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Chancen für Eurobonds in der Corona-Krise?
29.04.20 11:15
WisdomTree Europe
London (www.anleihencheck.de) - Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Covid-19 bedingten Lockdowns auf die verschiedenen europäischen Volkswirtschaften treten immer deutlicher zutage, so Lidia Treiber, Director, Research von WisdomTree.
So seien die Finanzierungskosten für schwer betroffene Länder wie Italien und Spanien stark angestiegen. Der Spread von Staatsanleihen der Peripherieländer gegenüber deutschen Staatsanleihen habe begonnen sich auszuweiten. Anleger würden sich besorgt zeigen über die steigende Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für Länder mit bereits schwächeren Fundamentaldaten.
Die Idee der V-förmigen Erholung, die mit einem steilen Rückgang beginne, ihren Tiefpunkt erreiche und sich dann schnell erhole, beginne sich aufzulösen. Es sei zu erwarten, dass die Länder nach und nach die Lockdown-Regeln aufheben würden, um einen Corona-Rückfall zu vermeiden, wie es kürzlich in der chinesischen Region Harbin der Fall gewesen sei.
Abgesehen von den erheblichen konjunkturstützenden Maßnahmen, die bereits in Europa, den USA und anderswo zu beobachten gewesen seien, sei das Thema Eurobonds erneut auf dem Diskussionstisch gelandet. Am 25. März hätten sich neun Länder der Eurozone - Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, Spanien, Portugal, Griechenland, Slowenien und Irland - in einem formellen Schreiben an den Präsidenten des EU-Rates Charles Michel für ein gemeinsames Schuldinstrument ausgesprochen, um den durch die Coronavirus-Krise verursachten Schaden zu mildern. Das Konzept der Eurobonds sei von der Europäischen Kommission Barroso bereits 2011 während der europäischen Staatsschuldenkrise 2009 bis 2012 initiiert worden und habe darauf abgezielt, von der Europäischen Union emittierte Anleihen auf den Markt zu bringen.
Während das Instrument des Typs Eurobonds während der europäischen Schuldenkrise vor fast einem Jahrzehnt abgelehnt worden sei, heiße es jetzt in dem Schreiben an die EU-Kommission weiter, dass ein solches Instrument während dieser Krise nun unterstützt werde: "Wir alle sind mit einem symmetrischen externen Schock konfrontiert, für den kein Land die Verantwortung trägt, dessen negative Folgen aber von allen getragen werden und wir sind gemeinsam für eine wirksame und einheitliche europäische Reaktion verantwortlich." Dieses gemeinsame Schuldinstrument sollte einen ausreichenden Umfang und eine lange Laufzeit haben, um voll effizient zu sein und Roll-over-Risiken jetzt und in Zukunft zu vermeiden. Wie schon während der letzten Krise würden sich Deutschland und die Niederlande als starke Gegner eines solchen Instruments erweisen. Beide Länder würden befürchten, dass Eurobonds hoch verschuldeter EU-Staaten den Zugang zu billigeren Krediten ermöglichen und die Rechenschaftspflicht der einzelnen Staaten verringern würden, da die Strafe für hohe Schuldenkosten gemildert würde.
Wenn wir uns an den Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise (29. November 2011) zurückerinnern, so erbrachte die zehnjährige italienische Staatsverschuldung (BTP) eine Rendite von 7,24 Prozent und bot damit eine Spanne von 4,91 Prozent gegenüber der deutschen Staatsverschuldung (Bund) mit ähnlicher Laufzeit, so Lidia Treiber, Director, Research von WisdomTree. Im Vergleich dazu betrage der Renditeaufschlag der 10-jährigen italienischen BTPs gegenüber deutschen Bundesanleihen derzeit rund 2,27 Prozent (27. April 2020). Es bestehe noch Spielraum, bis die Alarmglocken für Veränderungen läuten würden. Wenn Eurobonds während der aktuellen Krise nicht zum Tragen kämen, könnte es zu steigenden Spannungen zwischen den EU-Staaten kommen, da Länder wie Italien, Griechenland und Spanien weiterhin von Anleiheinvestoren bestraft würden. Im Laufe des Jahres 2012 habe das "Whatever it takes" der EZB angedeutet, dass sie alles tun würde, was nötig sei, sodass der Ruf nach Eurobonds letztendlich an Boden verloren habe. Obwohl sich bereits herausgestellt habe, dass die aktuelle Krise aufgrund der weltweit verhängten weitreichenden Wirtschaftssperren weit schwerer wiege als die vergangene, würden die Gegner der Eurobonds stark bleiben. (Ausgabe vom 28.04.2020) (29.04.2020/alc/a/a)
So seien die Finanzierungskosten für schwer betroffene Länder wie Italien und Spanien stark angestiegen. Der Spread von Staatsanleihen der Peripherieländer gegenüber deutschen Staatsanleihen habe begonnen sich auszuweiten. Anleger würden sich besorgt zeigen über die steigende Verschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) für Länder mit bereits schwächeren Fundamentaldaten.
Abgesehen von den erheblichen konjunkturstützenden Maßnahmen, die bereits in Europa, den USA und anderswo zu beobachten gewesen seien, sei das Thema Eurobonds erneut auf dem Diskussionstisch gelandet. Am 25. März hätten sich neun Länder der Eurozone - Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg, Spanien, Portugal, Griechenland, Slowenien und Irland - in einem formellen Schreiben an den Präsidenten des EU-Rates Charles Michel für ein gemeinsames Schuldinstrument ausgesprochen, um den durch die Coronavirus-Krise verursachten Schaden zu mildern. Das Konzept der Eurobonds sei von der Europäischen Kommission Barroso bereits 2011 während der europäischen Staatsschuldenkrise 2009 bis 2012 initiiert worden und habe darauf abgezielt, von der Europäischen Union emittierte Anleihen auf den Markt zu bringen.
Während das Instrument des Typs Eurobonds während der europäischen Schuldenkrise vor fast einem Jahrzehnt abgelehnt worden sei, heiße es jetzt in dem Schreiben an die EU-Kommission weiter, dass ein solches Instrument während dieser Krise nun unterstützt werde: "Wir alle sind mit einem symmetrischen externen Schock konfrontiert, für den kein Land die Verantwortung trägt, dessen negative Folgen aber von allen getragen werden und wir sind gemeinsam für eine wirksame und einheitliche europäische Reaktion verantwortlich." Dieses gemeinsame Schuldinstrument sollte einen ausreichenden Umfang und eine lange Laufzeit haben, um voll effizient zu sein und Roll-over-Risiken jetzt und in Zukunft zu vermeiden. Wie schon während der letzten Krise würden sich Deutschland und die Niederlande als starke Gegner eines solchen Instruments erweisen. Beide Länder würden befürchten, dass Eurobonds hoch verschuldeter EU-Staaten den Zugang zu billigeren Krediten ermöglichen und die Rechenschaftspflicht der einzelnen Staaten verringern würden, da die Strafe für hohe Schuldenkosten gemildert würde.
Wenn wir uns an den Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise (29. November 2011) zurückerinnern, so erbrachte die zehnjährige italienische Staatsverschuldung (BTP) eine Rendite von 7,24 Prozent und bot damit eine Spanne von 4,91 Prozent gegenüber der deutschen Staatsverschuldung (Bund) mit ähnlicher Laufzeit, so Lidia Treiber, Director, Research von WisdomTree. Im Vergleich dazu betrage der Renditeaufschlag der 10-jährigen italienischen BTPs gegenüber deutschen Bundesanleihen derzeit rund 2,27 Prozent (27. April 2020). Es bestehe noch Spielraum, bis die Alarmglocken für Veränderungen läuten würden. Wenn Eurobonds während der aktuellen Krise nicht zum Tragen kämen, könnte es zu steigenden Spannungen zwischen den EU-Staaten kommen, da Länder wie Italien, Griechenland und Spanien weiterhin von Anleiheinvestoren bestraft würden. Im Laufe des Jahres 2012 habe das "Whatever it takes" der EZB angedeutet, dass sie alles tun würde, was nötig sei, sodass der Ruf nach Eurobonds letztendlich an Boden verloren habe. Obwohl sich bereits herausgestellt habe, dass die aktuelle Krise aufgrund der weltweit verhängten weitreichenden Wirtschaftssperren weit schwerer wiege als die vergangene, würden die Gegner der Eurobonds stark bleiben. (Ausgabe vom 28.04.2020) (29.04.2020/alc/a/a)


