renditen tatsächlich gegen deutliches nominales Wachstum unangemessen niedrig halte, dürften die Durationswetten, die heute der "trade of the day" seien, deutlich an Charme verlieren, um es vorsichtig auszudrücken.
Credit und andere Risikoassetklassen würden im Falle steigender Renditen in Mithaftung genommen werden - in dem Maße, in dem sie während des Kaufprogramms von Zuflüssen profitiert hätten. Sie dürften allerdings bewertungstechnisch besser abgesichert sein als reine Durationsprodukte, wenn der EZB-Exit aus dem Grund erfolge, dass sich Konjunktur und Inflation in der Eurozone erholen würden.
In diesem Szenario bliebe profitables Investieren also schwierig. Aber: Sei es das nicht immer gewesen? (19.03.2015/alc/a/a)
Doch sie agiere in einem Markt, der deutlich fragmentierter und illiquider sei als der nordamerikanische. Dadurch hätten ihre Käufe stärkere Auswirkungen auf die Preise vieler Assetklassen. Könne das gut gehen? Und was für Konsequenzen würden sich für Konjunktur und Märkte ergeben?
Anders als in den USA, sei der Markt für Staatsanleihen der Euro-Mitgliedsländern national fragmentiert. Außerdem zwinge die Regulierung viele Investoren hierzulande, Staatsanleihen zu halten, unabhängig von Marktpreisen. Beide Faktoren würden die für EZB-Käufe verfügbare Liquidität beeinträchtigen.
Dies habe zur Folge, dass die EZB stärkeren Einfluss auf Preisbildung und Renditen nehme als dies bei den QE-Programmen der Federal Reserve in den USA der Fall gewesen sei. Auch der angestrebte Portfolio-Effekt, also die Verdrängung von Anlegern aus dem Staatsanleihemarkt in andere Assetklassen wirke stärker. Das verbessere die Erfolgsaussichten im Sinne der EZB-Ziele, könnte aber auch einer möglichen Blasenbildung an den Märkten Vorschub leisten.
Da die EZB sich festgelegt habe, ihr Programm bis mindestens September 2016 fortzuführen, könnte sie paradoxerweise genau dann in Argumentationsnot kommen, wenn sie (zu) schnell Erfolg habe. Bei vorzeitigem Erreichen eines positiven Inflationstrends, z. B. durch Stabilisierung des Ölpreises, und gleichzeitiger Wachstumsbelebung dürfte der Markt ebenso schnell beginnen, über einen vorzeitigen Ausstieg aus dem EZB-Programm zu spekulieren. Je stärker das Programm die Preisbildung bis dahin manipuliert habe, umso volatiler und schmerzhafter für Investoren könnte eine solche Phase der Unsicherheit werden.
Was seien die Schlussfolgerungen für Investoren? Angesichts ihrer Marktmacht wäre es sicher töricht, sich bereits heute gegen die EZB zu positionieren. Je stärker und je schneller sich allerdings der beabsichtigte ökonomische Erfolg ihres Ankaufsprogramms einstelle, desto deutlicher dürfte die Gefahr werden, dass ein zu später Ausstieg für die Märkte schwer verdaulich werden könnte. Wenn die EZB die Renditen tatsächlich gegen deutliches nominales Wachstum unangemessen niedrig halte, dürften die Durationswetten, die heute der "trade of the day" seien, deutlich an Charme verlieren, um es vorsichtig auszudrücken.
Credit und andere Risikoassetklassen würden im Falle steigender Renditen in Mithaftung genommen werden - in dem Maße, in dem sie während des Kaufprogramms von Zuflüssen profitiert hätten. Sie dürften allerdings bewertungstechnisch besser abgesichert sein als reine Durationsprodukte, wenn der EZB-Exit aus dem Grund erfolge, dass sich Konjunktur und Inflation in der Eurozone erholen würden.
In diesem Szenario bliebe profitables Investieren also schwierig. Aber: Sei es das nicht immer gewesen? (19.03.2015/alc/a/a)


